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Prozess in Frankfurt (Oder)
Ex aus Rache nackt im Wald ausgesetzt

In einem Waldstück wurde das Opfer nackt ausgesetzt, nachdem es von vier Unbekannten verprügelt worden war. Wer sind die Täter?
In einem Waldstück wurde das Opfer nackt ausgesetzt, nachdem es von vier Unbekannten verprügelt worden war. Wer sind die Täter? FOTO: Patrick Pleul / ZB
Frankfurt (Oder). Zum Prozessauftakt bleibt der Fall mysteriös: Zwei Frauen sollen sich gemeinsam an ihrem gemeinsamen Ex gerächt und ihn nackt im Wald ausgesetzt haben. Unterstützt wurden sie laut Anklage von einem geheimnisvollen Männerquartett.

Sie sollen ihren gemeinsamen Ex entführt und von einer Schlägergruppe verprügeln haben lassen - und schließlich nackt in einem Wald bei Berlin ausgesetzt haben. Laut Anklage wollten sie ihm einen Denkzettel verpassen. Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Frauen gemeinschaftliche Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung zur Last. Die vier Männer, die geholfen haben sollen, sind bis heute unbekannt geblieben. Die Frauen müssen sich seit Montag am Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten.

Die 39 Jahre alte Ex-Frau des Opfers hat an ihre Ehe und die Zeit nach der Trennung keine guten Erinnerungen. „Er wusste immer wo ich war“, sagt sie über ihren Ex und weint. Sie habe immer in Angst gelebt. Die blonde Frau versucht zu schildern, warum sie sich im März 2015 zu einer Racheaktion gegen den 45-Jährigen hinreißen ließ.

Ihren Ex bekommen die beiden angeklagten Frauen zum Prozessauftakt nicht zu Gesicht. Er wird voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag am Freitag als Zeuge gehört werden. Während die Ex-Frau ausführlich die frühere Beziehung beschreibt, wird die andere Angeklagte noch nicht gehört. Damit bleibt zunächst unklar, wie sie zu den Tatvorwürfen steht. Die frühere Ehefrau räumt eine Tatbeteiligung ein und betont zugleich, dass die Aktion quasi aus dem Ruder lief.

Vor Gericht stellt die 39-Jährige das Ganze so dar: Sie habe nach etlichen wirkungslosen Strafanzeigen gegen ihren Ex und dem Leben in Angst vor neuen Attacken keinen Ausweg mehr gesehen. „Er sollte mich doch einfach nur in Ruhe lassen“, betont sie. Weinend hätte sie an einem Tag im März in ihrem Auto an einer Bushaltestelle gesessen. Plötzlich habe ein fremder Mann an ihr Autofenster geklopft und ihr Hilfe angeboten. „Er sagte, er hätte Freunde, die gerne jemandem weh tun, beispielsweise einen Finger abschneiden“, berichtet sie. Sie hätten sich schließlich drei Tage später auf einem Parkplatz verabredet. Einen gemeinsamen Tatplan habe es jedoch nicht gegeben, beteuert sie.

Am Tattag sei sie dann mit der Mitangeklagten losgezogen, um den Ex zur Rede zu stellen. „Irgendwie“ seien sie auf dem vereinbarten Parkplatz gelandet, wo der fremde Mann mit drei anderen auf sie gewartet habe. Der weitere Tatablauf habe „nicht mehr in unserer Hand“ gelegen, schildert die Angeklagte. Sie saß demnach hinter dem Steuer des Kleintransporters, die Ex-Freundin auf dem Beifahrersitz, während „die Typen“, die mit Akzent gesprochen haben sollen, das überraschte Opfer auf die Ladefläche zogen. Dann - so die Angeklagte - hätten sie den Mann mit Fäusten und Fußtritten malträtiert, mit Kabelbinder gefesselt und seine Ohren und Augen mit Klebeband verschlossen.

Die unbekannten Helfer hätten das Opfer in einem Waldstück ausgeladen und ausgezogen, während die Frauen im Fahrzeug gewartet hätten. Laut Anklage musste der Mann langsam bis 100 zählen, bevor er sich selbst befreite. Ihm sei auch gedroht worden, dass er erschossen werde, wenn er zu schnell zähle. Die Täter hätten den Mann dann zurückgelassen.

Auf der Rückfahrt sei kaum gesprochen worden, sagt die Angeklagte. „Die Männer stiegen aus und verschwanden.“ Der nackte Ex hatte laut Anklage schließlich an einer Landstraße einen Autofahrer angehalten. Er hatte nur eine Mülltüte gefunden, mit der er sich bedecken konnte.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Karkmann machte deutlich, dass er der Angeklagten ihre Darstellung von den mysteriösen Helfern nicht glaubt. Im Falle eines echten Geständnisses hingegen könnten die Frauen mit Bewährungsstrafen davonkommen, stellte er in Aussicht.

(dpa/bob)