Wenn sich endlich regelmäßig die Sonne blicken lässt, sinkt bei den meisten Menschen das Verlangen, sich stundenlang in einer Shoppingmall aufzuhalten. Umso besser, dass es mit der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg eine Einkaufsmeile gibt, die neben einer Menge Geschäfte auch viel Platz zum Schlendern an der frischen Luft bietet.
Die Wilmersdorfer Straße ist Berlins älteste Fußgängerzone. An der Nummer 118 steht zudem auch das älteste Kaufhaus der Stadt: 1906 unter dem Namen „Graff und Heyn” an der Pestalozzistraße gegründet, beherbergt der heute eher schmucklose moderne Bau eine Karstadt-Filiale.

Karstadt soll bald schließen

Doch im kommenden Jahr läuft nun der Mietvertrag aus. Der Eigentümer des Grundstückes will anstelle des Kaufhauses neue Wohn- und Geschäftshäuser bauen. Geballt shoppen kann man aber nur ein paar Schritte weiter in der „Wilma“. Der Name der Passage besteht erst seit 2020, nachdem die ehemaligen Wilmersdorfer Arkaden großflächig umgebaut worden sind.

Fakten zur „Wilma“:

  • Das Einkaufszentrum „Wilma“ hat täglich außer sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet
  • Auf vier Etagen präsentieren sich 90 Fachgeschäfte aus den Bereichen Mode, Technik, Schreibwaren, Dienstleistungen und Gastronomie.
  • Dazu befindensich in der Einkaufspassage Wohnungen, Praxen, Büros und Fitness sowie ein Parkhaus mit rund 300 Stellplätzen.
  • Die genaue Adresse lautet Wilmersdorfer Straße 145/46. Der U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße (U7) liegt nur wenige Meter von den Eingängen entfernt
Unter den rund 90 Geschäften gibt es zwar keine großen Edelboutiquen oder Flagship-Stores, sondern eher die üblichen Marken-Filialen gepaart mit einigen kleineren, teils noch familiengeführten Unternehmen. Die Pallette reicht von Deichmann bis Schuh Bode.
Der Foodbereich im Untergeschoss wurde bei dem Umabu zu einer schicken „Markthalle“ mit coolen Sitzgelegenheiten umgerüstet. Dort gibt es Chicken Curry in der Box, aber auch frische Wraps, Salate und Smoothie bei „Immergrün“. „Cigköftem“ bietet dagegen eine vegane Alternative zur türkischen Hackfleischkreation. Es gibt ein „Burgerzimmer“ und französisches Brot und am Beer Cube frisch Gezapftes.

Shoppen im Halbkreis

Eine architektonische Besonderheit ist, dass die Passage, die auch sonst mit hübschen, bunt verspielten Sitzgelegenheiten ausgestattet wurde, quasi die Form eines Halbkreises hat. Wer am ehemaligen Sinn-Leffers-Haus hinein- und ganz hindurchgeht, kommt nur wenige Meter neben dem ersten Eingang auf der Wilmersdorfer Straße/Ecke Schillerstraße wieder raus.
Das macht sich ganz gut, wenn man nicht nur einkaufen, sondern vielleicht auch noch einen Kaffee oder Aperol Spritz in der Fußgängerzone trinken möchte. Von den Terrassen der Backshops und Cafés und den mit Sonnenschirmen überspannten Gartenmöbeln inmitten der Straße können die Gäste beobachten, wie Halbstarke in Grüppchen von Geschäft zu Geschäft pilgern oder ältere Damen mit Gin-Drinks auf ihre wöchentliche Zusammenkunft anstoßen.
In der Wilmersdorfer Straße in Berlin kann man während des Einkaufsbummels manchmal auch Kunstwerke entdecken.
In der Wilmersdorfer Straße in Berlin kann man während des Einkaufsbummels manchmal auch Kunstwerke entdecken.
© Foto: Maria Neuendorff
Touristen scheinen in der Wilmersdorfer Straße in der Unterzahl. Sie steht noch ein Stück weit für das alte West-Berlin, nicht besonders schick, dafür aber authentisch und irgendwie sympathisch.
Entdeckungen jenseits der neuen Hosen zum Schnäppchenpreis kann man vor allem auch vor den Türen des Einkaufscenters machen. Da sind ganz ansehnliche Bilder, die ein Straßen-Künstler mit Kreide auf den Bordstein gemalt hat. Hier gibt es sogar noch den türkischen Gemüsehändler, der zum Feierabend wie ein Marktschreier das Obst in vollen Tüten für einen schmalen Taler verkauft.

Zahlreiche kleine Geschäfte

Die türkische Bäckerei am U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße gibt dagegen ihre nicht verkauften Backwaren nach Feierabend sogar gratis an Bedürftige ab. So bildet sich vor dem Backshop schnell eine Schlange, während vor Rossman Darth Vader und Co in Kampfmontur und mit Lichtschwertern Werbung für die neue Star-Wars-Serie machen.
Zu den zahlreichen kleinen Einzelhandelsgeschäften gehört auch Rogacki. Das Delikatessengeschäft ist wegen Fischwaren berlinweit bekannt und feiert bald 95-jähriges Firmenjubiläum. Schon die Großeltern des heutigen Besitzers Dietmar Rogacki hatten eine Fischräucherei in Wedding, bevor sie 1932 an die Wilmersdorfer Straße zogen. Der langgestreckte Laden an der Wilmersdorfer Straße 145/46 hat 70 Sorten frischen und lebenden Fisch im Sortiment. Viele Kunden genießen die Lachsforelle mit Blattspinat oder in Kräuterbutter gebratene Garnelenspieße gleich vor Ort in der Schlemmerecke.
Inzwischen gibt es bei „Rogacki“ aber auch Wild, Geflügel, Wurst und Fleisch. Die Einkehr in das Feinkostgeschäft ist für viele Fans der Einkaufmeile Wilmersdorfer Straße obligatorisch. Aber Achtung: anders als die meisten anderen Geschäfte schließt Rogacki um 18 Uhr, sonnabends sogar schon um 14 Uhr.