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Rund 220 Hinweise bei Ermittlern
Fahndung nach DHL-Erpresser geht weiter

Polizisten gehen am 2. Dezember 2017 in Potsdam (Brandenburg) über den Weihnachtsmarkt. Am Vortag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Darin befanden sich Hunderte Nägel und ein sogenannter Polenböller. Das Paket explodierte zwar nicht, das wäre laut Polizei aber prinzipiell möglich gewesen.
Polizisten gehen am 2. Dezember 2017 in Potsdam (Brandenburg) über den Weihnachtsmarkt. Am Vortag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Darin befanden sich Hunderte Nägel und ein sogenannter Polenböller. Das Paket explodierte zwar nicht, das wäre laut Polizei aber prinzipiell möglich gewesen. FOTO: Maurizio Gambarini / dpa
Potsdam. Vier Wochen nach dem Fund einer Paketbombe in einer Potsdamer Apotheke sind bei der Polizei rund 220 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. In den weitaus meisten Fällen wurden allerdings verdächtige Pakete gemeldet, die sich allesamt als harmlos erwiesen, wie die Ermittler berichteten. Die Sonderkommission „Quer“ beim Landeskriminalamt (LKA) in Brandenburg mit rund 50 Beamten fahndet unterdessen weiter nach dem Erpresser, der von dem Paketdienstleister DHL mehrere Millionen Euro fordert.

Die Soko arbeite auch an Wochenenden und Feiertagen, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Torsten Herbst. Zum Stand der Ermittlungen äußert sich die Polizei bei solchen Erpressungs-Lagen jedoch grundsätzlich nicht. „Wir wollen Täter nicht informieren, sondern inhaftieren“, betonte Herbst.

Der oder die Erpresser hatten Anfang November an einen Händler in Frankfurt (Oder) und am 1. Dezember an eine Potsdamer Apotheke Paketbomben verschickt. Die Empfänger alarmierten rechtzeitig die Polizei, die die Sendungen unschädlich machen konnte. In dem Paket entdeckten die Ermittler neben einem sogenannten Polenböller, Batterien und einer Metalldose voller Nägel einen mit einem QR-Code verschlüsselten Erpresserbrief. Weitere Paketbomben tauchten seitdem nicht mehr auf.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte sich vor knapp drei Wochen noch optimistisch gezeigt, dass die Fahnder den Erpresser fassen könnten. „In dem Wissen, dass wir ihn kriegen werden, sollte er aufhören, bevor es Verletzte gibt“, sagte Schröter der Zeitung „Welt am Sonntag“. „Wir sind optimistischer geworden“, so der Minister. Er gehe davon aus, dass der Fall bald aufgeklärt werden könne. Doch seitdem schweigt die Polizei zu dem Fall.

Die Ermittler haben nach eigenen Angaben zuletzt rund 220 Hinweise aus der Bevölkerung bekommen. In den weitaus meisten Fällen wurden allerdings verdächtige Pakete gemeldet, die sich allesamt als harmlos erwiesen. So wurde Mitte Dezember im uckermärkischen Schwedt ein Einkaufszentrum für mehrere Stunden geräumt, weil es mutmaßlich aus einem Paket verdächtig gepiepst hatte. Die Entschärfergruppe des LKA entdeckten jedoch nur Bettwäsche - das Piepsen kam aus einer Apparatur unter der Ablage des Pakets.

In Bremen wurden nach dem Fund eines verdächtigen Pakets ein Straßenzug und ein Abschnitt der Autobahn 270 gesperrt. Nach wenigen Stunden konnten Sprengstoff-Spezialisten der Bundespolizei Entwarnung geben. Fehlalarme gab es auch in anderen Bundesländern.

Meist ging es aber um alltägliche Fälle wie im uckermärkischen Angermünde: Dort alarmierte ein Bürger die Polizei, weil nach dem Öffnen eines Pakets Kabel zum Vorschein kamen. Die Spezialisten des LKA fanden darin Begrenzungsleuchten für ein Auto, die Angehörige des Mannes bestellt hatten.

Kurios war ein Alarm in Oranienburg (Oberhavel): In einem Mehrfamilienhaus drangen verdächtige Geräusche aus einem Briefkasten im Hausflur. Einige Bewohner hätten sich deswegen nicht mehr aus dem Haus getraut, berichtete die Polizei. Die alarmierten Streifenbeamten entdeckten durch den Briefschlitz einen summenden und vibrierenden Vibrator, der sich beim Einwerfen eingeschaltet hatte.

Der Paketdienstleister DHL will sich wegen der laufenden Ermittlungen zum Erpressungsversuch und zu möglichen Auswirkungen auf den Betrieb nicht äußern. Dem Umsatz habe die kriminelle Erpressung jedoch nicht geschadet. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Sendungsmengen im Weihnachtshochbetrieb noch gestiegen, berichtet DHL-Sprecherin Anke Blenn.

So habe das Unternehmen Mitte Dezember mit mehr als 10 Millionen Sendungen innerhalb von 24 Stunden einen neuen Rekord bei der Zahl der eingelieferten Pakete verzeichnet. Der Jahresdurchschnitt liege bei 4,3 Millionen Sendungen pro Tag.

(Klaus Peters/dpa)