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| 03:04 Uhr

Ein Sieg, eine Lüge und ein neuer Verdacht

Cottbus. Am Samstag gewann der Spitzenathlet der Cottbuser Kickboxer, Mario Schulze, den EM-Titel. Seine Karriere steht trotzdem auf dem Spiel. Denn mit Kontakten ins rechtsextreme Milieu hat er keinen reinen Tisch gemacht. Simone Wendler

Als das Kickbox-Team Cottbus (KBTC) am Freitagnachmittag zur Pressekonferenz bat, hätte noch alles ein gutes Ende nehmen können. Mario Schulze, Spitzenkämpfer des Vereins hätte reinen Tisch machen können. Er hätte sagen können, dass er falsche Freunde hatte, die längst nicht mehr seine Freunde seien. Dass der Strafbefehl wegen Volksverhetzung, den er bekommen hat, ihm ein deutliches Warnzeichen war. Doch Mario Schulze entschied sich für eine andere Geschichte und sein Verein folgte ihm ohne Zögern.

Es geht um die Flugreise von 18 Lausitzern im Mai 2011 vom Flughafen in Dresden nach Mallorca. Sie trugen bei der Ausreise T-Shirts mit einer Aufschrift, die den Trip zur "Hitler-Gedenkfahrt" machte. Bei ihrer Rückkehr wurden die Hemden beschlagnahmt. Alle erhielten Strafbefehle wegen Volksverhetzung, darunter Schulze und der Ende 2011 aus dem Kickbox-Team ausgeschlossene Markus W.

"Dieses T-Shirt hatte ich definitiv nie an", sagte Schulze öffentlich am Freitag auf der Pressekonferenz des Vereins. Und KBTC-Vorsitzende Steve Beier versicherte, dass der Verein ihm das auch glaubt: "Wir vertrauen Mario Schulze weiter und Sie können das auch."

Jan Hille, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dresden, sieht das ganz anders: "Aus dem Strafbefehl ergibt sich klar, dass er das Hemd getragen hat." Nach RUNDSCHAU-Recherchen war die Gruppe durch ihre Hemden der Bundespolizei auf dem Dresdener Flughafen aufgefallen. Die Beamten beobachteten sie, bis sie sicher waren, dass diese Shirts strafbaren Inhaltes waren. Dann stellten sie von allen Hemdträgern die Personalien fest, ließen sie aber in den Flieger steigen. Bei der Rückreise wurden die Hemden aus den Koffern heraus beschlagnahmt.

Für eine Verurteilung wegen Volksverhetzung reichte das Tragen auf dem Hinflug. Laut Strafgesetzbuch sei es jedoch zwingend notwendig, so Staatsanwalt Hille, dass die Tat in der Öffentlichkeit begangen wird. Das bedeutet, wer so ein Hemd besitzt, aber nicht öffentlich zeigt, kann nicht belangt werden.

Vom KBTC wollte sich gestern gegenüber der RUNDSCHAU niemand zu der offensichtlich falschen Aussage von Schulze äußern. Für Tobias Schick, Chef des Stadt-Sportbundes steht jedoch fest, dass Handlungsbedarf besteht: "Wenn er gelogen hat, ist er als sportliches Vorbild nicht mehr tragbar." Auf so einen Vorwurf müsse man ehrlich und lückenlos antworten.

Das Kickbox-Team Cottbus, das mit dem Boxklub Cottbus kooperiert und viel Kinder- und Jugendarbeit leistet, gerät trotz öffentlicher Distanzierung von Rassismus und Rechtsextremismus immer mehr in den Verdacht, Verbindungen und Verstrickungen in den braunen Sumpf nicht konsequent Einhalt zu gebieten. Nach RUNDSCHAU-Recherchen gibt es einen weiteren Sportler im Team, der in den vergangenen Jahren rechtsextreme Veranstaltungen besuchte.

Auch Mario Schulze hielt sich nach der Mallorca-Fahrt offensichtlich nicht von diesem Milieu fern. Im Sommer 2011 besuchte er eine Geburtstagsfeier von Markus W., die von der Polizei aufgelöst wurde, nachdem sich Anwohner über Neonazimusik beschwert hatten. Die Party im Spree-Neiße-Kreis wird im Brandenburger Verfassungsschutzbericht 2011 erwähnt. Beim kürzlich erfolgten Verbot des Neonazi-Netzwerkes um die "Spreelichter" wurde auch bei Markus W. durchsucht. Seine guten Kontakte in das Kickboxteam sollen bis heute nicht abgerissen sein.