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| 16:28 Uhr

Männer als Erzieher gefragt
Experten klagen über zu wenig Personal in Brandenburger Kitas

Mehr Männer als Erzieher wären wünschenswert, sagen Fachleute aus dem Bildungssektor in Brandenburg.
Mehr Männer als Erzieher wären wünschenswert, sagen Fachleute aus dem Bildungssektor in Brandenburg. FOTO: dpa / Peter Kneffel
Potsdam. Personalmangel in Kitas in Brandenburg: Im Bildungsausschuss des Landtags kommen Experten zu Wort. Sie sagen: Wir brauchen dringend junge Leute als Erzieher. Und Politiker und Fachleute diskutieren über einen Weg, mehr Männer in den Job zu locken. Von Benjamin Lassiwe

Auch an Brandenburgs Kindertagsstätten gibt es Fachkräftemangel. Darauf hat der Vorsitzende der Liga der freien Wohlfahrtsverbände im Land Brandenburg, Diakonie-Vorstand Martin Matz, am Donnerstag im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport des Potsdamer Landtags aufmerksam gemacht. Dort fand eine Anhörung zum Fachkräftebericht der Landesregierung für den Bereich der Kitas statt.

 Eine Umfrage der Liga habe ergeben, dass 15 Prozent der befragten Kitas bereits Angebote reduzieren und Plätze unbelegt lassen mussten, weil es nicht genügend Personal gab. In 16 Prozent der Kitas habe es Kürzungen von Öffnungszeiten und Schließungen gegeben.

Für Brandenburg sind solche Befunde problematisch. Denn die rot-rote Regierung hat am 1. August das beitragsfreie letzte Kitajahr eingeführt. Die Koalition will ein Investitionspaket für Kitas starten, und für solche  in sozialen Brennpunkten wurde das Kiez-Kita-Programm gestartet. Aber was nutzt das, wenn es nicht überall im Land genügend Personal gibt?

Fachleute: Beruf Kita-Erzieher muss attraktiver werden

Die Experten sprachen sich am Donnerstag dafür aus, dass Attraktivität und  Image des Erzieherberufs gesteigert werden müsse.

Matz plädierte etwa für eine Erweiterung der Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher sowie für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Dazu zählt auch die Frage von Ausbildungsvergütungen sowie ein Verzicht auf Schulgeld.

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sowie der Vorsitzende des Deutschen Städtetags, Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, hatten sich in der Vergangenheit schon für die Abschaffung des Schulgeldes in der Ausbildung von Kita-Erziehern ausgesprochen.

Diakonie-Vorstand für Angleichung der Erziehereinkommen an Lehrergehälter

Im Brandenburger Landtag plädierte Matz ferner für eine „Angleichung“ der Erziehervergütung „an die Entgeltgruppen der Grundschullehrer.“ Auch die Akademisierung des Berufsfelds sollte weiter vorangetrieben werden. „Es wäre attraktiv, wenn man Umsetzungen dualer Studienmöglichkeiten vorsieht“, sagte Matz.

Ähnlich äußerten sich auch Vertreter der Gewerkschaften: „Wir müssen unseren Beruf attraktiver machen“, sagte Sabine Henze von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Wir müssen nicht nur monetär etwas heraufpacken, sondern attraktiv im Sinne der Rahmenbedigungen werden.“ Junge Erzieher wollten oft nur 30 bis 35 Stunden pro Woche arbeiten. „Arbeit ist für die junge Generation ein Teil des Lebens, nicht mehr ein raumfüllendes Angebot.“

Ein Thema in der Anhörung war auch die Frage nach männlichen Erziehern. „Dazu braucht es Mut, auch von den Trägern“, sagte Hense. „Wir müssen da viel mehr in die Offensive gehen.“ Matz machte darauf aufmerksam, dass oft dort, wo ein Mann als Erzieher arbeite, auch weitere Erzieher anfangen würden. „Man muss erstmal den Durchbruch schaffen, dass man nicht mehr der Exot ist“, sagte Matz. Im Moment gebe es im Land Inseln von Kitas, an denen männliche Erzieher arbeiteten, die miteinander verbunden werden müssten.

Schulleiterin warnt vor Vorurteilen gegen männliche Erzieher

„Ich bin der Meinung, dass männliche Erzieher noch immer zu vielen Vorurteilen in der Öffentlichkeit unterliegen“, sagte Gabriele Thiessenhusen, Direktorin des Oberstufenzentrums Märkisch-Oderland. Altersgrenzen für die Ausbildung von Erziehern gebe es jedenfalls nicht: In der Teilzeitklasse des Oberstufenzentrums seien regelmäßig auch angehende Erzieher dabei, die das 50. Lebensjahr bereits überschritten haben.