Sind es nur der aktuell sehr niedrige Wasserstand und der aufgrund der Hitze immer größere Sauerstoffmangel, die zu einem massiven Fischsterben in der Oder geführt haben? Oder gibt es noch eine andere Erklärung für diese ökologische Katastrophe? Bisher gibt es dazu noch viele Fragezeichen und keine offizielle Aufklärung.
UPDATE, 16:00 Uhr: Nun gilt auch für Teile des Landkreises Oder-Spree, die an die Oder grenzen, eine amtliche Gefahrenwarnung. Sie wurde per Warnapp NINA verschickt.
„Die betroffenen Landwirte und Fischereibetriebe wurden durch die zuständigen Ämter bereits in Kenntnis gesetzt. Hundehalter sollten derzeit mit ihren Tieren die Oder meiden und auf Schwimmen oder den Verzehr von Fisch aus der Oder vorsorglich verzichten. Auch Paddler, die auf der Oder unterwegs sind, sollten sich entsprechend achtsam verhalten und die toten Tieren nicht anfassen“, so Petra Senger, Amtsleiterin des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes.
UPDATE, 12:50 Uhr: Viele Anfragen besorgter Bürger in Frankfurt (Oder) – so steht es ums Trinkwasser.
Das polnische Internetportal „SrefaAgro“, das sich mit Landwirtschafts- und Naturthemen beschäftigt, berichtete bereits am vergangenen Sonnabend (6. August) über den Verdacht, dass „jemand in der Gegend von Opole Hunderte Liter Giftstoffe in den Fluss geleitet haben muss“. Opole ist eine Stadt im polnischen Oberschlesien, die rund 320 Kilometer flussaufwärts von Frankfurt (Oder) an dem deutsch-polnischen Fluss liegt.

Angler sahen die toten Fische zuerst

Dem Bericht zufolge war Anglern bereits am 28. Juli aufgefallen, dass plötzlich viele tote Fische im Fluss schwammen. Weiter heißt es in dem Bericht: „Es ist möglich, dass eine Substanz mit stark oxidierenden Eigenschaften ins Wasser gelangt ist.“ Außerdem wird auf eine Pressemitteilung der zuständigen Umweltschutzinspektion in Breslau (WIOŚ Wrocław) verwiesen, die am 6. August bereits Wasserproben ausgewertet haben soll. Darin heißt es: „Die chronomatographische Analyse von Wasserproben aus der Umgebung von Oława (einer Kleinstadt) zeigte mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit das Vorhandensein von Mesitylen (1,3,5, – Trimethylbenzol), einer giftigen Substanz im Wasser. Es ist eine hochgiftige Verbindung aus der Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe, die als Lösungsmittel in der organischen Synthese verwendet wird.“
UPDATE, 11.15 Uhr: Inzwischen hat die polnische Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgrund der Ergebnisse der Wasserproben aufgenommen.
Der Vorstandsvorsitzende des polnischen Angelvereins in der Region Wrocław, Andrzej Świętach, berichtete am 6. August, dass Angler bereits mehr als fünf Tonnen toter Fische aus dem Wasser der Oder geborgen hätten. Er wird mit den Worten zitiert. „Ich habe keine Ahnung, wo die Vergiftung stattgefunden hat. Es gibt zuständige staatliche Stellen, die dies untersuchen und feststellen sollten. Ich hoffe, dass es möglich sein wird, den Schuldigen vor Gericht zu bringen. Immerhin gibt es Aufzeichnungen darüber, wer große Mengen des giftigen Mittels gekauft und wie er es dann entsorgt hat.“
UPDATE, 10.15 Uhr: Inzwischen gibt es eine offizielle Gefahrenmeldung der Behörden. Per Warnapp NINA wird empfohlen, Oderwasser derzeit nicht zu nutzen. „Aktuell ist in der Oder zwischen Brieskow-Finkenheerd und Genschmar aus ungeklärten Ursachen ein Fischsterben zu beobachten. Es wurden aber auch schon weiter flussaufwärts in Ratzdorf mehrere tote Fische in der Oder gefunden, wie ein ortsansässiger Fischer bestätigte. Die zuständigen Behörden prüfen derzeit die Hintergründe“, heißt es dazu in der Warnung. „Solange keine belastbaren Informationen über die Ursachen, die Konzentration an den unterschiedlichen Flussabschnitten und mögliche Gefahren bekannt ist, empfiehlt der Landkreis Märkisch-Oderland den Kontakt zu Oderwasser vorsorglich zu meiden.“ Dazu zähle auch der Verzehr von Fisch, die Nutzung des Wassers oder das Schwimmen von Hunden in der Oder.

Keine Informationen von den polnischen Behörden

In Brandenburg war das Fischsterben erstmals zu Beginn dieser Woche (8. August) bemerkt worden. Die deutschen Behörden – wie etwa das Landesamt für Umwelt und auch die Wasserschutzpolizei – gaben an, von den polnischen Behörden bisher nicht informiert worden zu sein. Sie leiteten eigene Ermittlungen ein.
Für Rätsel sorgt auch die Frage, weshalb der Wasserstand der Oder in den vergangenen Tagen um fast 30 Zentimeter gestiegen ist. Der Grund könnte sein, dass ein oder mehrere Rückhaltebecken in Polen geöffnet wurden, um den Fluss „durchzuspülen“. Bisher gibt es aber auch dazu noch keine Informationen.