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Elf Minuten mit Naomi

Dresden war in Aufregung. Die Massen auf dem Theaterplatz walzerten sich ein.

MDR-Red-Carpet-Reporterin Mareile Höppner fror vor der Tür. Alle hielten Ausschau, denn ein Supermodel sollte zum Ball kommen. Doch wo war sie? Wo denn sein Stargast bleibe, musste sich der Ballchef fragen lassen, und war nicht aussagefähig. Peinlich, das! Irgendwann ging die Hintertür auf und herein kam Naomi Campbell, schön wie eine Fee, um nach Art einer solchen kurz darauf wieder zu verschwinden.

Das war vor zwei Jahren. Dieses Erlebnis war für die Dresdner derart verstörend, dass sich nun das Landgericht Dresden damit befasst, warum Naomi Campbell zu ihrem Diensttermin beim Semperopernball 2015 a) zu spät kam, b) zu früh ging, aber c) trotzdem 55 000 Euro Gage verlangt. Für die 10. Zivilkammer, die sonst Zwangsversteigerungen und sowas macht, ist das hier mal was ganz anderes.

55 000 Euro, für das Geld kann man viele Debütantinnen anziehen, man kann Guido Maria Kretschmer für Jahre als Moderator buchen und kann Sebastian Krumbiegel und die Stumphs bezahlen, dass sie mal wegbleiben.

Ein Model von Weltrang gab es nur für elf bis 19 Minuten - da gehen die Zeugenaussagen auseinander. Niedlich ist immerhin, dass d) Naomi Campbell trotzdem beim Ball einen Orden für ihr soziales Engagement bekam. Den sie sich e) mit ihrer Kollegin Nadja Auermann teilte. Die erklärte sich kurzfristig bereit zu kommen, weil ja keiner wusste, was jetzt mit Naomi war. Seitdem ist Auermann, die Frau mit den längsten Beinen der Welt und dem gemeißelten Fräuleinwunder-Gesicht nur noch die, die beim Semperopernball für die Campbell einspringen musste. Das hat Drama.