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Erstmals Sprachdiplom für Flüchtlinge

Vor allem junge syrische Schüler haben in Guben an den Prüfungen fürs Deutsche Sprachdiplom teilgenommen.
Vor allem junge syrische Schüler haben in Guben an den Prüfungen fürs Deutsche Sprachdiplom teilgenommen. FOTO: S. Halpick
Guben. 142 Schüler mit Migrationshintergrund haben sich gestern an den Prüfungen für das Deutsche Sprachdiplom beteiligt. Für Brandenburg war das eine Premiere. Silke Halpick

Ein bisschen aufgeregt ist sie schon - das gibt Amina Bataeva auch ganz offen zu. Das Mädchen aus Tschetschenien gehört zu den insgesamt zwölf Schülern der Europaschule in Guben (Spree-Neiße), die zur schriftlichen Prüfung für das Deutsche Sprachdiplom zugelassen sind. Die meisten der Absolventen, die in der Aula der Oberschule Platz nehmen, stammen aus Syrien. Aber auch polnische Gastschüler sind darunter. 15 Minuten vor Beginn des dreistündigen Tests ist die Stimmung entspannt.

"Wir wissen nicht, welche Fragen die Schüler erwarten", sagt Waldemar Przemyslanski. Der Lehrer für Deutsch als Fremdsprache unterrichtet erst seit einem Jahr in Guben, zuvor arbeitete er in Zielona Gora (Grünberg). Einen Monat lang hat er die Schüler in speziellen Kursen auf diesen Tag vorbereitet. Die Umschläge mit den Prüfungsaufgaben liegen noch verschlossen auf seinem Schreibtisch.

Das Deutsche Sprachdiplom ist eine Sprachprüfung, die von der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) entwickelt wurde. Bereits seit mehr als 40 Jahren werden die Prüfungen im Ausland an Schulen mit verstärktem Deutschunterricht praktiziert. Pro Jahr werden mehr als 70 000 Prüfungen in mehr als 70 Staaten weltweit abgelegt.

Im Land Brandenburg erlebt das Deutsche Sprachdiplom jetzt seine Premiere. Die Zunahme von jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die an Schulen im Land unterrichtet werden, sei der Grund für die Einführung, wie Ralph Kotsch, Pressesprecher des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt. In anderen Bundesländern gibt es die Prüfung bereits seit fünf Jahren.

Geprüft wurde gestern in Brandenburg an zehn weiterführenden allgemeinbildenden Schulen sowie vier Oberstufenzentren. Neben der Gubener Europaschule "Marie & Pierre Curie" gehörten beispielsweise die Theodor-Fontane-Gesamtschule in Cottbus, die Oberschule "Dr. Otto Rindt" in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) und das Konrad-Wachsmann-Oberstufenzentrum in Frankfurt (Oder) dazu. Zugelassen sind insgesamt 124 Prüfungsteilnehmer, die aus Syrien, Irak, Afghanistan und Polen kommen und schon mindestens ein Jahr lang in Deutsch unterrichtet werden.

"Wir haben längst nicht alle Schüler angemeldet, die diese Voraussetzung erfüllen", sagt Hans-Joachim Gottschlag, stellvertretender Schulleiter an der Europaschule. Viele der Jungen und Mädchen brauchen noch mehr Zeit, um die deutsche Sprache im geforderten Maß zu beherrschen. "Das abverlangte Niveau beim Deutschen Sprachdiplom ist schon ganz ordentlich", begründet er.

Die Prüfungsteilnehmer müssen beispielsweise mehrere Texte mit ganz unterschiedlichen Anforderungen übersetzen, Fragen zu Hörfrequenzen beantworten sowie einen Aufsatz schreiben. "Den syrischen Schülern fällt vor allem das Schreiben schwer", sagt Przemyslanski. Kein Wunder, wie er findet. Nicht nur die Buchstaben des arabischen Alphabets unterscheiden sich von unseren lateinischen komplett, auch die Schreibrichtung sei genau entgegengesetzt. Nach der schriftlichen Prüfung folgt der mündliche Teil mit Kurzvortrag sowie einem Gespräch in einer Alltagssituation.

"Für die Schüler ist das Sprachdiplom eine große Chance", sagt Gottschlag. Der Abschluss, der dem Niveau A2/B1 entspricht, ist beispielsweise notwendig, um für das Studienkolleg zugelassen zu werden oder eine Berufsausbildung zu beginnen.

Für den stellvertretenden Schulleiter steht schon heute fest, dass die Gubener Einrichtung auch im kommenden Jahr wieder daran teilnimmt. Der Bedarf sei da. Rund 54 der insgesamt 302 Europaschüler haben einen Migrationshintergrund. Der größte Teil von ihnen sind Asylbewerber.

Zum Thema:
Das bekannteste deutsche Sprachzertifikat ist das des Goethe-Instituts. Der Test auf der Stufe B1 wird als Nachweis von Deutschkenntnissen von vielen Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt anerkannt. Das deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz gibt es in zwei unterschiedlichen Niveaustufen. Die Prüfungen an den Brandenburger Schulen erfolgen auf der Stufe 1 (A2/B1). Die Stufe 2 (B2/C1) ist Voraussetzung für das Studium an der deutschen Hochschule.