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Einblicke in die Geschichte

Dresden/Potsdam. Prächtige Schlösser und mächtige Kirchen: Im Ringen um Pflege und Erhalt historischer Bauten kann Sachsens Denkmalpflege auf ein starkes öffentliches Bewusstsein vertrauen. "Die eigentlichen Bewahrer sind die Eigentümer: Freistaat, Kommunen, Bürger", sagt Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack mit Blick auf den Tag des offenen Denkmals am Sonntag. Simona Block

"Sie bewahren so den kulturellen Reichtum des Landes, seine Schönheit und damit die unmittelbare haptische Beziehung zur Geschichte." Die Menschen seien sich dieser Werte bewusst und engagierten sich unter anderem in Vereinen dafür.

Sorgen machten aber Regionen, wo die Wirtschaft eingebrochen sei und die Menschen der Arbeit nach- und fortgezogen seien. Viele neue Eigentümer kümmerten sich nicht, erklärt sie mit Blick auf die drei- oder viergeschossigen Spinnmühlen aus dem 18. Jahrhundert im Erzgebirge. Allein die Notsicherung würde fast eine Million Euro kosten. Laut Pohlack sind großartige Industriebauten gefährdet, weil Angebote für die Nutzung fehlen. Unter dem Motto "Macht und Pracht" macht der Tag des offenen Denkmals 2017 nicht nur auf prächtige Schlösser, mächtige Kirchen und reich geschmückte Barock- und Renaissancehäuser aufmerksam, sondern auch auf Zeugnisse der Macht wie Kasernen sowie kleine Prachtobjekte. "Auch die kleine Dorfkirche gehört dazu, das ist Prachtenfaltung zum Lobe des Herrn, wo jeder teilhaben konnte", sagt Pohlack. Deren Erhaltung sei denen zu danken, die ihre Kirche im Dorf bewahrt sehen wollten, "auch wenn sie nicht jeden Tag hingehen".

Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit organisiert. In Sachsen sind mehr als 800 Stätten zugänglich: von Schloss Batzdorf bei Meißen über das Waldschlösschen oder den Kulturpalast aus DDR-Zeiten in Dresden bis zum kürzlich aus dem Dornröschenschlaf erweckte "Forellenhaus" in Görlitz.

Auch in Brandenburg sind Dutzende Objekte zu besichtigen, viele davon sind sonst der Öffentlichkeit verschlossen. So öffnen das Staatstheater und das Landgericht in Cottbus, das Schloss in Lieberose, die Bockwindmühle in Trebbus, die Dorfkirche in Frankena, das Alte Pfarrhaus in Groß Döbbern und viele andere.

Zum Thema:
An sechs Vereine, Kommunen, Kirchengemeinden und ehrenamtliche Denkmalschützer sind am Freitag Brandenburgische Denkmalpflegepreise vergeben worden. Geehrt wurden mit 5000 Euro die Peitzer Edelfisch Handelsgesellschaft und die Stadt Peitz. Gemeinsam hatten sie das einstige königliche Eisenhütten- und Hammerwerk saniert, wie das Wissenschaftsministerium mitteilte. Ebenfalls 5000 Euro gingen an die Archäologische Gesellschaft Berlin und Brandenburg für ihr Engagement in der Bodendenkmalpflege. Die Kirchengemeinde Rogäsen (Potsdam-Mittelmark) erhielt den Preis für ihren Einsatz zur Sicherung der ehemaligen Kirchenruine im Ort.