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Förderung vor allem für BTU-Forschung

Die Existenz der BTU soll in sechs bis zehn Jahren von keiner Seite mehr infrage gestellt werden – so das Ziel, das Präsident Jörg Steinbach in Potsdam formulierte.
Die Existenz der BTU soll in sechs bis zehn Jahren von keiner Seite mehr infrage gestellt werden – so das Ziel, das Präsident Jörg Steinbach in Potsdam formulierte. FOTO: dpa
Potsdam. Seit September ist der neue Präsident der BTU, Prof. Jörg Steinbach, im Amt. Gestern musste er dem Ausschuss für Wissenschaft und Forschung im Potsdamer Landtag Rede und Antwort zur Situation der neu gegründeten Universität stehen. Benjamin Lassiwe

Der neue Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), Prof. Jörg Steinbach, will die BTU in den nächsten Jahren vor allem im Bereich der Forschung fördern. "Forschung gab es, Forschung gibt es an der BTU - aber nicht strukturiert und nicht durch das geprägt, was man von anderen Universitäten kennt, die sich etwa an der Exzellenzinitiative beteiligen", sagte Steinbach am Mittwoch im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Brandenburger Landtags.

Erforschung moderner Werkstoffe

Bislang habe sich die Universität fast durchgängig an der Organisation der Lehre orientiert. Bei der Zahl der Forschergruppen und Graduiertenkollegs habe man dagegen "nicht so viel Mühe beim Zählen" gehabt. "Es ist mein persönliches Ziel, dass die Existenz dieser Universität in sechs bis zehn Jahren von keiner Seite mehr infrage gestellt wird, weil sie sich in der Wissenschaftslandschaft etabliert hat", sagte Steinbach. Dies sei nur durch Forschung machbar. Große Potenziale sehe er etwa bei der Erforschung energieschonender, moderner Werkstoffe oder in der Zusammenarbeit von Biotechnologie und Geowissenschaften, um etwa die Renaturierung ehemaliger Tagebaue mit biotechnologischen Prozessen zu befördern.

Derzeit ist die BTU im Gegensatz etwa zu den Universitäten in Frankfurt (Oder), Potsdam, Dresden und Freiberg kein Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Steinbach bat an dieser Stelle im Ausschuss um Geduld: So erwarte die DFG von ihren Mitgliedshochschulen eine Quote von 1,4 wissenschaftlichen Veröffentlichungen pro Lehrstuhl und Jahr, die zuvor von Fachkollegen begutachtet wurden. Der derzeitige Wert der BTU liege lediglich bei 0,4, also weniger als einem Drittel der Anforderungen. "Wenn ich dem Bergbauamt in Cottbus bei der Lösung eines technologischen Problems helfe, dann ist das zwar wichtig, das Ergebnis ist deswegen aber nicht unbedingt veröffentlichungsfähig", sagte Steinbach. Neben solchen Projekten müsse deswegen auch wieder eine Begeisterung für die Grundlagenforschung an der Universität entstehen. Ähnlich sei die Situation bei den Doktoranden und der Zahl der Promotionen.

Zudem erklärte der Universitätspräsident, die Zahl der Fakultäten der BTU von acht auf sechs verringern zu wollen. Dabei sollen auch ehemalige Universitäts- und ehemalige Fachhochschulfakultäten zusammengelegt werden. "Die bisherige Organisation war konsensorientiert im Sinne der Fusion", sagte Steinbach. "Wir brauchen aber Gruppen, die im wissenschaftlichen Sinne eine kritische Masse bilden." Das gehe nur, wenn sich zum Beispiel "die gesamte Energietechnik als Beute- und Interessengemeinschaft" verstehe. "So etwas bekomme ich nur hin, wenn die Herrschaften zwangsweise miteinander reden müssen", sagte Steinbach. "Sonst versucht jeder Bereich, sich alleine zu sanieren - und das ist für den Haushalt der Gesamtuniversität dann zu teuer." Wenn Fachhochschulfakultäten und Universitätsfakultäten zusammenarbeiteten, stünden letztlich alle besser da. "Sie sollen merken, dass sie der schnöde Mammon dazu zwingt, sich unterzuhaken und den unangenehmen Geruch des Nachbarn zu ertragen."

Uni konkurrenzfähig machen

Am Ende werde die Universität damit den unangenehmeren und konfliktreicheren Weg gehen. Es müsse aber möglich sein, Gelder in die Hand zu nehmen, um Professoren zu berufen, mit denen die BTU in der Konkurrenz zu Berlin oder Dresden bestehen könne. Die Universität müsse sich in der Gunst der Studierenden zudem gegen Standorte wie Magdeburg, Wismar und Rostock durchsetzen können. "Das ist Feindesland", sagte Steinbach. Er wisse aus seiner Zeit als Rektor der TU Berlin, wie viel die Berliner Universitäten für einen guten Wissenschaftler bezahlten. "Das muss ich einstellen können, sonst kriege ich immer nur die zweite Klasse." In den nächsten Jahren müssten an der BTU auch aus Altersgründen rund 50 Prozent der Lehrstühle neu besetzt werden. "Das ist die Chance, das Kind sicher starten und abheben zu lassen."