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| 14:40 Uhr

Lasst uns unsere Arbeit machen!
Feuerwehrverband verfasst Resolution gegen Gewalt

Die Arbeit der Helfer an Unfallorten wird immer schwerer. Feuerwehrleute und Retter werden zunehmend behindert. Die Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu.
Die Arbeit der Helfer an Unfallorten wird immer schwerer. Feuerwehrleute und Retter werden zunehmend behindert. Die Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu. FOTO: Steffen Rasche
Cottbus/Erfurt. Die Gewalt gegenüber Einsatzkräften der Feuerwehren und Retter auf den Straßen nimmt zu. Die Helfer sind sauer und halten damit auch nicht mehr hinterm Berg. Für Lausitzer Wehren sind Attacken im Einsatz nicht unbekannt, aber noch Ausnahmen. Von Kathleen Weser

Lausitzer Einsatzkräfte begrüßen ausdrücklich die Resolution von Erfurt. Die Delegierten des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) haben sich am Wochenende in der Landeshauptstadt von Thüringen mit dem Appell „Unsere Einsatzkräfte – unsere Sicherheit! Nein zur Gewalt gegen Feuerwehrangehörige“ sehr klar zu Wort gemeldet: „Der Respekt und die Unterstützung der Einsatzkräfte der Feuerwehren und Rettungsdienste haben in den letzten Jahren immer mehr nachgelassen. Einsatzkräfte werden häufiger bei der sachgerechten Ausübung ihrer Tätigkeit behindert und sogar verbal und körperlich angegriffen“, verdeutlichen 170 Delegierte aus ganz Deutschland. „Wir fordern daher die Gesellschaft, insbesondere Politik, Justiz, Bevölkerung und Medien dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und uns vor Gewalt zu schützen.“

Bedrohte Helfer sind in der Lausitz noch Einzelfälle. Das betont Rico Nowka, Wehrführer in Guben (Spree-Neiße), aus mehr als 25 Jahren Erfahrung bei Einsätzen an der Neiße. Pöbeleien von Betrunkenen haben die Helfer aber schon erlebt. „Wir unterstützen die Resolution von Erfurt vorbehaltlos“, sagt er. Gegen Gewaltausbrüche und Angriffe gegen Helfer und Retter müsse rigoros vorgegangen werden.

Die Fälle nehmen auch zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen zu. In Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) musste die Polizei die Brandbekämpfer in der vergangenen Woche gegen die Mistgabel-Attacke eines wütenden Grundstücksbesitzers schützen. In Thüringen hat ein Mann, der seine Nachbarn mit Feuerwerkskörpern beworfen und die Ordnungshüter damit auf den Plan gerufen hatte, schließlich einen Gasbrennner auf die angerückten Polizisten gerichtet. Die Lausitzer Besatzungen der Rettungshubschrauber beklagen immer wieder: Auf der Autobahn werden Notlandungen bei Unfällen mit schwer verletzten Menschen verzögert, weil die Autofahrer noch unter dem Helikopter weiterfahren, um dem langen Stillstand im Unfall-Stau zu entgehen. Selbst die Helfer des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) beklagen, dass die Aggressivität zunimmt.

Sven Wielk, der Amtswehrführer des Amtes Ortrand (Oberspreewald-Lausitz), kann direkte Angriffe auf Helfer im Lösch- und Hilfseinsatz „zum Glück nicht bestätigen“. Aber die Respektlosigkeiten seien teilweise gravierend. „Dass notwendige Absperrungen vor allem auf der Autobahn frech durchfahren werden, ist leider nicht selten“, sagt er. Auch dies sei ein indirekter Angriff auf die Feuerwehrleute, der lebensgefährlich sei. „Ich habe auch schon selbst erlebt, wie das Landen des Rettungshubschraubers auf der A 13 blockiert wurde“, schildert Sven Wielk. Massiv bedroht habe auch er sich im Februar dieses Jahres in Frauendorf bei Ortrand gefühlt, als der Hausherr eines brennenden Gebäudes zur Waffe gegriffen hatte. „Vorfälle wie dieser dürfen nicht bagatellisiert werden“, fordert Sven Wielk. Auch wenn sich die Lage im Nachgang als weniger gefährlich herausgestellt habe. Denn die Kameraden wüssten nie, in welche brenzlige Situation sie kämen. „Bedrohungen und Angriffe auf Helfer sind das Letzte“, sagt er.