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Kirche
Lausitzer Protestanten bekommen Chefin

Theresa Rinecker und Ulrike Menzel (r.) stellten sich gestern als Bewerberinnen für das Amt der Generalsuperintendentin vor.
Theresa Rinecker und Ulrike Menzel (r.) stellten sich gestern als Bewerberinnen für das Amt der Generalsuperintendentin vor. FOTO: Benjamin Lassiwe
Cottbus/Berlin. Mit der Cottbuserin Ulrike Menzel und Theresa Rinecker aus Weimar in Thüringen bewerben sich zwei Theologinnen für die Nachfolge von Generalsuperintendent Martin Herche. Von Benjamin Lassiwe

Wenn am 24. März in der Cottbuser Oberkirche die Glocken läuten, und die Mitglieder des Wahlkonventes zur Wahl eines Nachfolgers von Generalsuperintendent Martin Herche zusammenkommen, ist zumindest eines sicher: Die nächste leitende Geistliche im Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wird eine Frau.

Denn mit der Cottbuser Super­intendentin Ulrike Menzel und der Leiterin des Seelsorgeamtes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Theresa Rinecker, bewerben sich zwei Theologinnen um das Amt an der Spitze des Kirchenbezirks, zu dem alle evangelischen Gemeinden zwischen der tschechischen Grenze und dem Oderbruch gehören.

Das Amt einer Generalsuperintendentin ist dabei durchaus vielfältig angelegt: Die Stelleninhaberin ist Mitglied der Kirchenleitung und vertritt den Bischof und die Kirchenleitung in der Region. Festgottesdienste zu einem Gemeindejubiläum gehören ebenso zu ihrem Alltag wie das Gespräch mit Vertretern der regionalen Wirtschaft und der örtlichen Politik. Gleichzeitig soll sie Seelsorgerin der Pfarrerinnen und Pfarrer sein, Gemeinden besuchen und junge Pfarrer ordinieren, also in den kirchlichen Dienst aufnehmen. Doch als sich beide Kandidatinnen gestern in Berlin der Öffentlichkeit vorstellten, wurden Unterschiede sichtbar.

So machte die Thüringer Theologin Rinecker deutlich, dass sie das Amt stärker geistlich und von seiner Wirkung in die Kirche hinein sehe. „Ich kann nur mit dem nach außen gehen, was ich im Inneren habe“, sagte Rienecker. Auch Menzel betonte die Bedeutung des seelsorgerlichen, begleitenden Gesprächs mit den Mitarbeitern, will aber stärker als Rinecker auch nach außen wirken. Sie hofft auf eine „gute Arbeitsteilung mit dem Bischof“: „Wenn es um regionale Themen geht, ist eine Generalsuperintendentin natürlich gefragt“, fügt sie hinzu.

Deutlich wurden die Unterschiede in der Sprache der Bewerberinnen: Während Rinecker oft ein selbst für interessierte Laien schwer verständliches theologisches Fachvokabular benutzte, verzichtete Menzel darauf. Zum Beispiel bei der Frage nach der aktuellen Situation in Cottbus. „Cottbus ist weder eine Stadt der Messerstecher noch der Nazis“, sagte Menzel. Auch in der Kirche gebe es Menschen, die offen für Leute aus anderen Ländern seien und Menschen, die sagen, „das verkraften wir nicht.“

Ihre große Hoffnung sei es, dass beide Gruppen mehr miteinander redeten und nicht gegeneinander auf die Straße gingen. Menzel berichtete, wie sie am Wochenende erst an der „Cottbus bleibt bunt“-Demonstration teilnahm und dann in der Oberkirche fast eine Stunde mit einem Teilnehmer der „Zukunft Heimat“-Demonstration sprach. Am Ende habe man sich trotz unterschiedlicher Meinungen immerhin gegenseitig „alles Gute“ wünschen können.

Auch Rienecker sprach sich am Montag dafür aus, dass die Kirche „nahe bei den Menschen“ sein müsse. Wenn es beim Gegenüber „Gesprächsbereitschaft gebe“, wolle sie deutlich machen, „dass ich Interesse habe, zu verstehen, wo die Ängste vor dem Fremden herkommen: Ich will den Menschen sagen, komm, erzähl mir von Deiner Angst.“