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| 10:59 Uhr

Schwerster Sturm seit zehn Jahren
Etliche Schäden durch Orkan „Friederike“ in Südbrandenburg

Orkan Friederike hinterlässt Spuren in der Lausitz FOTO: Diverse
Lausitz. Den angekündigten Sturm musste gestern der Deutsche Wetterdienst als Orkan klassifizieren. Das ganze Ausmaß der Schäden wird sicher erst im Verlauf des heutigen Tages bekannt werden. Hier die vorläufige Bilanz, die fortlaufend aktualisiert wird. Von Frank Hilbert

Die Leitstelle Lausitz musste wegen „Friederike" knapp 1000 Einsätze koordinieren, in der Leitstelle Ostsachsen waren es rund 600 "oder mehr", wie von dort zu erfahren war. Die Feuerwehren der Lausitz sind von Donnerstag bis Freitag insgesamt 560 mal zum Einsatz rausgefahren. Das bestätigt Lagedienstführer Bernd Wrege. Am schwersten wütete „Friederike“ im Süden der Lausitz. Elbe-Elster mit 247 Einsätzen und Oberspreewald-Lausitz mit 150 Einsätzen waren am stärksten betroffen.

Auf der A 13 bei Ortrand kam am Abend ein 34-jähriger Lkw-Fahrer ums Leben, als das Fahrerhaus auf die Mittelschutzplanke kippte. Die Bergung des Sattelzuges dauerte bis Freitag unter Sperrung der linken Spur an. Die Höhe des entstandenen Schadens wird auf rund 12 000 Euro geschätzt, teilt Polizeisprecherin Ines Gnerlich mit. Insgesamtkostete Friederike acht Menschen das Leben. Ein 65-Jähriger kam in Sachsen-Anhalt ums Leben, als er an seinem Dach Sicherungsarbeiten durchführte. Er fiel rund acht Meter in die Tiefe. Im Burgenlandkreis wurde ein 34-Jähriger von einem umstürzenden Baum getroffen. Mindestens weitere sechs Menschen starben am Donnerstag bei dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Brandenburg, viele wurden während des Orkans verletzt.

Im Vergleich zum Orkansturm „Kyrill“, der vor elf Jahren eine Schneise der Zerstörung hinterlassen hatte, fällt die Schadensbilanz von „Friedricke“ jedoch deutlich geringer aus. „Kyrill war schlimmer“, bestätigt Bernd Wrege. Während „Friedericke“ am Donnerstag als Schnellläufer nach rund fünf Stunden die Lausitz passierte, hatte „Kyrill“ fast zwei Tage lang gewütet.

Stromversorgung

Besonders erwischt hatte es den Elbe-Elster-Kreis (siehe Beitrag unten). Dort sind noch zahlreiche Menschen heute morgen ohne Strom, wie der enviaM-Netzbetreibers Mitnetz Strom auf Nachfrage mitteilt. Einsatzkräfte seien frühmorgens bereits unterwegs, um zu den defekten Leitungen vorzudringen. Ohne Strom waren um 7 Uhr noch Haushalte in Lindthal, Klingmühl und Rehhain in Elbe-Elster; Hohenbocka, Guteborn und Arnsdorf bei Ruhland im OSL-Kreis sowie Hähnchen im Spree-Neiße-Kreis. In Lauta Dorf haben die Haushalte seit Donnerstag, 16.30 Uhr, keinen Strom.

Auf dem Bahnhof in Falkenberg wird auf die Beeinträchtigung beim RE 10 aufmerksam gemacht.
Auf dem Bahnhof in Falkenberg wird auf die Beeinträchtigung beim RE 10 aufmerksam gemacht. FOTO: Jan Lehmann

In der Spitze seien am 18. Januar gegen 16.10 Uhr im gesamten Netzgebiet rund 140 000 Kunden gleichzeitig unversorgt gewesen, sagt Sprecherin Evelyn Zaruba . Gegen 5.30 Uhr am Freitag seien noch rund 16 000 Kunden ohne Strom gewesen. „Die Mitarbeiter waren bis nach Mitternacht im Einsatz. Wo es möglich war, wurden die Kunden durch Umschalten auf andere Leitungen, durch den Einsatz von Netzersatzanlagen und erste Reparaturen wieder versorgt. Mit Tagesanbruch werden die Reparaturarbeiten von den Mitarbeitern in Zusammenarbeit mit Rahmenvertragsfirmen und der Unterstützung von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk fortgesetzt“, informiert sie weiter. Weiterhin würden jedoch drohende Baumstürze sowie gesperrte Straßen und Waldgebiete den Zugang zu Anlagen und Leitungen erschweren.

Hauptursache für die Stromausfälle seien umgestürzte Bäume, herabfallende Äste und umherfliegende Gegenstände gewesen, die Leitungen herunterrissen und zu Mastumbrüchen führten. Des Weiteren sorgten Seilrisse und verdrehte Leitungsseile für Unterbrechungen.

Die Grund- und Oberschule in Elsterwerda bleibt am Freitag aufgrund dieser Sturmschäden geschlossen.
Die Grund- und Oberschule in Elsterwerda bleibt am Freitag aufgrund dieser Sturmschäden geschlossen. FOTO: Jens Berger

In den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz waren am Freitagnachmittag noch 1000 Haushalte von Störungen der Stromversorgung betroffen. In Sachsen waren am Freitag 14 Uhr in Nordsachsen, Leipzig und Mittelsachsen noch rund 2500 Kunden ohne Strom.

Verkehr

Auch auf den Straßen und Schienen gab es am Freitagmorgen noch zahlreiche Störungen. Autofahrer sollten sich besonders auf Behinderungen wegen umgestürzter Bäume auf folgenden Straßen einstellen: zwischen Niemtsch und Peickwitz im OSL-Kreis sowie im Elbe-Elster-Kreis auf der L 60 zwischen Rehfeld und Döbrichau, wo die Straßenmeisterei angekündigt hat, mit dem Harvester aufzuräumen. Und zwischen Friedersorf und Hohenleipisch liegen laut Leitstelle noch rund 40 Bäume auf der Straße. Laut Deutscher Bahn verkehrt die RE-Linie 3 nicht zwischen Jüterbog und Falkenberg/Elster. Als Ersatz verkehren Busse.

Für die RE 15 und 18 gilt: Kein Zugverkehr auf der gesamten Linie wegen Unwetterschäden zwischen Großenhain-Cottbuser Bahnhof und Ortrand. Ein Ersatz ist im Moment nicht möglich. Auch für den RE 24 zwischen Calau und Senftenberg gibt es derzeit keinen Ersatzverkehr. Beim RE 10 Leipzig - Cottbus gibt es starke Beeinträchtigungen. In Richtung Leipzig geht es nur bis Eilenburg, dann weiter mit Schienenersatzverkehr.

Elbe-Elster

Die Grund- und Oberschule in Elsterwerda, wo das Sturmtief Teile des Wärmedämm-Daches heruntergerissen hat, bleibt heute geschlossen. Grundschulkinder können zur Betreuung allerdings gebracht werden. Damit wolle die Schule absichern, dass Eltern, die für ihre Kinder keine Möglichkeit der Betreuung haben, dennoch ihrer Arbeit nachgehen können.

Erhebliche Schaden hat der Sturm auch am kürzlich neu installierten Wärmedämm-Dach der Kindertagesstätte „Zwergenland“ in Wildgrube (Stadt Uebigau-Wahrenbrück) angerichtet. Das hat der Sturm komplett abgedeckt. Auch dort muss die Kita heute geschlossen bleiben. Bereits gestern Abend haben Kita-Mitarbeiterinnen die Eltern informiert, dass als Ausweicheinrichtung die Kita „Sonnenschein“ in Wahrenbrück zur Betreuung der Kinder bereitsteht. Viele Eltern hätten erklärt, anderweitige familiäre Unterbringungsmöglichkeiten zu suchen, um die Kita nicht zusätzlich zu belasten.

Im Amtsbereich Plessa waren gestern 60 Feuerwehrleute zu 40 Einsätzen, sagt Amtsdirektor Göran Schrey auf Nachfrage. Die Haupteinsatz-Zeit lag zwischen 16 und 22.30 Uhr. Derzeit ist die Straße zwischen Gorden und Oppelhain aufgrund umgestürzter Bäume gesperrt. Der Bauhof sei dort dabei, die Bäume zu schneiden. Ansonsten habe es in allen Gemeinden diverse Schäden gegeben. In Schraden wurden die abgestellten Privat-Pkw von Kameraden beschädigt. Ein Schwerpunkt war auch der Grünewalder Lauch.

Dieser unbeladene Lastwagen ist am Donnerstag auf der A 13 bei Ortrand von einer Windböe erfasst wo und auf die Mittelleitplanke geschoben worden. Der 34-jährige deutsche Fahrer konnte nur noch tot geborgen werden.
Dieser unbeladene Lastwagen ist am Donnerstag auf der A 13 bei Ortrand von einer Windböe erfasst wo und auf die Mittelleitplanke geschoben worden. Der 34-jährige deutsche Fahrer konnte nur noch tot geborgen werden. FOTO: Mirko Sattler

In Falkenberg sind große Teile des Dachs der Grundschule Astrid Lindgren in der Torgauer Straße abgedeckt worden. Stark betroffen ist auch die Firma Elstermode in Elsterwerda. Dort wurden nach ersten Schätzungen rund 1400 Quadratmeter der Dachfläche durch Sturmböen abgedeckt.

In der Gemeinde Röderland ist ein Baum aufs Dach des Feuerwehr-Gerätehauses in Stolzenhain gefallen, wodurch einige Ziegel beschädigt wurden. Auch in Stolzenhain und Saathain riss „Friederike“ einige Ziegel vom Dach. Die Haushalte in der Großenhainer Straße in Prösen sind seit Donnerstagnachmittag ohne Strom, da zwei Bäume in die Stromleitung gefallen sind. Die Reparatur wird noch über den Vormittag andauern. Darüber hinaus sind im Gemeindebereich sehr viele Bäume umgestürzt. Die genaue Zahl steht noch nicht fest.

Mit knapp 60 Kameraden war die Finsterwalder Feuerwehr am Donnerstag bis gegen 23 Uhr im Kampf gegen „Friederike“ unterwegs. Wie Stadtbrandmeister Michael Kamenz resümiert, waren es vor allem umgestürzte Bäume, die beräumt werden mussten. Schwerpunkt waren dabei neben dem Stadtgebiet die Ortsteile Pechhütte, Sorno und die Straße zwischen Sorno und Staupitz. „Wir hatten gut zu tun“, sagt Michael Kamenz. Insgesamt 48 Einsätze stehen für die Finsterwalder Feuerwehr zu Buche. Der letzte diente bis gegen 23 Uhr der Sicherung von Dachziegeln auf dem Hauptgebäude der Sparkasse in der Berliner Straße. Als sich der Sturm etwas gelegt hatte, konnten die Kameraden den Hubsteiger einsetzen und aufs Dach steigen.

Die Elbestadt Mühlberg, am Pfingstmontag des Jahres 2010 von einem Tornado erheblich geschädigt, ist diesmal einigermaßen glimpflich davongekommen. Nach Aussagen von Hauptamtsleiterin Corinna Brandt hat das Ziegeldach des Rathauses jetzt einige Schäden. Stärker betroffen ist das Wellblechdach des Bauhofkomplexes im Klostergelände, das nach einem vorhergehenden Sturm nur notdürftig instandgesetzt worden war. Die Straße zwischen Burxdorf und Koßdorf, wo die meisten Bäume umgefallen sind, bleibt am Freitag vermutlich noch voll gesperrt.

Auf die Zeit zwischen 15 und 21 Uhr konzentrierten sich die Einsätze der Sonnewalder Feuerwehrleute. Alle sechs Ortswehren waren im Einsatz, sagt Stadtbrandmeister Hans-Joachim Sprotte. Mehr als 20 Einsätze waren von insgesamt fast 40 Feuerwehrleuten zu bewältigen. Dickster Brocken im wahrsten Sinne des Wortes war ein Baum, der nahe der Tankstelle in Sonnewalde von der Bundesstraße 96 geräumt werden musste. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Die Breitenauer Feuerwehr musste zu einem abgedeckten Schuppendach ausrücken.

61 Kameraden der Herzberger Feuerwehr sind am Donnerstag bis nach 21 Uhr zu 51 Einsätzen ausgerückt. „Das waren mehr als zu Kyrill vor elf Jahren“, so Feuerwehrsprecher Björn Horn. Große Gebäudeschäden gab es im Herzberger Stadtgebiet nicht. Allerdings ist die Lage in den Wäldern prekär. Teilweise war es während des Sturms so gefährlich, dass die Kameraden den Wald nicht mehr betreten konnten. So mussten einige Straßen wegen umliegender Bäume gesperrt werden, wie die Ortsverbindungsstraße zwischen Fermerswalde und Züllsdorf.

Derzeit sind in Elbe-Elster noch etwa 170 Haushalte ohne Strom. Es handelt sich um einige Häuser und Straßen in Hohenleipisch, Elsterwerda, Prösen, Oppelhain, Schönborn, Großrössen, Beyern und Klingmühl. Zu Spitzenzeiten des Sturms seien im Landkreis 2300 Haushalte ohne Strom gewesen, so eine enviaM-Sprecherin. Um Mitternacht waren es noch 200. Wann alle Haushalte wieder versorgt sind, konnte sie noch nicht sagen, da es sich zumeist um Niederspannungsstörungen handelt, die vor Ort begutachtet und behoben werden müssen. Die envia wolle die Schäden so schnell wie möglich beheben, so die Sprecherin.

Im Amt Schlieben hatten die Feuerwehren in der Zeit von 15.30 Uhr bis 22 Uhr insgesamt 14 Einsätze wegen umgestürzter Bäume.

„Friederike“ hat auch im Stadtgebiet von Uebigau-Wahrenbrück ganze Arbeit geleistet. Erst am Freitag gegen 11 Uhr konnte die Bundesstraße 101 wieder für den Verkehr freigegeben werden. Wegen zahlreicher umgestürzter Bäume musste sie, so Bürgermeister Andreas Claus, zwischen Winkel und Beutersitz gesperrt werden. Noch immer dicht sind aus gleichem Grund die Kreisstraßen zwischen Wahrenbrück und Uebigau sowie zwischen Beutersitz und Neumühl. Auf das Bootslager im Erholungsgebiet Kleiner Spreewald in Wahrenbrück ist ein Baum gestürzt, Feuerwehrgerätehäuser in Kauxdorf und Beutersitz wurden beschädigt. In Winkel ist das Dach der Trauerhalle in Mitleidenschaft gezogen worden.

Weiter erhebliche Probleme im Schradenland

Hauptschwerpunkt im Amt Schradenland ist die Befahrbarkeit der Straßen. Da gibt es mit Stand Freitag, 11.30 Uhr, noch erhebliche Probleme zwischen Hirschfeld nach Strauch in Richtung Sachsen, wobei auf der sächsischen Seite noch erheblich mehr beräumt werden muss, so Amtsdirektor Thilo Richter. Auch der Reissdamm zwischen Gröden und Elsterwerda ist in einigen Abschnitten, so unter anderem ab Weiße Scheune, noch gesperrt. Insgesamt hat die Feuerwehr 17 Einsätze fahren müssen. Etliche Ziegelschäden gibt es an kommunalen Wohnungen im gesamten Amtsgebiet. Auf den Kindergarten in Hirschfeld ist ein Baum gefallen, der Schaden hält sich in Grenzen. Beschädigt wurde ein Schuppen auf dem Schulgelände in Gröden und in Hirschfeld hat das Einkaufszentrum des NP-Marktes erhebliche Löcher. Dort hat es auch den Einkaufswagen-Unterstellstand aus den Halterungen gerissen. Der Weihnachtsstern, der im Turm der Kirche Gröden hing, hat den Sturm ebenfalls nicht überstanden.

Rückersdorf war am Donnerstagabend ein Schwerpunkt für „Friederike“ im Amt Elsterland. Dort hat der Sturm in das Wäldchen hinter der Schule eine Schneise geschlagen. Wie André Mager vom Ordnungsamt sich vor Ort informierte, sind etliche Hektar Wald betroffen. „Hier müssen wir eine Firma reinschicken“, so André Mager. Ein Baum fiel auf das Dach des ehemaligen Kohlelagers. Ab 15.30 Uhr sind im Amtsbereich 17 Feuerwehreinsätze gefahren worden. Am Freitagvormittag hing in Gruhno immer noch ein Baum in der Stromleitung.

Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski verfolgte das Sturmgeschehen bis in den späten Abend hinein im Einsatzzentrum der Stadt. Hier wurden insgesamt 71 Kameraden aus acht Ortswehren zu 23 Einsätzen gerufen. Der Kommandowagen vom Katastrophenschutz wurde genutzt, um die Einsätze zu koordinieren, berichtet der Bürgermeister. Es seien vorrangig Schäden durch herabfallende Ziegel und abgedeckte Blechdächer zu beklagen. Bäume und Äste waren von den Straßen zu räumen. Schäden hat das Vereinsheim von Grün-Gelb-Doberlug-Kirchhain zu verzeichnen. In der Brauhausstraße in Doberlug ist ein Baum auf eine Telefonleitung gestürzt. Es kam die Drehleiter aus Finsterwalde zum Einsatz. Bodo Broszinski dankt allen Feuerwehrleuten und freut sich über ein super Zusammenspiel mit dem Katastrophenschutz und dem Sanitätsdienst. Zum letzten Einsatz der Sturmnacht war die Feuerwehr am Freitag kurz vor 8 Uhr zu einem privaten Grundstück gerufen worden.

Nachdem gegen 16 Uhr im Amt Kleine Elster die Einsatzzentrale eingerichtet war, gab es auch sofort Schlag auf Schlag zu tun. Ordnungsamtschef Matthias Pohl konstatiert nach der turbulenten Nacht: Neun Wehren mit 49 Kameraden waren bis gegen 23.15 Uhr im Einsatz. Vor allem hatten sie umgestürzte Bäume zu bergen. Besonderheit: es waren an einem Ort immer gleich mehrere Bäume betroffen, so zum Beispiel zwischen Betten und Lindthal. Stromausfälle gab es in Lichterfeld und Klingmühl. Gelungene Überraschung für die Helfer in der Siedlung Erika: die Feuerwehrleute wurden zur Stärkung mit Getränken und Imbiss versorgt. Matthias Pohl ist froh, dass es weder Verletzte noch größere Schäden an Häusern zu beklagen gibt.

Oberspreewald-Lausitz

Am meisten machte den Einsatzkräften in OSL die unzähligen auf Straßen umgestürzten Bäume und herabfallenden Äste zu schaffen, wie Kreissprecherin Sarah Werner bestätigt. Problematisch waren auch gerissene und beschädigte Freileitungen, die zu Stromausfällen unter anderem in Schipkau, Schwarzbach, Hohenbocka, Settinchen und Großräschen führten. Bis Freitagnachmittag waren in der Region noch etwa 1000 Kunden ohne Strom, informiert Evelyn Zaruba von Mitnetz Strom.

Die Kreisstraßenmeisterei war am Freitag im Dauereinsatz. „Die meisten gemeldeten Ereignisse im gesamten Leitstellenbereich gingen für Lauchhammer ein“, bestätigt Sarah Werner. Auf der Kreisstraße zwischen Tettau und Lauchhammer habe sich eine Person verletzt, die mit dem Auto in einen auf der Straße liegenden Baum gefahren ist. Beim Herbststurm im Oktober war auf dieser Strecke eine 75-jährige Radfahrerin von einem Baum erschlagen worden. Der dortige Radweg bleibt gesperrt. „Aufräumarbeiten werden noch über die nächsten Tage hinweg andauern“, so Werner. Die Kreissprecherin mahnt Bürger zu Vorsicht vor nicht mehr standsicheren Bäume und herunterfallenden Ästen. „Waldbesitzer und Grundstückseigentümer sollten ihrer Pflicht nachkommen“, betont Sarah Werner.

Forst

Sturm „Friederike“ hat in Forst wenig Schäden hinterlassen. Betriebsamtsleiter Roland Obst berichtete auf Nachfrage der RUNDSCHAU von einem Baum, der auf dem Hauptfriedhof umgestürzt ist. Ein weiterer Baum blockierte am Vormittag den Radweg nach Groß Schacksdorf und wurde von Mitarbeitern des Betriebsamtes weggeräumt. Für die Feuerwehr Forst gab es nur einen einzigen Einsatz, erklärt Stadtwehrführer Andreas Britze auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Wie schon beim vorangegangenen Sturm im Oktober 2017 drohte ein loses Blech in den Innenhof der Förderschule abzustürzen. Der Stadtwehrführer sah keine akute Gefahr, da im Moment die Hochstraße gesperrt ist, und entschied, seine Feuerwehrleute keiner Gefahr auszusetzen. Der Eigentümer sei in der Pflicht die Reparatur durchzuführen und habe dies bisher nicht getan, so Britze.

Polizei Südbrandenburg

Die Polizeidirektion Süd verzeichnete zwischen 15 und 24 Uhr 54 witterungsbedingte Einsätze. Hauptsächlich hatten sich besorgte Bürger am Notruf-Telefon gemeldet, um über unterschiedlichste Sturmschäden zu informieren. Mit 30 Einsätzen nahm der Elbe-Elster-Kreis dabei den Hauptanteil ein, gefolgt vom OSL-Kreis mit 18. Aufgrund des Sturms habe es 16 Unfälle gegeben, informiert die Polizei weiter. Davon zehn im OSL-Kreis sowie fünf in Elbe-Elster und einen in Cottbus.

Bei drei Unfällen wurden insgesamt drei Personen verletzt. Ein 34-Jähriger starb auf der A 13, als sein Lastwagen bei Ortrand von einer Sturmböe umgeworfen wurde. Derzeit gibt es in diesem Bereich aufgrund von Bergungsarbeiten noch Verkehrsbeeinträchtigungen.

Landkreis Görlitz

Im Süden des Landkreises sind noch einige Kreisstraße gesperrt. Die Mitarbeiter der Straßenmeistereien werden die Schäden im Laufe des Tages beseitigen, sodass die Sperrungen im Anschluss zeitnah wieder aufgehoben werden können, teilt die Kreisverwaltung mit. Alle vier Straßenmeistereien waren bis in die frühen Morgenstunden im Dauereinsatz und haben vorrangig herabgestürzte Äste auf den Straßen beräumt. Aktuell erfolgt die Beräumung von umgestürzten Bäumen.

Am Donnerstagabend sind innerhalb von etwa fünf Stunden weit über 150 Notrufe im Lagezentrum der Polizeidirektion Görlitz ein. Weitere 152 Notrufe konnten trotz Verstärkung der entgegennehmenden Beamten aufgrund der Vielzahl der Anrufe nicht bearbeitet werden. Die Anzahl der sturmbezogenen Alarmierungen entspricht in etwa dem, was an ruhigen Tagen binnen 24 Stunden an Notrufen an die Polizei in der Oberlausitz herangetragen wird. Hauptschwerpunkte der unwetterbedingten Einsätze waren umgestürzte Bäume in Stromleitungen und auf Fahrwegen sowie abgedeckte Dächer. Nach den derzeit vorliegenden Informationen gab es im Zusammenhang mit dem Sturmereignis keine Personenschäden.

Umgestürzte Bäume und damit verbundene Straßensperrungen haben die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr in den Landkreisen Bautzen und Görlitz vor allem beschäftigt. Zu 106 Einsätzen rückte allein die Polizei aus. Autofahrer stießen mit querliegenden Bäumen oder anderen Gegenständen zusammen, welche der Sturm sich gegriffen hatte. Straßen mussten beräumt und vorübergehend oder länger gesperrt werden. Schwere Personenschäden gab es nach derzeitigem Stand nicht. Trotz der Vielzahl der Einsätze blieben die Auswirkungen des Sturms aus polizeilicher Sicht noch im Rahmen.

Kreativ wurde die Straßenmeisterei Niesky. Im Ortsteil Sandschenke ist am Donnerstagabend gegen 19 Uhr ein VW-Transporter auf der B 115 mit einem herabgefallenen Ast kolldiert. Der Sachschaden lag hier bei zirka 1000 Euro. Problematisch gestaltete sich für die Kameraden der Feuerwehr die Beräumung, da weitere Bäume in dem Bereich umzufallen drohten. Die Straßenmeisterei Niesky nutzte deshalb einen Schneepflug, um das restliche Geäst von der Fahrbahn zu schieben. Eine vorübergehende Straßensperre der Polizei bis gegen 21:15 Uhr unterstützte die Beseitigung.

Im Elstraer Ortsteil Kindisch kippte auf der S 94 ein Transporter um. Der Fahrer des Crafter blieb zum Glück unverletzt. Der Sachschaden schlug allerdings mit rund 15 000 Euro zu Buche. Der Volkswagen behinderte den Verkehr nicht, sodass die Bergung erst am Freitag erfolgte.

(fc, ani, kkz, gb, jag, rw)

Orkan Friederike hinterlässt Spuren in der Lausitz FOTO: Diverse