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Fahrgastverband fordert mehr Züge in Brandenburg

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Cottbus/Potsdam. Für Brandenburgs Nahverkehr werden in den kommenden Monaten entscheidende Weichen gestellt – alleridngs ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. das kritisiert zumindest der Fahrgastverband Pro Bahn. bob

"Stehplatz" für Pendler - nicht nur im RE2, der die Lausitz mit Berlin verbindet, beklagen sich Fahrgäste immer wieder über die nicht ausreichende Sitzplätze. Auch auf anderen Strecken fehlen laut Pro Bahn Kapazitäten. "Ursache ist ein zu geringer Bestellumfang an Regionalverkehr durch das Land Brandenburg", heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes zur aktuellen Planung in Brandenburg. Das Bundesland gehöre zu den wenigen, die die vom Bund für den Schienenpersonennahverkehr bereitgestellten Mittel nicht vollständig für diesen Zweck ausgeben, heißt es darin.

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider eröffnet am Mittwoch den ersten von vier Regionaldialogen zum Landesnahverkehrsplan. Los geht es in Wittenberge. Am 15. Juni wird in Cottbus diskutiert. "Wir wollen zu unseren wichtigsten strategischen Vorhaben mit den Bürgern, den Kommunen, den Verbänden und den Verkehrsunternehmen in den Regionen im Gespräch bleiben. Unser Ziel ist, Wachstum und Entwicklung in das gesamte Land tragen. Die unterschiedlichen Strukturen im Land brauchen abgestimmte Konzepte und interkommunale Kooperation zur Umsetzung", sagt Kathrin Schneider.

Allerdings geht es bei diesen Dialogen nur um die Planung bis 2022, wie Pro Bahn kritisiert: "Angesichts der bis 2022 reichenden Verkehrsverträge und der beschränkten Fahrzeugkapazitäten in diesen Verkehrsverträgen besteht jedoch kaum Spielraum für wesentliche Verbesserungen."

Viel spannender ist aus Sicht des Fahrgastverbandes die derzeit in Planung befindliche Neu-Ausschreibung von Bahnlinien. "Diese Ausschreibung wird alle wichtigen RE- und Vorort-Linien von und nach Berlin umfassen", so Pro Bahn. Eine entsprechende
Ausschreibungsankündigung sei im November 2016 veröffentlicht worden. Die Ausschreibung selbst soll um die Jahreswende 2017/2018 erfolgen. "Mit dieser Ausschreibung werden Linienangebot, Fahrzeuge und Takte des Regionalverkehrs für die Zeit 2023 bis 2035 weitgehend festgelegt, da einmal geschlossene Verkehrsverträge nur sehr schwer und mit hohen Mehrkosten verändert werden können", argumentiert Pro Bahn. Bisher gebe es keinerlei Informationen, welche Linien dort in welchen Umfängen ausgeschrieben werden sollen. Pro Bahn fordert deshalb einen öffentlichen Dialog. "Im Zweifelsfall muss die Ausschreibung verschoben werden, bis dieser Planungsprozess abgeschlossen ist", so die Forderung.

Weiter fordert der Verband eine bessere Erreichbarkeit aller Regionen im Land Brandenburg und
Fahrzeitverkürzungen für die Berlin-fernen Regionen. "Bei Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent bei der Passagierzahl pro Jahr muss bis 2030 mit einer weiteren Nachfrage-Steigerung von über 50 Prozent gerechnet werden", so Pro Bahn. Wichtig sei, "die Weichen jetzt langfristig in die richtige Richtung zu stellen und eine deutliche Verbesserung des Regionalverkehrs zur Planungsgrundlage zu machen".