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Personalentscheidung in der Krise
Der neue Mann in Brandenburgs SPD

Der Ministerpräsident und sein Generlsekretär-Kandidat: Dietmr Woidke (r.) setzt in der Krise auf Erik Stohn.
Der Ministerpräsident und sein Generlsekretär-Kandidat: Dietmr Woidke (r.) setzt in der Krise auf Erik Stohn. FOTO: Bernd Settnik / picture alliance / dpa
Potsdam. Der Landtagsabgeordete Erik Stohn aus Jüterbog soll nach dem Stopp der Kreisgebietsreform neuer SPD-Generalsekretär in Brandenburg werden.

Erik Stohn trägt einen roten Pullover und blaue Jeans, als er am Montag die Kantine des Brandenburger Landtags betritt. Umringt von seinen Fraktionskollegen, isst der 33-jährige Jüterboger Mittag. Holger Rupprecht, der ehemalige Bildungsminister und Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, kommt vorbei und klopft Stohn kurz auf die Schulter. Denn seit Sonntagabend war bekannt: Erik Stohn soll auf Vorschlag von Ministerpräsident Dietmar Woidke Nachfolger von Klara Geywitz als Generalsekretär der Brandenburger SPD werden.

Für den jungen Abgeordneten, der 2014 erstmals in den Potsdamer Landtag eingezogen ist, ist das ein wichtiger Karrieresprung – vorausgesetzt, der Landesvorstand und vor allem der Landesparteitag, der am 18. November zusammenkommt, stimmen der Ernennung zu.

Stohn gilt als ehrgeizig, als jemand, der auch schon einmal mit dem Kopf durch die Wand will – etwa im Bundestagswahlkampf, als er versuchte, im später von Dietlind Tiemann (CDU) gewonnen Bundestagswahlkreis 60, der Brandenburg an der Havel, aber eben auch Jüterbog und weite Teile des Landkreises Potsdam Mittelmark umfasst, gegen Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg (SPD) anzutreten. Und dass, obwohl Rautenberg der erklärte Wunschkandidat des damaligen Bildungsministers Günter Baaske war, der im Fläming zu Hause ist.

Schon zuvor hatte Stohn, der verlobt ist und noch keine Kinder hat, in der Brandenburger SPD eine Blitzkarriere hingelegt. Von 2013 bis 2015 war er Landesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, nahm am Nachwuchsförderprogramm des verstorbenen SPD-Fraktionsvorsitzenden und früheren Generalsekretärs Klaus Ness teil. Und unter Klara Geywitz wurde er zum Mitgliederbeauftragten der SPD. Dass Dietmar Woidke ihn anrufen und fragen würde, ob er für den Posten des Generalsekretärs zur Verfügung stehen würde, konnte man am Wochenende ahnen, nachdem sein Wunschkandidat Daniel Kurth absagte. Künftig will er vor allem auf Kommunikation setzen – die Kreisreform sei an einem Mangel daran gescheitert, erklärte Stohn.

Kurth wird zudem, das bestätigte Woidke am Montag der RUNDSCHAU, sein Mandat als stellvertretender Landesvorsitzender der Brandenburger SPD niederlegen – denn die SPD hat eine Quotierung in ihren Gremien beschlossen. Schon am frühen Nachmittag war sein Name von der Website der Brandenburger SPD verschwunden. Durch den Wechsel könnte eine weitere Rochade möglich werden: Auf Wunsch Woidkes soll Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner zur stellvertretetenden Landesvorsitzenden aufrücken. Dann würde die Quote wieder stimmen.

Sollten die Personalrochaden am 18. November vom Landesparteitag bestätigt werden, kann sich Woidke jedenfalls wieder etwas entspannen. Dann hätte er es tatsächlich geschafft, die spektakuläre Absage der Kreisgebietsreform politisch zu überleben. Am Montag jedenfalls sah es so aus, als sähe sich der Brandenburger Ministerpräsident tatsächlich nicht mehr in politischer Gefahr. Gefragt nach dem Antrag der CDU auf Selbstauflösung des Potsdamer Landtags antwortete er lapidar: „Das ist eine Fraktion aus der Opposition, die diesen Antrag gestellt hat, und ich sehe dem sehr gelassen entgegen.“

Auf die Neuwahl-Forderung reagierte auch der rote Koalitionspartner demonstrativ mit Ablehnung.„Jetzt ist nicht die Zeit für dilettantische Profilierung mit Klamauk, sondern Zeit für Inhalte“, sagte Linken-Parteichef Christian Görke.