Der Schlüssel funktioniert nicht mehr, an der Wohnungstür suppt Flüssigkeit herunter. Es könnte sich um die gefährliche Chemikalie Salpetersäure handeln. Seit Dezember versuchen Einbrecher in Berlin und Hamburg Türen aufzuätzen, statt sie herkömmlich zu knacken. In der Hauptstadt hat die Polizei bislang 31 Taten registriert
Salpetersäure (HNO3) sieht farblos aus und riecht beißend. Das Problem: Die Mineralsäure ist stark ätzend und atemwegsreizend – also gefährlich. Bei Hautkontakt können schwer heilende Wunde entstehen. Herkömmliche Handschuhe schützten nicht ausreichend. Je nach Material des Schlosses verfärbt sich der Stoff transparent bis gelb, grün oder bräunlich.
Bislang habe es weder auf Seiten der Geschädigten noch bei den Einsatzkräften Verletzte gegeben. Doch die Polizei warnt vor dieser neuen Einbruchsmasche – ist die Methode denn schon von der Hauptstadt nach Brandenburg geschwappt?

Bei Verdacht auf Salpetersäure – nicht berühren oder einatmen

„Für das Land Brandenburg sind uns dazu bisher keine Sachverhalte bekannt“, gibt Polizeihauptkommissarin Kathrin Schwartz auf Nachfrage dieses Nachrichtenportals Auskunft. Was aber ist zu tun, falls das Türschloss bei der Rückkehr plötzlich verdächtigt aussieht? „Grundsätzlich gilt an allen Tatorten: Veränderungen sind zu vermeiden und die Polizei ist schnellstmöglich zu informieren“, erläutert die Sprecherin.
Die Tür oder die Substanz sollte nicht berührt und möglichst nicht eingeatmet werden. Jene Vorsichtsmaßnahmen würden den Beamten zudem die Spurensicherung erleichtern.

Salpetersäure darf nicht an Privatpersonen verkauft werden

Wie die Einbrecher an Salpetersäure kommen, ist fraglich. Seit 2021 ist der Besitz und die Verwendung von Salpetersäure an Privatpersonen verboten. Der Stoff wird für die Herstellung von Dünger, Sprengstoffen oder Kunststoffen verwendet. Nutzer gelangen an die Säure also nur durch gewerbliche, unternehmerische oder berufliche Tätigkeiten. Wer Salpetersäure erwirbt, muss über einen Ausweis oder eine Genehmigung verfügen.
Doch das Internet ist voll von Anleitungen, wie sich Salpetersäure in Eigenregie herstellen lässt. Ob sich die Mühe und das Risiko für die eigene Gesundheit der Einbrecher lohnt, ist ebenfalls fragwürdig. Die zwei Versuche, die aus Hamburg bekannt sind, blieben laut mehreren Medienberichten erfolglos.