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Frankfurt (Oder)
Erster Linken-OB im Land Brandenburg

René Wilke gibt der zehnjährigen Aurelia ein Autogramm auf der Wahlparty im Rathaus. Der Linken-Politiker ist am Sonntag zum neuen Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) gewählt worden.
René Wilke gibt der zehnjährigen Aurelia ein Autogramm auf der Wahlparty im Rathaus. Der Linken-Politiker ist am Sonntag zum neuen Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) gewählt worden. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Frankfurt (Oder). „Frankfurt geht besser“ lautete der Wahlkampf-Slogan von René Wilke. Jetzt kann der 33 Jahre alte Linken-Politiker beweisen, ob das tatsächlich so ist. Am Sonntag wurde er zum ersten Oberbürgermeister der Linken in Brandenburg gewählt.

(dpa/fh) Der Linken-Politiker René Wilke ist am Sonntag zum neuen Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) gewählt worden. In der Stichwahl setzte er sich gegen den Amtsinhaber durch. Der bisherige Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) erhielt 37,5 Prozent der Stimmen, auf seinen derzeit im Potsdamer Landtag sitzenden Herausforderer kamen 62,5 Prozent, wie die Stadt nach Vorlage des vorläufigen Endergebnisses mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,7 Prozent. In der Stadt waren knapp 49 000 Menschen zur Wahl aufgerufen.

„Das tolle Ergebnis ist für mich ein Grund zur Freude, und zugleich Verpflichtung, umzusetzen, was wir vorhaben – und Frankfurt tatsächlich besser zu machen“, sagte der Wahlsieger am Abend.

Jetzt beginne die eigentliche Arbeit. Er wolle sich zunächst mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung zusammensetzen.

Der unterlegene bisherige Oberbürgermeister Martin Wilke sagte: „Es ist, wie es ist.“ Er wünsche dem Sieger alles Gute für die kommenden acht Jahre.

Der Linken-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, Ralf Christoffers, sagte, das Wahlergebnis strahle über Frankfurt (Oder) hinaus und zeige, dass die Linkspartei Wahlen auch gewinnen könne. Er sei überzeugt davon, dass René Wilke ein Oberbürgermeister für alle Bürger sein könne.

Der Frankfurter CDU-Stadtverordnete und frühere Wirtschaftsminister in Brandenburg, Ulrich Junghanns, kündigte an, mit Wilke im Stadtparlament zusammenarbeiten zu wollen, die Politik der Linken aber nicht zu unterstützen.

Im ersten Wahlgang waren die Kandidaten von CDU, SPD und AfD ausgeschieden. Die Grünen hatten von Anfang an René Wilke unterstützt, der bisherige Oberbürgermeister war als Einzelkandidat angetreten.

Die Erwartungen an den neuen Oberbürgermeister sind groß. Im zurückliegenden Wahlkampf spielte das Thema Haushalt eine zentrale Rolle.

Wie alle kreisfreien Städte in Brandenburg ist Frankfurt (Oder) hoch verschuldet, der Haushalt für das vergangene Jahr wurde von der Kommunalaufsicht bisher nicht genehmigt. Die knapp 59 000 Einwohner zählende Stadt kann keine Kredite für Investitionen aufnehmen, auch an vielen anderen Stellen sind ihr die Hände gebunden.

Der gebürtige Frankfurter René Wilke gilt schon länger als Nachwuchshoffnung der brandenburgischen Linken. Seit 2014 sitzt der 33-Jährige im Brandenburger Landtag, er holte damals für seine Partei eines von vier Direktmandaten. In seiner Fraktion ist er stellvertretender Vorsitzender und haushaltspolitischer Sprecher, außerdem ist er im Frankfurter Stadtparlament Chef seiner Fraktion.

Der begeisterte Radsportler ist ledig, hat keine Kinder. Er gilt als redegewandt, bezeichnet sich selbst als „Berufspolitiker“. Wilke ist gelernter Bürokaufmann, hat an der Frankfurter Europa-Universität Viadrina und der Fernuni Hagen Kultur- sowie Politikwissenschaften und Psychologie studiert, allerdings keinen Hochschulabschluss.

Der bisherige Oberbürgermeister, der 60-jährige Martin Wilke, ist promovierter Mikroelektroniker. Als er vor acht Jahren zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt(Oder) antrat, kam er aus der Wirtschaft, war Geschäftsführer des Investorcenters Ostbrandenburg. Deshalb setzten viele Frankfurter ihr Vertrauen in den zweifachen Familienvater.

Ein breites Parteienbündnis unterstützte den Parteilosen damals, so dass er gleich im ersten Wahlgang mit knapp 60 Prozent der Stimmen gewählt worden war. In seine Amtszeit fiel der Niedergang der Solarindustrie, Fabriken in Brandenburgs Solarhauptstadt schlossen.

(dpa)