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Berufsorientierung
Ein Win-Win-Projekt für Lausitzer Unternehmen und Studierende

Die BTU-Studierende Santana Linge (M.) erhält über das Projekt Job-Shadowing in der Medizintechnik und Sanitätshaus Kröger GmbH in Finsterwalde Einblick in das Unternehmen und lernt Berufsbilder kennen.
Die BTU-Studierende Santana Linge (M.) erhält über das Projekt Job-Shadowing in der Medizintechnik und Sanitätshaus Kröger GmbH in Finsterwalde Einblick in das Unternehmen und lernt Berufsbilder kennen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. „Demografie-Beispiel des Monats“: Einmaliges Projekt der Brandenburgischen Technischen Universität hilft Studierenden bei der Berufsorientierung. Von Christian Taubert

Dieses Projekt ist bisher einmalig in Brandenburg. Dazu gilt es als neues Format jener Universität im Land, die sich neu gegründet hat und im Prozess der Neuorientierung den Studierenden jetzt das „Job Shadowing“ anbietet. Was sich hinter der Offerte der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg verbirgt, ist ein Angebot zur Berufsorientierung und zur Fachkräftegewinnung.

„Das ist eine großartige Idee“, bewertete Brandenburgs Staatskanzleichef Thomas Kralinski (SPD) das Projekt, das sich einreiht in die bisher geehrten „Demografie-Beispiele des Monats“ im Land. „Job Shadowing hilft, hochqualifizierte Nachwuchskräfte in der Region zu halten. Es ist ein klassisches Win-Win-Projekt, da sowohl Studierende als auch Unternehmen profitieren.“ Denn die jungen Leute könnten sich unkompliziert und mit wenig Zeitaufwand an einem Schnuppertag in Unternehmen der Region darüber informieren, „welche guten beruflichen Chancen es in Brandenburg gibt, und ob der Job zu ihnen passt“.

Die BTU hat dafür bisher zwölf Unternehmen gewonnen, die den jungen Leuten bei der Berufsorientierung helfen, indem der Studienanfänger einen Tag lang einen Kollegen vor Ort begleitet. BTU-Vizepräsident Prof. Matthias Koziol verdeutlicht am Donnerstag vor der Preisübergabe, dass das neue Format keine Eintagsfliege ist. Innerhalb des einjährigen Vorstudiums im College, das in Koziols Verantwortung liegt, gehöre das Job-Shadowing fest zur Orientierungsphase.

Notwendig und hilfreich sei dies, „weil immer mehr und jüngere Studienanfänger keine Vorstellung davon haben, was sie genau studieren wollen und was sie später damit anfangen können“.

Die Finsterwalderin Julia Warsönke bestätigt die Einschätzung, dass sich während des Abiturs die wenigsten konkrete Gedanken machen, wohin das Studieren einmal führen soll. „Ich kam mit der Vorstellung an die BTU, dass Ressourcenmanagement etwas für mich sein könnte.“ Dann habe sie das Angebot des Job-Shadowing genutzt und Mitarbeiter beim Biotechnologie-Unternehmen Attomol in Bronkow und beim Lebenshilfe e.V. in Finsterwalde einen Tag lang begleitet. „Jetzt weiß ich zumindest, dass ich im Beruf den unmittelbaren Kontakt zu Menschen haben möchte“, sagt die Studienanfängerin.

Bei der Medizintechnik und Sanitätshaus Kröger GmbH in Finsterwalde hat Santana Linge dagegen eine Physiotherapeutin einen Tag lang begleitet. Das Unternehmen mit 13 Filialen ist seit Jahren auf Wachstumskurs. „Wir stellen pro Jahr zehn bis 15 neue Mitarbeiter ein“, sagt Prokurist Michael Städter. Das Schnupperangebot mit den Studierenden komme vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels gerade recht. „Toll, dass es die BTU gibt“, verweist Städter auf langjährige Kontakte zur Lausitzer Uni.

Dass dieses Projekt „Demografie-Beispiel“ ist, liegt auf der Hand: Auch Studierende von außerhalb  sollen vor dem Hintergrund des Bevölkerungsrückgangs zum Hierbleiben angeregt werden. So reiht sich Job-Shadowing im Internetauftritt „Marktplatz der Möglichkeiten“ unter www.demografie.brandenburg.de in die Liste der Geehrten ein. Im Februar war übrigens die RUNDSCHAU für ihr breitgefächertes Angebot zur Berufsorientierung unter der Dachmarke „PLANBAR“ ausgezeichnet worden.