In Brandenburgs Supermärkten gibt es bereits tiefgefrorenes Geflügel für die Festtage. Und vielerorts befürchten Konsumenten, dass sie wegen der Vogelgrippe in diesem Jahr frische Ente mehr bekommen. Doch wie sieht es in Polen aus?
Frische Enten, kann in Słubice an mehreren Stellen frisch geschlachtete aus der Region bestellen. Möglich ist das bei Markthändlern oder im Laden für Bio- und regionale Spezialitäten „Smakowita Wieś“ in Słubice. Mitte November kostete eine Ente dort 120 Złoty (ca. 26 Euro).
Auf dem kleinen Słubicer Basar lag der Kilogrammpreis zu dem Zeitpunkt bei 9 Euro und damit ähnlich wie im Bioladen. Allerdings dürfte er inzwischen ein wenig höher sein. Je mehr sich Weihnachten nährt, desto teurer werden in der Regel die Braten. Schließlich leben die Tiere dann länger und müssen auch länger gefüttert werden, während gleichzeitig die Nachfrage steigt.

Erste Ware in den Supermärkten

Auf der Suche nach Festtagsbraten kann man inzwischen auch in polnischen Supermärkten fündig werden – im Regal für Frischware. Entenhals oder -flügel sind etwa im Intermarché in Słubice zurzeit zu haben für 20 bis 27 Złoty (4,25 bis 5,70 Euro) pro Kilogramm. An ganzen Tieren sind dort bislang nur Gänse zu haben: gerupft und mit Innereien kosten sie knapp 200 Złoty das Stück (rund 42 Euro). Ware mit Bio- oder Freilandsiegel ist das nicht.

Meuro/Wormlage/Ruhland

Dass es auf dem Markt zu wenig Festtagsgeflügel gäbe, wovon in Deutschland zum Teil die Rede ist – davon ist im Nachbarland nichts zu vernehmen. In Polen ist Geflügel kein Muss zu Weihnachten, auch wenn am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag bei mancher Familie inzwischen Ente oder Gans auf den Tisch kommt. Traditionell und obligatorisch sind aber, vor allem am Heiligabend, fleischlose Speisen mit Fisch und Pilzen.

Export polnischer Enten in Rekordhöhen

Die Zahl der in Polen aufgezogenen Enten hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht und – nach einem Rückgang im letzten Jahr wegen des Auftretens der Vogelgrippe – setzt sich diese Entwicklung nun fort, und das sogar „rasant“ laut der nationalen Kammer der Geflügelproduzenten. Bis zu 27 Millionen Enten könnten in diesem Jahr in Polen aufgezogen werden, lautete die Prognose. Während die Epidemie in Europa derzeit so hohe Fallzahlen wie nie verursacht, scheint Polens Geflügel über den Berg: Laut der Weltorganisation für Tiergesundheit ist Polen seit dem 20. November frei von der Vogelgrippe.
Die Situation lässt auch den Export wachsen, obwohl die Kosten für Geflügelbauern schon im Sommer rund 30 Prozent höher als im Vorjahr lagen, etwa wegen teurer werdendem Futter und Energie. Trotzdem haben polnische Landwirte 25.000 Tonnen Entenfleisch im Wert von 89 Millionen Euro laut Finanzministerium zwischen Januar und September exportiert, zumeist in die EU. Das sind 6.000 Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei ist die Hauptverkaufssaison erst im November und Dezember.

Preisgrenze verläuft zwischen Supermärkten und Fachhändlern

In Brandenburger Supermärkten ist Weihnachtsbraten aus Polen bereits im Handel. Allerdings handelt es sich in der Regel um Tiefkühlware. Kaufland hat in dieser Woche bereits „junge polnische Ente“, die rund 2500 Gramm auf die Waage bringt, für Niedrigpreis von 4,44 Euro je Kilogramm im Angebot – der Hälfte des Marktpreises in Słubice. Im Frankfurt (Oder) war die Billigware schon nahezu vergriffen. Auf Freilandhaltung braucht man hier nicht zu hoffen.
Noch zuhauf zu haben waren in jenem Kaufland-Markt am Donnerstag polnische Gänse. Sowohl frisch (Keule 1kg/19,90 Euro) als auch ganze Tiere aus dem Tiefkühlfach. Auch hier ein ungewöhnlich niedriger Kilogrammpreis von 8,49 Euro für eine Vier-Kilo-Gans aus Freilandhaltung – günstiger als die daneben liegenden Gänse aus konventioneller Haltung. Das erklärt sich durch den auf der Verpackung vermerkten Schlachtzeitpunkt, der bereits auf Sommer 2021 datiert. Offenbar ging die Ware im vergangenen Jahr nicht weg. Schlechter als ein in diesem Jahr eingefrorener muss der Braten deswegen nicht unbedingt sein.
Bleibt noch der Vergleich mit einem Braten vom Brandenburger Fachhändler. Bei der Landfleischerei Ranzig in Oder-Spree kann man sich eine „Ente aus eigener Mast“ bestellen, ebenfalls gefroren. Das Stück kostet 18 Euro (Gewicht 2,3 Kilogramm, keine Freilandhaltung) und ist damit ebenfalls vergleichbar mit Preisen in Polen abseits der Supermärkte.

Besonderes Angebot in Słubice

Eigentlich war es eine Notlösung. Im ersten Pandemie-Winter 2020 ließ Brandenburg kurz vor Weihnachten Mitte Dezember den damals erlaubten quarantänefreien „kleinen Grenzverkehr“ verbieten. In nicht wenigen Restaurants von Słubice, der Zwillingsstadt von Frankfurt (Oder) hatten Brandenburger längst die Tische für den ersten oder zweiten Weihnachtstag reserviert.
Um nicht alle Ware zu stornieren und die Verluste einzudämmen, dachte man sich im Restaurant „Villa Casino“ am Frankfurter Platz (Plac Frankfurcie) ein alternatives Angebot aus. Die Kunden bekommen den Entenbraten einfach vorgegart mit nach Hause.
Das Angebot sei so gut angekommen, dass man es beibehielt, auch als Lokal wieder normal öffnen und der Verkehr über die Grenze wieder fließen konnte, sagt die Chefin des „Casino“ Anna Okińczyc.
Wer sich also mit dem Essen machen nicht stressen will oder ohnehin kein Küchenheld ist, kann sich auch in diesem Jahr wieder eine bereits im Ofen gebackene Ente samt Beilage und Anleitung zur Zubereitung vorbestellen. Abholung ist einen Tag vor Heiligabend, am 23. Dezember.
Das Festtagsmenü kostet 250 Złoty bzw. 55 Euro. Die Enten kommen von einem Hof aus der Region Lubuskie, der Braten wiegt um die 2,7 Kilogramm.