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Europäische Freie Allianz fordert Ende des Kohleabbaus

Edith Penk weist seit Jahren auf die Situation der bedrohten Dörfer im Kirchspiel Schleife hin. Neben ihr Hannes Wilhelm-Kell, Präsident der Lausitzer Allianz und der Efa-Präsident Francois Alfonsi (r.).
Edith Penk weist seit Jahren auf die Situation der bedrohten Dörfer im Kirchspiel Schleife hin. Neben ihr Hannes Wilhelm-Kell, Präsident der Lausitzer Allianz und der Efa-Präsident Francois Alfonsi (r.). FOTO: ume1
Bautzen. Der Präsident der European Free Alliance (Europäische Freie Allianz/Efa), Francois Alfonsi, hat den weiter fortschreitenden Kohleabbau in der Lausitz als "Schande für Europa" bezeichnet und angekündigt, sich im Europäischen Parlament für eine möglichst rasche Beendigung einsetzen zu wollen. "Wir werden dafür Partner nicht nur in unserer eigenen Fraktion suchen", so Alfonsi auf dem diesjährigen Generalkongress seiner Partei, der am vergangenen Wochenende in Bautzen stattfand. Uwe Menschner / ume1

Die European Free Alliance ist ein Zusammenschluss von 40 Parteien, die vor allem nationale Minderheiten vertreten, und bildet gemeinsam mit den Grünen eine eigene Fraktion im Europäischen Parlament. Ihr gehört auch die Lausitzer Allianz an, die sich für stärkere Selbstbestimmungsrechte der Sorben und Wenden bis hin zu einem eigenen sorbischen Parlament (Serbski Sejmik) einsetzt. Zuvor hatten mehrere Redner auf die aus ihrer Sicht verheerende Situation in der von den Sorben und Wenden besiedelten Region hingewiesen. Edith Penk aus Rohne wies auf die drohende Vernichtung der einzigartigen Traditionen des Kirchspiels Schleife hin, wenn der Tagebau Nochten wie geplant erweitert wird.

Der Biologe Jens Kiessling von der Initiative "Klare Spree" beschrieb die Folgen des Kohleabbaus für die Wasserqualität des Flusses und seiner Nebenarme: "Der Bergbau legt ein Leichentuch auf die Gewässer, unter dem alles Leben erstickt." Die Brandenburgische Landesregierung verharmlose das Problem und führe die erhöhte Eisenbelastung auf natürliche Ursachen zurück. "Das Eisen ist tatsächlich natürlichen Ursprungs, doch in die Flüsse gelangt es erst durch den Bergbau", so Kiessling, der den Spreewald in seiner ökologischen Vielfalt bedroht sieht. Christian Penk sprach über die Vernichtung des Urwaldes Weißwasser, in dem mehr als 100 vom Aussterben bedrohte Arten gelebt hatten.

Hannelore Wodtke aus Welzow machte den Kongressteilnehmern die Situation der "Randbetroffenen" deutlich, die in der Nähe des Tagebaus leben, ohne diesem weichen zu müssen: "Bei jeder Windböe zieht eine riesige Staubwolke durch die Stadt. Manchmal denkt man mittags, es sei schon Abend. Kinder leiden unter Reizhusten und Atemproblemen, die Fenster müssen auch bei hohen Temperaturen geschlossen bleiben. Der Lärm vom 250 Meter entfernten Tagebau führt zu Herz- und Kreislauferkrankungen." Ingolf Schuster aus Rohne berichtete davon, wie das Oberverwaltungsgericht Bautzen ihm das Klagerecht gegen den Braunkohleplan Nochten II verweigert habe, da er "nicht betroffen" sei: "Erst gegen den Betriebsplan darf ich klagen, doch der wird erst 2016 vorliegen. Dann ist mein Heimatdorf längst leer."

Der Präsident der Lausitzer Allianz, Hannes Wilhelm-Kell, sprach von einer "nationalen Katastrophe", die der Lausitz drohe. "Wir haben eine Kampagne gestartet, um europaweit auf die Probleme aufmerksam zu machen, und organisieren internationale Unterstützung." Dazu zähle die Übernahme von Patenschaften großer europäischer Städte für kleine, von der Vernichtung bedrohte Dörfer: "Beispielsweise haben wir Barcelona angefragt, die Patenschaft für Proschim und Edinburgh für Rohne zu übernehmen." Zudem wolle man eine "Stiftung Wiederaufbau Lausitz" gründen, die alle Initiativen für ein nachhaltiges Wirtschaften in der Region vereinigen soll.