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| 16:00 Uhr

Potsdam
Flüchtlinge als Erntehelfer

Auf den Feldern wird bei der Ernte – hier von Erdbeeren – jede Hand gebraucht.
Auf den Feldern wird bei der Ernte – hier von Erdbeeren – jede Hand gebraucht. FOTO: dpa / Jan Woitas
Potsdam. CDU-Politiker Martin Patzelt sieht auch in der Annahme von Hilfsarbeiten einen Schlüssel zur Integration.

Der Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt hat mit Unverständnis darauf reagiert, dass es märkischen Obst- und Gemüsebauern immer schwerer fällt, genug Erntehelfer zu finden. Hintergrund ist, dass polnische Arbeitskräfte wegbleiben, weil sie daheim gute Jobs finden.

Patzelt möchte, dass im Land lebende Flüchtlinge diese Lücke füllen. „Seit zwei Jahren fordere ich, dass sie nach Abschluss ihres Asylverfahrens sofort in eine zumutbare Arbeit vermittelt werden. Das wäre die beste Integrationshilfe“, ist der 70-Jährige überzeugt. „Wer das Jobangebot nicht annimmt, dem werden die Leistungen gekürzt.“

Wo immer er seinen Vorschlag bisher präsentiert habe, bekomme er Beifall und im Anschluss eine Absage, bedauert der frühere Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder). „Dabei wären alle mir vorgetragenen Probleme leicht lösbar, wenn zum Beispiel Obstbauern oder andere Unternehmer Flüchtlinge zur Erledigung ihrer Aufgaben ebenso zur Arbeitsstelle transportieren wie sie das mit deutschen Arbeitnehmern tun.“

Den Einwand, dass Flüchtlinge als finanziell günstige Arbeitskräfte etatmäßige Jobs gefährden könnten, lässt Patzelt ebenfalls nicht gelten. „Es gibt mehr als genug Arbeit. Auch eine Haus-Krankenpflegerin würde sich freuen, wenn bei ihrer Tour jemand dabei ist, der beim Betten der Patienten mit anpackt.“

Wenn er höre, dass nun mit hohem bürokratischen Aufwand Erntehelfer in Nicht-EU-Ländern wie der Ukraine gesucht werden, könne er nur mit dem Kopf schütteln. „Wir haben genug Leute hier, die das machen können. Sie stehen auf der Straße, haben nichts zu tun.“ Der Bundestagsabgeordnete ist überzeugt, dass die Vergabe von Hilfsarbeiten nicht nur im Kampf gegen den Arbeitskräftemangel wichtig sei. „Die Sprachübung sowie das Kennenlernen deutscher Kultur wären ebenfalls wesentlich erleichtert und nicht zeitlich aufgeschoben.“ Zudem würde eine Beschäftigung Spannungen zwischen Flüchtlingen und der Gesellschaft sowie unter den Geflüchteten vermeiden, glaubt Patzelt. „Um Flüchtlinge sofort in Arbeit zu bringen, muss kein Gesetz geändert werden. Aber das Ziel muss von der Bundesregierung politisch durchgestellt werden, und die Arbeitsagenturen brauchen mehr Geld für die Eingliederung am Arbeitsmarkt.“

Ein Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg reagierte zurückhaltend auf Patzelts Ideen. Man sei sich der Bedeutung einer Arbeitsaufnahme von Geflüchteten für die gesellschaftliche Integration bewusst, hieß es. „Wir wollen sie schnell in Arbeit vermitteln, aber auch möglichst nachhaltig.“ Deshalb biete man Sprachkurse und Qualifizierungsmöglichkeiten an, vor allem mit Blick auf Branchen mit hohem Arbeitskräftebedarf. „Das gleicht einem Langstreckenlauf“, betonte der Sprecher.

Martin Patzelt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Brandenburg.
Martin Patzelt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Brandenburg. FOTO: Ulrike Blitzner;RTN