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| 17:49 Uhr

Lutherjahr
Erntedankgefühl nach Reformationsjahr

Bonn. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, würdigt Jubiläum als Vitaminstoß für geistliche und inhaltliche Erneuerung der Kirche.

Ein „Erntedankgefühl“ hat der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am 31. Oktober wahrgenommen. Am Reformationstag seien die Kirchen deutschlandweit überfüllt gewesen. Das Reformationsjahr sei „Anlass zu großer Dankbarkeit“, sagte Bedford-Strohm vor der in Bonn tagenden Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es habe „einen Vitaminstoß für die geistliche und inhaltliche Erneuerung unserer Kirche gegeben“. Das evangelische Kirchenparlament will sich auf seiner noch bis Mittwoch gehenden Tagung intensiv mit einer Auswertung des Jubiläums beschäftigen. Zuletzt hatte es auch deutliche Kritik am Reformationsjahr gegeben.  Der Leipziger Liturgiewissenschaftler Alexander Deeg fragte, ob es bei all dem, was man gefeiert habe, „vielleicht zu wenig Gott“ gegeben habe. Und die Präses der Synode, die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer kündigte an, dass es für die Kirchenparlamentarier eine wichtige Aufgabe sei, Transparenz herzustellen, wie bei den Finanzen des Trägervereins der Wittenberger Weltausstellung und der Kirchentage auf dem Weg. Wenn die Synode am Montag über den Haushalt der EKD debattiert, ist wohl mit einem erheblichen Zuschuss für den Verein zu rechnen.

Im Unterschied zu früheren Jahren war die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) kein Thema im Bericht des Ratsvorsitzenden. Stattdessen sprach Bedford-Strohm über den Umgang mit deren Anhängern. „Wie können wir heute, in einer pluralistischen Öffentlichkeit, so reden, dass Menschen, die den Aufruf zum Eintreten für Flüchtlinge so nicht teilen können, angesichts unserer Stellungnahmen nicht mit dem Gefühl zurückbleiben, ein schlechterer Mensch oder ein unzulänglicher Christ zu sein, und vielleicht dann zum aggressiven Gegenangriff auf die übergehen, die sie als Gutmenschen empfinden?“ Solche Fragen sind für die EKD nichts weniger als ein Paradigmenwechsel. Scheinbar nimmt die Kirche wahr, dass sie mit ihren Botschaften Teile der Bevölkerung nicht mehr erreicht. „Wenn wir als Kirchen in den vergangenen Jahren um Hilfsbereitschaft für Menschen in Not geworben haben, dann haben wir von Handeln aus Freiheit gesprochen“, sagte Bedford-Strohm. „Angekommen ist aber bei Manchen nur Moral und Gesetz – und das Gefühl, bei innerer Abwehr gegenüber den moralischen Aufrufen selbst als schlechter Mensch dazustehen.“ Eine wirkliche Antwort, wie die Kirche auf diese Bevölkerungsgruppen zugehen kann, hatte Bedford-Strohm nicht.

Einen Traditionsabbruch sieht er auch bei den Jugendlichen. „Die Beteiligung junger Menschen ist eine der zentralen Herausforderungen für die Kirche der Zukunft.“