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| 17:44 Uhr

Schleichen über die Autobahn
Geisterbaustelle in der Lausitz

Auf Tempo 80 müssen sich Benutzer der Autobahn 15 von Vetschau nach Cottbus-West wohl noch eine Weile einstellen. Auf der Baustelle tut sich gegenwärtig nichts.    
Auf Tempo 80 müssen sich Benutzer der Autobahn 15 von Vetschau nach Cottbus-West wohl noch eine Weile einstellen. Auf der Baustelle tut sich gegenwärtig nichts.   FOTO: Ludwig
Potsdam. Auf der A 15 zwischen Vetschau und Cottbus West gibt es eine Geisterbaustelle. Sie ist komplett eingerichtet, doch seit Wochen ist dort kein Bauarbeiter gesehen worden. Im Verkehrsausschuss des Landtages sagte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD), woran das liegt. Von Benjamin Lassiwe

Lausitzer Autofahrer, die auf der A 15 in Fahrtrichtung Polen von Vetschau nach Cottbus West unterwegs sind, werden sich wohl noch längere Zeit auf Tempo 80 einstellen müssen. Denn während die Baustelle auf der Gegenfahrbahn, also in Richtung Berlin, planmäßig vorankommt, steht in Richtung Polen schon seit mehreren Wochen eine vollständig eingerichtete Geisterbaustelle, auf der kein Arbeiter zu sehen ist. Was nun auch den Potsdamer Landtag beschäftigt: Auf Antrag der Cottbuser SPD-Verkehrsexpertin Kerstin Kircheis musste Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Freitag im zuständigen Fachausschuss Bericht erstatten.

Und die Ministerin wurde dabei deutlich: „Es gibt in der Tat ein Problem in diesem Abschnitt der A 15“, sagte Schneider in der öffentlichen Sitzung. „Die Baustelleneinrichtung ist fertig, und der Auftragnehmer ist seit drei Wochen nicht auf der Baustelle unterwegs.“

Bei dem betreffenden Unternehmen handelt es sich nach Angaben der Ministerin um die Straßen- und Tiefbau Welzow GmbH, die freilich vor wenigen Wochen den Besitzer wechselte. „Wir haben den Auftragnehmer regelmäßig aufgefordert, seine Arbeit aufzunehmen“, sagte Schneider im Ausschuss. Dem sei das Unternehmen aber bislang nicht nachgekommen. Nun richte sich das Ministerium nach der Vergabeordnung: Das Unternehmen werde regelmäßig in Verzug gesetzt. Erst wenn davon auszugehen sei, dass der vorgesehene Fertigstellungstermin nicht mehr zu halten sei, könne man weiter gegen das Unternehmen vorgehen. „Wir müssen die Eskalationsstufen Schritt für Schritt umsetzen, um rechtssicher zu handeln.“

Kircheis und der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke zeigten sich über die Situation an der Lausitzer Geisterbaustelle empört. „Das finden wir alle nicht toll“, sagte Kircheis. „Die Firma kann das offensichtlich nicht.“ Und Genilke sprach sich im Ausschuss für eine Kündigung des Vertrages mit dem Unternehmen, eine Neuausschreibung und einen parallelen Abbau der Baustelle aus. Die geplante Form der Sanierungsarbeiten sei nun einmal anspruchsvoll. „Wir können den Pendlern diese Situation nicht mehr zumuten.“