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| 15:18 Uhr

Ausmaß der Schäden erst 2019/2020 richtig erkennbar
Extremsommer-Bilanz: 1629 Hektar Brandenburger Wald kaputt

Der Waldbrand bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) hat rund 300 Hektar Wald, fast 90 Prozent des Bestandes dort, vernichtet.
Der Waldbrand bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) hat rund 300 Hektar Wald, fast 90 Prozent des Bestandes dort, vernichtet. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Potsdam. Abgestorbene Baumäste, Waldbrände, ausgetrocknete Gewässer - die extreme Hitze und Trockenheit des vergangenen Sommers hat Brandenburgs Natur stark zu schaffen gemacht. Doch was tun, um das in Zukunft zu verhindern?

Der trockene und heiße Sommer hat Brandenburgs Natur stark zu schaffen gemacht. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. §Der vergangene Sommer stellt hinsichtlich der Trockenheit und der Sonneneinstrahlung ein Extremereignis dar“, sagt der Sprecher des Potsdamer Umweltministeriums, Hans-Joachim Wersin-Sielaff. Die Vegetationsperiode zwischen April und September ergebe ein Niederschlagsdefizit von 150 Millimetern gegenüber dem langjährigen Mittel. Außerdem war es im Durchschnitt 3,8 Grad Celsius wärmer als in dem Zeitraum üblich.

Das sei Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen für diese Monate. Während in Wäldern die Trockenheit anfangs verzögert einsetzte, wurden dort ab Mitte August mehr und mehr Schäden sichtbar. „Insgesamt gab es bis Ende September 471 Waldbrände. 1629 Hektar wurden dabei geschädigt“, sagt der Sprecher.

Auch die Parkanlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam und Berlin haben unter Hitze und Trockenheit gelitten. „Viele Jungbäume aus den vergangenen Jahren waren trotz wöchentlicher Bewässerung nicht zu halten“, sagt Stiftungssprecher Frank Kallensee. Fliedersträucher ließen die Blätter schlaff hängen, Holundersträucher hätten kaum noch welche gehabt.

Weil viele Bäume und Sträucher abstarben, habe es einen deutlich höheren Aufwand bei der Gehölzpflege gegeben. „Die Folgen des Sommers 2018 werden erst in den Vegetationsperioden 2019 oder 2020 wirklich festzustellen sein“, sagt Kallensee.

Negative Auswirkungen gab es demnach auch für die Tierwelt: Weichtiere wie Schnecken oder Lurche seien besonders betroffen. „Das Austrocknen der Laichgewässer könnte einen Einbruch der Population der ohnehin gefährdeten Arten zur Folge haben“, so Kallensee. Fische litten zudem, weil die Gewässer stärker veralgten und der Sauerstoff rar wurde.

„Dieses Jahr war sicherlich extrem“, sagt auch die Sprecherin des Naturschutzbunds (Nabu) in Brandenburg, Heidrun Schöning. „Aber schon seit Jahren ist klar, dass mehr dafür getan werden muss, um das Wasser in der Landschaft zu halten, anstatt es so schnell wie möglich in die großen Flüsse abzuleiten.“ Wichtig sei ein sogenannter Wasserpuffer, der beispielsweise durch Renaturierung von Moor- und Feuchtgebieten entstehen könne.

Trockenstress mache die Bäume auch anfällig für Schädlingsbefall, betonte die Nabu-Sprecherin. Sie müssten dann intensiver mit Vernichtungsmitteln behandelt werden. So würden aber auch andere Organismen abgetötet. Für die kommenden Jahre rechnet die Expertin mit einer Zunahme von Kiefernschädlingen.

Schäden durch Herbststürme befürchtet die Nabu-Sprecherin aktuell hingegen nicht. Grund: Der Boden sei nicht so stark aufgeweicht wie vor einem Jahr.

Angesichts des Klimawandels will der Landesbetrieb Forst mehr Laubbäume in reine Kiefernbestände pflanzen. „Durch die Naturverjüngung werden die Wälder deutlich widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitze“, sagt ein Sprecher.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten setzt zu diesem Zweck auch auf die Wissenschaft. „Parks und Gärten sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen“, sagt Kallensee. In den vergangenen Jahren habe es Feldversuche in den Anlagen gegeben, um die Auswirkungen des Klimawandels auf Alt- sowie Jungbäume zu analysieren.

Ein wichtiges Ergebnis des Forschungsprojekts sei die Erkenntnis, dass Gehölze der eigenen Aussaat oder aus Parkbeständen genetisch angepasster und widerstandsfähiger sind als Zukäufe. „Deshalb wurden und werden einheimische Parkgehölze wieder in Eigenkultur in Revierbaumschulen mit ähnlichen Bodenverhältnissen aufgezogen und entsprechend nachgepflanzt“, sagt der Sprecher.

(Christian Bark/dpa)