| 02:39 Uhr

Fankultur im Landtag

Fankultur ist etwas, was man normalerweise aus Fußballstadien kennt. Mit Schals und Trikots in den Clubfarben jubeln die Anhänger ihrem Verein zu.

Oder bei Konzerten, wo CDs signiert werden und Autogramme unterschrieben. Doch selbst im Potsdamer Landtag scheint es eine Art Fankultur zu geben. Das konnte man am Mittwoch, bei der Debatte zur Kreisgebietsreform, erleben. Denn auf der Tribüne des Landesparlaments hatte der immer noch hoch geachtete ehemalige Ministerpräsident Manfred Stolpe Platz genommen. Die wichtige Debatte wollte er sich nicht entgehen lassen. Und wie alle prominenten Besucher wurde auch Stolpe von Landtagspräsidentin Britta Stark namentlich begrüßt. So, wie es im Landtag üblich ist.

Völlig unüblich ist dagegen, was anschließend geschah: Denn während der folgenden Debatte gab es einen regen Besuchverkehr auf der Tribüne des Landtags. Zuerst saß die Cottbuser Abgeordnete Kerstin Kircheis (SPD) neben dem ehemaligen Landesvater. Es folgte Ministerin Martina Münch (SPD). Barbara Hackenschmidt (SPD) sah man irgendwann im Gespräch mit dem Ex-Landesvater, dazu Innenstaatssekretärin Katrin Lange. Nach und nach sah man die halbe SPD-Fraktion jeweils für ein paar Minuten auf der Tribüne Platz nehmen.Was am Ende nicht nur zeigt, dass es auch im Landtag eine Art von Fankultur zu geben scheint. Nein, es macht auch deutlich, wie sehr der ehemalige Ministerpräsident bis heute in der Brandenburger Sozialdemokratie beliebt ist - und in welch übergroße Fußstapfen seine Nachfolger dann treten müssen.