ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Eingleisige Planung führte ins Leere

Es wird dauern, bis die Strecke Cottbus – Lübbenau zweigleisig und damit zügig befahrbar wird. Aber immerhin: Es gibt einen Plan.
Es wird dauern, bis die Strecke Cottbus – Lübbenau zweigleisig und damit zügig befahrbar wird. Aber immerhin: Es gibt einen Plan. FOTO: mih1
Cottbus. Mehr Pünktlichkeit für Berlin-Pendler aus der Lausitz: Das fehlende zweite Bahngleis zwischen Cottbus und Lübbenau steht diesem Anspruch seit Jahren entgegen. Jetzt schieben Land Brandenburg und Deutsche Bahn zumindest Planungen für den Streckenabschnitt an. Christian Taubert

Die Regionalexpress-Strecke (RE 2) zwischen Cottbus und Berlin hat einen neuzeitlichen Geburtsfehler. Zweigleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus war von den Planern nicht für notwendig gehalten worden. Doch bald nachdem die Strecke Ende 2011 nach anderthalb Jahren Umbau für Tempo 160 freigegeben wurde, begann eine unendliche Geschichte von Zugverspätungen. Pünktlichkeit und Eingleisigkeit - nach Expertenansicht war dies nie unter einen Hut zu bringen.

Dass die 60 Kilometer zweigleisiger Ausbau zwischen Lübbenau und Königs Wusterhausen überhaupt umgesetzt wurden, war strategischen Überlegungen im Ressort des damaligen Brandenburger Verkehrsministers Frank Szymanski (SPD) zu verdanken. Er hatte im September 2006 verfügt, dass das Land in Vorleistung für die Planungskosten gehen werde. Ob und wann jemals gebaut werden würde, stand in den Sternen. Als der Bund dann 2009 Mittel zur Ankurbelung der Konjunktur bereitstellte, konnte Brandenburg fertige Planungen vorlegen. Es flossen schließlich 140 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket des Bundes sowie Eigenmittel von Bahn und Land in das Projekt.

Auf einen ähnlichen Effekt setzt jetzt Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Sie will heute in Lübbenau mit dem Konzernbeauftragten der Deutschen Bahn für Brandenburg Joachim Trettin eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnen. Damit sollen die ersten beiden Planungsphasen des Großprojektes finanziell abgesichert werden. So könnten zunächst bis zum Jahre 2017 Planungen für das zweite Gleis zwischen Cottbus und Lübbenau abgeschlossen werden. Nach einem erfolgreichen Planfeststellungsverfahren gäbe es grünes Licht für das Bauvorhaben.

Wie vor mehr als anderthalb Jahrzehnten kann heute niemand sagen, wann es schließlich einen ersten Spatenstich geben könnte. Zwar hat Brandenburg den Streckenausbau im neuen Bundesverkehrswegeplan (2016-2030) platziert, was die Voraussetzung für die Bereitstellung von Bundesmitteln ist. Welchen Rang das Projekt einnimmt, wird sich erst mit der Veröffentlichung des Planes am 16. März entscheiden.

"Dennoch ist die schon länger angedachte Vorratsplanung ein kluger Schachzug der Ministerin", erklärt der Geschäftsführer der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) Arnulf Schuchmann gegenüber der RUNDSCHAU. Die Odeg fährt den RE 2 und muss sich seit Jahren Vorwürfe wegen der Unpünktlichkeit der Linie gefallen lassen. Schuchmann fügt hinzu: "Auch wenn wir in der Priorität nicht ganz vorn sein sollten - wenn der Bund plötzlich Mittel zur Verfügung hat, wäre Brandenburg bereit."

Für diese Vorgehensweise zollt auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus Wolfgang Krüger der Potsdamer Infrastrukturministerin Respekt. "Sie hat ihr im vergangenen Jahr gegebenes Versprechen eingehalten und geht den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in die Lausitz offensiv an", sagte Krüger. Nach Angaben der IHK würden immerhin täglich 6000 Pendler vom Ausbau der Strecke profitieren.

Zum Thema:
Vor dem Hintergrund einer schnelleren Lösung für einen pünktlichen RE 2 fordert der Fahrgastverband pro Bahn eine Auftrennung der längsten RE-Linie Brandenburgs von Cottbus bis nach Wismar. Brandenburgs Landesregierung müsse darüber mit dem Berliner Senat verhandeln. Zwei überlappende Abschnitte Cottbus - Berlin-Charlottenburg/Spandau und Wismar - Berlin-Ostbahnhof hätten nach "pro Bahn"-Erkenntnissen deutliche Vorteile, führten zu Synergieeffekten und würden Einsparungen an anderer Stelle erlauben. So würde allein der notwendige Schienenersatzverkehr für die stillgelegten Lausitzer Bahnhalte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz jährliche Zusatzkosten von einigen Hunderttausend Euro verschlingen.