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| 20:00 Uhr

Brandenburg kann von Erfolg der bayrischen Polizei profitieren
Polizei gelingt erster Schlag gegenholländische Automatensprenger

Über 100 Sprengattacken – wie hier in Bonn – sollen auf das Konto der niederländischen Bande gehen.
Über 100 Sprengattacken – wie hier in Bonn – sollen auf das Konto der niederländischen Bande gehen. FOTO: dpa / Axel Vogel
Potsdam/München. Mit einer spektakulären Aktion ist es der Münchner Polizei in der Vorwoche gelungen, die berüchtigten Geldautomatensprenger aus den Niederlanden zu stoppen, bevor sie zuschlagen konnten. Davon kann auch Brandenburg profitieren. Von Bodo Baumert

Es ist mehr als nur ein gelungener Schlag gegen die Geldautomatensprenger, der der Polizei in der Nacht zum Mittwoch in München gelungen ist. Zwei Täter wurden auf frischer Tat ertappt. Sie versuchten noch zu flüchten –  einer verletzte dabei sogar einen Polizeibeamten schwer – wurden dann aber mit Schüssen gestoppt.

Denn erstmals musste die Polizei nicht reagieren, nachdem ein Geldautomat in die Luft geflogen war. Nein, diese Täter hatte die Polizei schon seit Tagen observiert. Als sie in die Bank gingen, um ihr Zerstörungswerk zu beginnen, schlug das SEK zu. Mehr als 20 Beamte des Spezialeinsatzkommandos sollen laut „Süddeutscher Zeitung“ auf die Täter gewartet haben.

Kurz darauf wurden drei weitere Mittäter verhaftet, die zuvor den Tatort ausspioniert hatten. Sie warteten in einer Wohnung und wurden ebenfalls von der Polizei hochgenommen.

Warum ist das auch für Brandenburg spannend? Weil es sich um Mitglieder eben jener niederländischen Bande handelt, die auch in Berlin und Brandenburg eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Anfang Juli hatten sie binnen drei Wochen neun Automaten gesprengt. Deutschlandweit rechnen Ermittler über 100 Anschläge dieser Gruppe zu.

Nach Erkenntnissen der Ermittler handelt es sich um insgesamt rund 250 Personen, größtenteils Niederländer mit marokkanischen Wurzeln, die in wechselnden Konstellationen zuschlagen.

„Es gibt in der Regel einen Fahrer, einen für die Sprengung und einen, der den Automaten aufhebelt“, erläutert Torsten Herbst, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums. Die Rollen bleiben stets gleich, werden aber von immer anderen Personen ausgefüllt. Das machte es bisher so schwer, der Bande auf die Schliche zu kommen.

Die länderübergreifende Kooperation der Ermittler scheint aber Früchte zu tragen. Experten aus Nordrhein-Westfalen – wo die Bande bisher am häufigsten zuschlagen hat – und den Niederlanden waren im Sommer in Brandenburg, um die Spuren abzugleichen. Ähnlich verlief es in Bayern, wo die Bande im Mai schon einmal zugeschlagen hatte.

Wie die jüngsten Ereignisse in München zeigen, ist es den Ermittlern offenbar gelungen, anhand der abgeglichenen Spuren einzelne Mitglieder der Bande zu identifizieren. Als diese nun in München auftauchten, konnte sich die Polizei an ihre Fersen heften. Nach Informationen der „Süddeutscher Zeitung“ wurde die Bande bereits seit dem 8. Oktober beschattet. Als sie sich dann zum Handeln entschloss, schlugen die Spezialkräfte der Polizei zu, um sie auf frischer Tat ertappen zu können.

Dass es dennoch den beiden Männern in der Bank zunächst gelang, zu entkommen – einer fuhr mit seinem 450-PS-Audi einen Polizisten brutal an – zeigt die Skrupellosigkeit, mit der die Banden vorgehen. Ob sie angesichts der neuen Erkenntnisse der Polizei vorsichtiger werden, bleibt abzuwarten.

Zumindest in Brandenburg ist es derzeit beim Thema Geldautomatensprengungen ruhig geworden. Neben den Niederländern gab es zuletzt auch Täter aus dem Berliner Umland und Polen, auf deren Konto Attacken in der Lausitz gingen. Mehrere Banden wurden in den vergangenen Monaten verhaftet.

Dennoch geht die Polizei davon aus, das weitere Banden in Brandenburg aktiv waren – und es wieder werden könnten. 64-mal haben verschiedene Sprengbanden insgesamt seit 2014 in Brandenburg zugeschlagen.