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| 16:17 Uhr

Der CDU-Politiker wurde 81 Jahre alt
Brandenburgs Ex-Innenminister Jörg Schönbohm gestorben

 Jörg Schönbohm (CDU), Ehrenvorsitzender der CDU Brandenburg, auf dem 33. Landesparteitag der Brandenburger CDU im November 2018.
Jörg Schönbohm (CDU), Ehrenvorsitzender der CDU Brandenburg, auf dem 33. Landesparteitag der Brandenburger CDU im November 2018. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Potsdam. Der Ex-General machte eine steile Karriere in der Brandenburger CDU. Nun starb der frühere Innenminister Jörg Schönbohm, der auch in Berlin Politik gemacht hat. Von Benjamin Lassiwe

Vielleicht war er der letzte Preuße. Ein heimatverbundener Brandenburger war er auf jeden Fall. Der ehemalige Brandenburger Innenminister und frühere Bundeswehrgeneral Jörg Schönbohm (CDU) ist am Freitag nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Kleinmachnow an einem Herzinfarkt verstorben. Damit verliert Brandenburg einen Politiker, der die Jahre um die Jahrtausendwende herum prägte – und der als Bundeswehroffizier zuvor maßgebliche Verantwortung für die erfolgreiche Integration der ostdeutschen Nationalen Volksarmee in die Bundeswehr hatte.

Aufrichtig und sachkundig

„Er war ein sehr aufrichtiger, sachkundiger Mensch, der Sache gegenüber stets loyal“, sagte ein enger Freund Schönbohms, der frühere Generalmajor Ekkehard Richter, der RUNDSCHAU. Richter arbeitete mit Schönbohm 1991 in Strausberg zusammen. Damals war Schönbohm Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost, das für die 90.000 Mann der früheren NVA, der teilweisen Verschrottung von deren Kriegsgerät und die Integration von 3000 Offizieren in die Bundeswehr verantwortlich war. Schönbohm habe die „Armee der Einheit“ geschaffen, sagte Richter, und sich damit um die Deutsche Einheit verdient gemacht. Er sei ein aufrechter Konservativer gewesen, stets kameradschaftlich und habe die Menschen immer im Blick gehabt.

 Waren ein Regierungsgespann: Jörg Schönbohm als Innenminister unter dem damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (r.).
Waren ein Regierungsgespann: Jörg Schönbohm als Innenminister unter dem damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (r.). FOTO: dpa / Ralf Hirschberger

Nach seiner Zeit in Strausberg machte Schönbohm, der aus Neu-Golm im Landkreis Oder-Spree stammte, sein Abitur in Kassel ablegte und vor seiner Zeit in Strausberg unter anderem General der damaligen 3. Panzerdivision in Buxtehude war, schnell politische Karriere. Er wurde Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und von 1996 bis 1998 Berliner Innensenator. In der schon damals eher links geprägten Bundeshauptstadt hatte Schönbohm indes keinen leichten Stand. Schönbohm vertrat eine „Law and Order“-Politik, ließ besetzte Häuser und Wagenburgen räumen. Er wurde zum „Feind rechtsfreier Räume“, wie es Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) vor zwei Jahren formulierte, als Schönbohm zu seinem 80. Geburtstag mit einer Feierstunde im Brandenburger Landtag geehrt wurde.

Landes-CDU geeint

1998 kandidierte er dann für den Landesvorsitz der notorisch zerstrittenen Brandenburger CDU, und von den Landtagswahlen 1999 bis 2009 war Schönbohm Innenminister des Landes Brandenburg. In seine Zeit fielen eine deutliche Stärkung der Polizei und eine Gemeindegebietsreform, die im Unterschied zur gescheiterten Kreisgebietsreform der heutigen rot-roten Regierung allgemein als erfolgreich angesehen wird. Doch mit kantigen Positionen sorgte Schönbohm auch für Widerspruch. So trat er für eine „deutsche Leitkultur“ ein, und sorgte für Aufsehen und auch Verärgerung mit seiner Aussage, in Ostdeutschland habe es durch die „Zwangskollektivierung“ und die „Proletarisierung“ des SED-Staates eine Steigerung der Gewaltbereitschaft und einen Werteverlust gegeben. Als es 2009 zur ersten rot-roten Koalition kam, zeigte sich Schönbohm tief getroffen. Dass die Linken an der Regierung von Brandenburg beteiligt werden sollten, war zu viel für ihn. Seiner CDU aber blieb er bis zuletzt treu: Als Ehrenvorsitzender sah man ihn oft auf den Landesparteitagen, körperlich vom Schlaganfall gezeichnet, aber rege und engagiert am Geschehen Anteil nehmend.

Unbequem und verlässlich

Der CDU-Landesvorsitzende Ingo Senftleben würdigte Schönbohm am Freitag dann auch als „einen einen der großen Deutschen der Nachkriegsgeschichte“. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte, Schönbohm habe sich nie davor gescheut, auch unbequeme Wege zu gehen.“ sagte Woidke. Für notwendige Veränderungen habe er stets mit starkem Willen und Standhaftigkeit geworben und gekämpft. „Seine Ansichten vertrat er aufrecht und deutlich, aber er war im politischen Diskurs anderen Meinungen und Argumenten immer aufgeschlossen“, sagte der Ministerpräsident. Er sei ein Patriot „im besten Sinne“ gewesen. Und der Prignitzer Landtagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Thomas Domres, würdigte Schönbohm als „streitbaren Demokraten“, der sich besonders gegen die rechtsextremen Aufmärsche in Halbe eingesetzt habe.

Einer, der sich zum Beispiel in der Frage des Umgangs mit Asylbewerbern oft mit Schönbohm stritt, war der damalige Cottbuser Generalsuperintendent Rolf Wischnath. Als ihn die RUNDSCHAU am Freitagnachmittag in Gütersloh erreichte, zeigte sich der Theologe über den Tod Schönbohms erschüttert. „Er war ein aufrichtiger, konservativer Politiker, dessen Positionen ich oft nicht nachvollziehen konnte“, erinnert sich der Theologe. „Aber je länger wir uns kannten, desto besser konnten wir uns verständigen.“ Einmal habe er in der Oberkirche in Cottbus „Nun danket alle Gott“ auf dem Flügelhorn für Jörg Schönbohm gespielt. „Dabei waren wir uns am nächsten“, sagte Wischnath. „Er wird nun schauen, was wir beide geglaubt haben."