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| 02:37 Uhr

Es war ein Tag voller denkwürdiger Momente

Max Schindler in Cottbus
Max Schindler in Cottbus FOTO: nc
Cottbus. Bei der Suche nach den besten Geschichten erleben die RUNDSCHAU-Reporter auch Ergreifendes oder Erschütterndes. In einem Rückblick erzählen sie ihren "emotionalsten Moment 2015."

Am 27. Januar wurde in Cottbus eine neue Synagoge eingeweiht. Dies mitzuerleben, war schon ein berührendes Ereignis. Es war der 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Nur zwei Tage später besuchte ein Mann Cottbus, der die Verfolgung der Juden selbst nur knapp überlebt hat.

Max Schindler wurde im Oktober 1938 mit seinen Eltern und Geschwistern aus seiner Heimatstadt Cottbus ausgewiesen. Er war damals neun Jahre alt. Von der fünfköpfigen Familie überlebten nur Max und sein Bruder Alfred die Qualen der Kon zen trations- und Arbeitslager. In den USA bauten sie sich nach dem Krieg eine Existenz auf.

Als über 80-Jähriger kehrte Max Schindler am 29. Januar nach Cottbus zurück. Seine Frau Rose, die in Auschwitz einen großen Teil ihrer Familie verloren hat, drei seiner Söhne und seine Enkelin begleiteten ihn. Max Schindler wollte die Stadt wiedersehen, in der er aufgewachsen ist. Er wollte sehen, was von seinen Kindheitserinnerungen noch übriggeblieben ist, von der Weinhandlung seines Onkels, von der Schule, in der er von der Gestapo verhaftet wurde und von dem Haus, in dem er geboren wurde. Vor diesem Haus erinnern heute drei Stolpersteine an seine Eltern und seine Schwester.

Den Anblick, wie sich Max Schindler zu den Messingtafeln hinunterbeugt, werde ich nicht vergessen. Was er dabei gefühlt haben mag, lässt sich kaum ermessen. Am selben Tag habe ich Rose Schindler in der Synagoge tanzen sehen. Ich war dabei, als sich Max Schindler ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Es war ein Tag voller denkwürdiger Momente. Dass die Schindlers den Cottbusern ohne Groll und mit großer Herzlichkeit begegneten, hat mich tief beeindruckt.