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Flächendeckender Personalmangel

Elf Kindertagesstätten der AWO sind am 23.02.2017 teilweise ganztägig im Warnstreik
Elf Kindertagesstätten der AWO sind am 23.02.2017 teilweise ganztägig im Warnstreik FOTO: Dmitri Maruta (126109331) | Fotolia
Potsdam. Als sich die Mitglieder des Bildungsausschusses des Landtages am Donnerstag zu ihrer Sitzung trafen, blieb ein Platz am Tisch des Ausschusses leer. "Frau Nast von der Friedrich-Fröbel-Kita in Oranienburg hat leider abgesagt", sagte die Ausschussvorsitzende Gerrit Große. Benjamin Lassiwe / iwe1

"An der Kita herrscht Personalmangel, sie muss in die Gruppe hinein."

Womit eines der wesentlichen Themen der Ausschusssitzung passend eröffnet wurde: Denn gestern berieten die Abgeordneten über das geplante neue Kitagesetz. Es soll die Personalausstattung der Kindertagesstätten leicht verbessern: Zum 1. August 2017 soll bei den unter Dreijährigen der Personalschlüssel von einem Erzieher pro zwölf Kinder auf einen zu 11,5 Kinder verbessert werden, zum 1. August 2018 soll dann ein Schlüssel von 1:11 gelten.

Wie schwierig es sein wird, dieses Ziel zu erreichen, machten einige Daten aus einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände deutlich, die aber in einer schriftlichen Stellungnahme der Liga für den Ausschuss zitiert wurde.

Demnach bleiben derzeit an 15 Prozent der Kindertagesstätten freier Träger Plätze wegen Personalmangels unbesetzt. 16 Prozent der Kitas müssen wegen Personalmangels ihre Öffnungszeiten reduzieren. "Wir sehen hier einen Wendepunkt", sagte der Liga-Vorsitzende, Diakonie-Vorstand Martin Matz, im Ausschuss. Früher habe es Personalprobleme punktuell gegeben, heute sei "die Zahl der Kinder und die Zahl der benötigten Fachkräfte an einem Schnittpunkt angekommen, wo es nicht mehr nur punktuell ist."

Matz machte deutlich, dass nicht alle Absolventen einer Kita-Ausbildung eine Tätigkeit im Land Brandenburg aufnehmen. Dies sei nur bei 75 Prozent der Absolventen der Fall. "Da ist noch Luft nach oben."

Ähnlich äußerten sich auch andere Experten. So sprach die zuständige Referatsleiterin beim Städte- und Gemeindebund Brandenburg, Bianka Petereit, von einem "dramatischen Fachkräftebedarf", insbesondere mit Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstättenplatz. Auch in einer schriftlichen Stellungnahme des Landkreises Märkisch-Oderland heißt es: "Die vierteljährliche Stichtagsmeldung der Träger an den Landkreis zeigt deutlich, dass nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht." Die Träger hätten Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal zu finden.

Petereit beklagte zudem, dass Gelder aus dem Bundeshaushalt im Ministerium versickerten. Seit 2008 seien 184 Millionen Euro vom Bund nach Brandenburg gegeben worden.

Diskutiert wurde auch über die Kosten des Mittagessens in den Kindertagesstätten. Hier hatten mehrere Gerichtsurteile kommunale Satzungen gekippt, weil die Kosten für das Essen nicht eindeutig begründet waren. "Wir können derzeit seriös und belastbar keiner Gemeinde empfehlen, wie sie kalkulieren kann", sagte Petereit. Der Städte- und Gemeindebund empfehle deswegen, eine Anleihe an der Formulierung im Schulgesetz zu nehmen. Dort ist von "angemessenen Preisen" die Rede. Diese Regelung habe sich in der Praxis bewährt.

Der Professor für Kleinkindpädagogik an der Freien Universität Berlin, Wolfgang Tietze, sprach sich für ein Qualitätsmonitoring an den Kindertagesstätten aus. Die Politik müsse wissen, was an den Kindertagesstätten tatsächlich passiere. "Man könnte in einem wohlüberlegten Stichprobenplan jedes Jahr eine Anzahl von Einrichtungen untersuchen", schlug der Professor vor.