| 02:40 Uhr

Ein Rentier und zwei Elche

Es ist ein wichtiger Tagesordnungspunkt in jeder Plenarsitzung des Landtags: die Fragestunde. An jedem Plenartag können die Abgeordneten die Minister direkt in die Zwickmühle nehmen und alle Dinge loswerden, die ihren Wahlkreis, ihre Wähler, Interessengruppen und vielleicht sogar sie selbst bewegen. iwe1

Die Qualität der Anfragen ist durchaus verschieden. Doch egal, was die Abgeordneten fragen: Die Regierung ist zur Antwort verpflichtet.

So auch am letzten Mittwoch. Da gab es in der Fragestunde zum Beispiel Fragen zum Bahnwerk in Wittenberge, zum Tierschutzplan des Landes oder zur Ambrosia-Bekämpfung an den Landstraßen. Oder, ein Dauerthema in der Fragestunde, zur illegalen Besetzung einiger Ausschüsse in der Stadtverordnetenversammlung von Liebenwalde. Und es fragte der Abgeordnete Steffen Königer (AfD). Er erkundigte sich nach der amerikanischen Auszehrkrankheit. Sie sei mittlerweile auch in Europa angekommen. Er wolle deswegen wissen, was die Landesregierung dagegen unternehmen wolle. Die Antwort von Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig indes war trocken. Knochentrocken, um genau zu sein. "Diese Krankheit wurde kürzlich in Norwegen bei einem wildlebenden Rentier und zwei Elchen festgestellt", sagte Ludwig, nicht ohne die Zahlwörter "einem" und "zwei" besonders zu betonen. "Als wahrscheinliche Einschleppungsursache wird die Einfuhr von unbehandeltem Urin aus den USA und Kanada als Jagdköder angesehen." Spätestens an dieser Stelle verzeichnete das Parlamentsprotokoll "Gelächter im ganzen Haus".

Aber was nun macht die Landesregierung? "Die Grenzkontrolle in Schönefeld führt seitdem verstärkte Kontrollen durch", antwortete Ludwig. "Und die Fachabteilung im Landwirtschaftsministerium wurde informiert." Denn auch wenn es nur um ein Rentier und zwei Elche geht: Die Fragen der Fragestunde muss die Landesregierung stets beantworten.