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| 12:34 Uhr

Berlin
Ex-Gubenerin erhält Bundesverdienstorden

Plakat der Ausstellung „Der dunkle Ort“– hier 2012 in der Stasiunterlagenbehörde Frankfurt (Oder) – in der 25 Frauen von ihrem Schicksal im DDR-Frauengefängnis Hoheneck erzählen. Auch Elke Breuer (auf Plakat 4.v.vo.), die lange in Guben lebte und am Dienstag den Bundesverdienstorden erhält, wird porträtiert.
Plakat der Ausstellung „Der dunkle Ort“– hier 2012 in der Stasiunterlagenbehörde Frankfurt (Oder) – in der 25 Frauen von ihrem Schicksal im DDR-Frauengefängnis Hoheneck erzählen. Auch Elke Breuer (auf Plakat 4.v.vo.), die lange in Guben lebte und am Dienstag den Bundesverdienstorden erhält, wird porträtiert. FOTO: ZB / Patrick Pleul
Berlin. Ehemalige politische Gefangene in der DDR für Zeitzeugenarbeit geehrt. Zwei weitere Brandenburger erhalten Verdienstkreuz. Von Simone Wendler

Diesen Dienstag, 4. Dezem­ber, verleiht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) unter dem Motto „Zukunft braucht Erinnerung“ Bürgern den Verdienstorden der Bundesrepublik. Unter den Geehrten ist Heidrun Breuer aus Bergisch-Gladbach. Die gelernte Krankenschwester, die bis 1984 in Guben lebte, wird für ihre Arbeit als Zeitzeugin in nordrhein-westfälischen Schulen geehrt. Als ehemalige politische Gefangene in der DDR erzählt sie über ihre Haftzeit. „Gerade weil Schüler in Nordrhein-Westfalen kaum über Familienbiografien eine Verbindung zur DDR hätten, sei die Arbeit von Heidrun Breuer so wichtig“, heißt es in der Begründung für ihre Ehrung.

Heidrun Breuer war im Februar 1984 in ihrer Wohnung in Guben festgenommen worden. Drei Männer und eine Frau holen sie ab. Zeitgleich wird ihr Mann auf seiner Arbeitsstelle verhaftet. Die damals neunjährige Tochter bleibt zunächst allein in der Wohnung zurück, später können die Großeltern das Mädchen zu sich nehmen. Das Bild ihrer Tochter am Fenster prägt sich Breuer ein. Erst eineinhalb Jahre später wird sie ihr Kind wiedersehen.

Das Verbrechen des Gubener Ehepaares in den Augen der DDR-Justiz waren mehrfache Ausreiseanträge, die immer wieder abgelehnt worden waren. Verwandte in Westdeutschland hatten deshalb versucht, in Westdeutschland auf das Schicksal der Familie aufmerksam zu machen. Wegen mehrfacher „ungesetzlicher Verbindungsaufnahme“ wurden die Eheleute deshalb zu zweieinhalb und drei Jahren Haft verurteilt.

Sie hätten „Nachrichten ins Ausland verbreitet, die geeignet seien, den Interessen der DDR zu schaden“, heißt es im Haftbefehl. Die „Nachrichten“ waren ihre persönlichen Daten, die Zahl der Ausreiseanträge und deren Ablehnungen. Nach einem Jahr Haft im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck war Heidrun Breuer in den Westen freigekauft worden. Auch ihr Mann kam in den Westen frei. Drei Monate später durfte ihre Tochter ausreisen.

In Nordrhein-Westfalen baute sich die Familie eine neue Existenz auf. Doch die Ehe zerbrach, Heidrun Breuer lernte einen anderen Mann kennen und heiratete wieder. Nach ihrer Haft habe sie einen extremen Hass auf die DDR und die Staatssicherheit verspürt und über ihre Gefängniszeit nicht reden können, sagte sie der RUNDSCHAU vor einigen Jahren. Dann sei sie ins Zuchthaus Hoheneck gefahren, wo sie eingesperrt war: „Da habe ich plötzlich geheult wie ein Schlosshund.“ Danach hat sie mit der Zeitzeugenarbeit in den Schulen begonnen. Dafür hat sie nun noch mehr Zeit. Seit August ist sie im Ruhestand.