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Erfrischungen und Nickerchen

Eine Landtagsdebatte kann anstrengend sein. Manchmal sogar sehr anstrengend.

Je länger der Parlamentstag dauert, desto weniger Sauerstoff findet sich im Plenarsaal. Da kann es hilfreich sein, sich einmal zu erfrischen. Im Potsdamer Landtag gibt es dazu einen Verpflegungstresen, der vor dem Plenarsaal aufgebaut ist. Kaffee, Brötchen oder auch Soljanka werden dort den ganzen Tag über verkauft. Und wenn im Saal das Plenum tagt, sieht man dort eigentlich immer Abgeordnete im Gespräch.

Aber natürlich können sich Abgeordnete auch anderweitig vom Parlamentsstress erholen. Zum Beispiel durch "konzentriertes Zuhören".

Man schließt kurz die Augen und lehnt sich in seinem roten Drehstuhl zurück - so wie kürzlich der Abgeordnete Thomas Jung von der Fraktion der "Alternative für Deutschland". Und dass Abgeordnete aller übrigen Fraktionen des Landtags nun der Ansicht sind, der innenpolitische Sprecher der AfD habe während der Debatte ein Nickerchen gemacht, ist ganz sicher eine Fake-News. Er hat bestimmt nur zugehört. Konzentriert zuhören können auch die Schulklassen, die regelmäßig für einige Minuten den Plenarsaal des Landtags besuchen. Vor allem in der Fragestunde sind sie oft präsent. Was den Abgeordneten im Landtag aber ebenso oft entfällt. Denn wenn ein Landtagsmitglied in der Fragestunde eine Frage stellt, warum an einer Schule seines Wahlkreises fast 80 Prozent des Ma theunterrichts ausfallen, redet er sauber am Publikum vorbei: Auf der Besuchertribüne breitet sich in solchen Momenten eine durchaus neidgesteuerte Heiterkeit aus. So viel Unterrichtsausfall hätte doch wohl jeder Schüler gerne. Was dann auch erklärt, warum der ehemalige Physiklehrer und Bildungsminister Günter Baaske in solchen Situationen oft nur wenig erfrischende Antworten parat hat: Der Mann weiß halt, was Schüler gerne hören.