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| 17:36 Uhr

Forum
Publikum kritisiert Journalismus

Moderatorin Madeleine Petschke diskutierte mit ihren Gästen über die Macht der Sprache: Luciana Ferrando, Oliver Haustein-Tessmer und Vanja Budde (von links).
Moderatorin Madeleine Petschke diskutierte mit ihren Gästen über die Macht der Sprache: Luciana Ferrando, Oliver Haustein-Tessmer und Vanja Budde (von links). FOTO: LR / Rene Wappler
Forst. Eine Diskussionsrunde in Forst zu Berichten über Migration hat die Macht der Sprache beleuchtet. Von Rene Wappler

Kritisch über die Arbeit von Journalisten hat sich das Publikum einer Diskussionsrunde in Forst geäußert. „Am Anfang war das Wort.“ Diesen Titel trug die Veranstaltung, die am Mittwochabend im Kompetenzzentrum in Forst stattfand. Eingeladen hatte dazu die Deutsche Gesellschaft.

Medien sollten berichten und informieren, aber nicht manipulieren und interpretieren. Diesen Anspruch erhob Besucher Frank Mädler. Ihm antwortete Gesprächspartnerin Vanja Budde, die für den Deutschlandfunk arbeitet: „Den Vorwurf, wir würden Propaganda betreiben, möchte ich zurückweisen.“

Allerdings räumte sie ein, dass es dem Journalismus in Deutschland an vielfältigen Perspektiven fehle. Viele Redakteure stammten aus Akademikerfamilien. Eine weitere Gefahr bestehe in der Tatsache, dass Journalisten „zu eurozentristisch“ auf die Welt schauen.

Moderatorin Dr. Madeleine Petschke von der Deutschen Gesellschaft gab zu bedenken: „Worte haben Macht, sie rufen bestimmte Bilder hervor.“ Sie frage sich, ob Journalisten sich dieser Macht bewusst seien – gerade mit Bezug auf die Berichte über Migranten.

Zu ihren Gesprächspartnern zählte neben RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Tessmer die Berliner Journalistin Luciana Ferrando, geboren in Argentinien. Sie schreibt unter anderem für die taz. „Weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist, gehe ich vielleicht bewusster mit Wörtern um“, sagte sie. So überlege sie mehr bei der Frage, welche Sprachbilder sie benutze. Dafür nannte sie Beispiele. Das Wort „Asylsuchende“ treffe den Kern eher als „Asylbewerber“: „Man bewirbt sich ja eigentlich nicht für ein Grundrecht“, erklärte Luciana Ferrando.

Sabine Lindner aus Forst äußerte gegenüber den Gesprächspartnern im Podium Zweifel daran, dass Medien die Realität abbilden, wie ihre Konsumenten sie erleben. „Dinge, die prozentual ein kleiner Anteil sind, werden ständig in den Vordergrund gebracht.“

Im Publikum saß auch Ingrid Ebert aus Forst. „Ich wünsche mir als Leser, Zuschauer und Hörer, dass wir nicht für dumm verkauft werden“, sagte sie. „Erst gab es ganz viele Beiträge für eine tolle Willkommenskultur, und dann kippte der Trend auf einmal in eine ganz andere Richtung, ins Negative.“

Tatsächlich erleben gerade die Einwohner von Cottbus seit einiger Zeit, wie Berichte über Migration einen negativen Kontext erhalten. Das merkte RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Tessmer an. „Als Lokaljournalist hat man einen differenzierteren Blick auf die Dinge“, sagte er. „Wir sind gezwungen, genau hinzuschauen, und stellen dabei fest: Die extremen Klischees treffen alle nicht zu.“ Es gebe in der Lausitz wie in anderen Regionen Beispiele für gelungene und nicht gelungene Integration. „Beides ist Gegenstand einer differenzierten Berichterstattung.“

Bestürzt zeigte sich Vanja Budde vom Deutschlandfunk angesichts des Hasses, der im Internet tobt und sich allmählich in die Alltagskultur einschleicht. „Ich finde es furchtbar, wie die Sprache verroht“, sagte sie. „Rassismus ist wieder salonfähig.“

Darauf erwiderte die Berliner Journalistin Luciana Ferrando: „Die beste Reaktion ist es wohl, so neutral wie möglich zu berichten und Pöbeleien nicht so einen großen Platz einzuräumen.“

Einer der Besucher plädierte unterdessen für eine gewisse Zuversicht. „Heute benutzt kaum noch jemand das Wort ,Asylant´, wie es früher üblich war“, sagte Robert Kochan aus Forst. „Insofern hat sich doch sprachlich etwas positiv entwickelt – auch wenn das manchmal etwas Zeit braucht.“