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| 12:27 Uhr

Abzocke in der Lausitz
Enkeltrickbetrüger erbeuten immer größere Summen

Enkeltrickbetrüger treten immer wieder in der Lausitz auf. Zuletzt registrierte die Polizei Anfang September eeen Häufung solcher Fälle.
Enkeltrickbetrüger treten immer wieder in der Lausitz auf. Zuletzt registrierte die Polizei Anfang September eeen Häufung solcher Fälle. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Potsdam/Cottbus. Der Enkeltrickbetrug gehört zu den ältesten Maschen der Telefon-Abzock-Mafia – und funktioniert noch immer. Von Bodo Baumert

Sie finden sich fast täglich in den Lausitzer Polizeimeldungen: Enkeltrickbetrüger, die sich bei Senioren per Telefon melden und sich als Verwandte ausgeben, die in finanziellen Nöten sind. In der Regel kann man dann weiter lesen, dass der Angerufene klug genug war, aufzulegen und die Polizei zu informieren.

Immer wieder kommen die Täter mit ihrer Masche aber auch durch. Im vergangenen Jahr gab es in Brandenburg 234 Fälle von Enkeltrickbetrug. In 30 Fällen waren die Täter erfolgreich. Verglichen mit den Zahlen von 2010, als es 34 erfolgreiche Anrufe gab, scheint das wenig besorgniserregend. Die Polizei ist dennoch alarmiert. „Die Schadenssumme ist deutlich gestiegen“, erklärt Polizeisprecher Torsten Herbst. Holten die Betrüger 2010 noch rund 200 000 Euro aus ihren Opfern raus, waren es im vergangenen Jahr schon 520 000 Euro.

Dieser Trend bestätigt sich, wenn man die jüngsten Fälle aus der Lausitz betrachtet. Dabei waren die Täter Anfang September durch immer dreistere Forderungen aufgefallen. Teils wurden bis zu 80 000 Euro gefordert – zum Glück ohne Erfolg.

Und das sind nur die Fälle, die der Polizei bekannt sind. Viele Angerufene machen sich nicht die Mühe, Anzeigen zu erstatten. Entweder, weil sie gleich wieder auflegen. Oder, weil sie auf die Betrüger hereinfallen und sich im Nachhinein schämen.

In manchen Fällen merken die Senioren aber auch gar nicht, dass sie auf einen Betrüger hereingefallen sind. Sie warten in treuem Glauben auf eine spätere Rückzahlung – und fallen möglicherweise sogar noch auf weitere Betrugsmaschen der Täter rein.

Zum Schutz bemüht sich die Polizei seit Jahren um Präventionsarbeit, informiert auf allen möglichen Kanälen über die Tricks und Kniffe der Täter. Trotzdem machen die Banden weiter – und haben weiter Erfolg.

Ein neuer Ansatz ist deshalb, die Banken verstärkt mit ins Boot zu holen. Denn um an die Ersparnisse der Betrogenen zu kommen, sind die Täter auf Bargeld angewiesen. Sie bitten ihre Opfer, die Summen abzuheben und an einen Mittelsmann zu ergeben, der das Geld abholen kommt.

„Wenn Kunden eine ungewöhnlich hohe Geldabhebung wünschen, die teilweise oder fast das gesamte Vermögen umfasst, sollten Bankangestellte hellhörig werden“, empfehlen die Präventionsexperten der Polizei. Als am vergangenen Montag Vertreter der regionalen Bankenverbände und der Sparkasse Spree-Neiße in Potsdam zum Geldautomaten-Gipfel zu Gast waren, nutzen die Polizisten dies deshalb auch gleich, um auf das heikle Thema der Enkeltrickbetrüger zu sprechen zu kommen. „Wir haben unsere Gesprächspartner noch einmal sensibilisiert und ihnen aktuelle Informationen an die Hand gegeben“, berichtet Polizeisprecher Herbst.

In den Handlungsempfehlungen für Bankmitarbeiter heißt es etwa:

„Sprechen Sie mit dem Kunden: Versuchen Sie, einen persönlichen Kontakt herzustellen, fragen Sie nach dem Verwendungszweck des Geldes.“ Die Bankmitarbeiter sollten sich erkundigen, ob der Senior schon einmal etwas vom Enkeltrick gehört habe. „Gehen Sie auf Nummer sicher: Lösen Sie die Raumüberwachung aus, wenn sich Begleitpersonen im Schalterbereich befinden. Rufen Sie notfalls die Polizei unter der Notrufnummer 110.“

Wichtig sei es auch, Sicherheit zu vermitteln: „Bitten Sie Ihren Kunden für das Gespräch und die Auszahlung in einen separaten Raum. Empfehlen Sie eine sichere Zahlungsform wie eine Blitzüberweisung. Machen Sie deutlich, dass Barzahlungen ein Hinweis auf einen Betrug sein können.“

Hilfereich könne es auch sein, Bezugspersonen wie Nachbarn oder Verwandte einzubeziehen. So hat im Juli beispielsweise ein aufmerksamer Taxifahrer in Lünebuug verhindert, dass eine Seniorin zum Betrugsopfer wurde. Er hörte zufällig ein Gespräch mit und schöpfte Verdacht. Der Taxifahrer verständigte die Polizei, die ihm für seine Zivilcourage ausdrücklich dankte.

Für die Banken ist das Thema nicht neu. „Wir kennen unsere Kunden, ihre persönlichen Lebensumstände und ihre Vermögenssituation. Diese Nähe zu unseren Kunden entspricht der Grundphilosophie der Sparkasse“, sagt etwa Anja Schroschk, Sprecherin der Sparkasse Spree-Neiße. „Unsere Mitarbeiter sind dadurch besonders sensibilisiert und können bei ungewöhnlichen Vorfällen schnell und verantwortungsvoll reagieren.“

Dennoch nahmen die beteiligten Bankenvertreter die Informationen aus dem Gespräch mit der Polizei mit und wollen sie an ihre Mitglieder weitergeben.

Mehr zu Betrugsmaschen, den Tricks der Täter und Sicherheitsmaßnahmen lesen Sie in unserem Special unter www.lr-online.de/betrug