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Eltern wehren sich erfolgreich gegen Früheinschulung

Regulär eingeschult? Oder ein Jahr später? Laut Forschern kann Letzteres Folgen haben.
Regulär eingeschult? Oder ein Jahr später? Laut Forschern kann Letzteres Folgen haben. FOTO: dpa
Potsdam. Kaum sechs und schon schulpflichtig? Vielen Eltern in Brandenburg ist das für ihre Kinder zu früh. Immer häufiger bleiben Kinder ein Jahr länger in der Kita oder zu Hause.

In Brandenburg sind im laufenden Schuljahr 14 Prozent aller schulpflichtigen Mädchen und Jungen von der Einschulung zurückgestellt worden. Das ist mehr als in den Jahren zuvor, wie aus einer Antwort von Bildungsminister Günter Baaske (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Eltern von rund 2900 Kindern hatten sich erfolgreich gegen eine aus ihrer Sicht zu frühe Einschulung gewehrt. Der Landeselternrat sieht sich in seiner Forderung nach einem späteren Schulbeginn bestätigt.

Im Schuljahr 2010/11 waren 1970 Jungen und Mädchen um ein Jahr zurückgestellt worden. Inzwischen sind es fast 1000 Kinder mehr. „Dieser Anstieg deutet darauf hin, dass sich die Früheinschulung nicht bewährt hat“, sagte Landeselternratssprecher Wolfgang Seelbach der Deutschen Presse-Agentur. Seiner Ansicht nach haben sehr junge Schulkinder oft Schwierigkeiten, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Eine Folge seien oft problematische Schulkarrieren.

Laut einer Ministeriumssprecherin kann der Anstieg der Rückstellungsquote verschiedene Ursachen haben. „Durch die öffentliche Debatte über die Stichtage zur Einschulung sind möglicherweise viele Eltern für das Thema sensibilisiert worden“, sagte sie. Außerdem würden die Interessen der Eltern im Antragsverfahren für eine Rückstellung nun stärker berücksichtigt.

In Brandenburg gilt für Einschulungen der Stichtag 30. September. Kinder, die bis zu diesem Tag ihren sechsten Geburtstag feiern, werden am 1. August desselben Jahres schulpflichtig - sofern sie entsprechend entwickelt sind. Dazu zählen mitunter auch Fünfjährige.

Eine vom Landeselternrat unterstützte Elterninitiative fordert die Rückkehr zum alten Stichtag 30. Juni. Dafür wurden 32 000 Unterschriften gesammelt. Auch die CDU im Potsdamer Landtag setzt sich für den früheren Stichtag ein. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde aber im März von der rot-roten Koalition abgelehnt.

Wolfgang Seelbach begrüßte, dass zumindest das Verfahren für eine Rückstellung vereinfacht wurde. Laut Baaske ist es landesweit vereinheitlicht und nachvollziehbar. Seinen Angaben zufolge wurden für das laufende Schuljahr 93 Prozent aller Rückstellungsanträge von Eltern bewilligt. Die vielen Verfahren nannte Seelbach dennoch „unnötige Bürokratie“, die man sich sparen könne.

Eine Stichtagsänderung könnte aber aus Sicht von Baaske (SPD) wieder zu neuem Mehraufwand führen: Bei einer Vorverlegung des Stichtags würde die Zahl der Eltern steigen, die ihre Kinder früher einschulen wollten, hatte er im März im Zuge einer Landtagsdebatte zu bedenken gegeben. Zum laufenden Schuljahr sind demnach 300 Kinder vorzeitig eingeschult worden.