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| 19:11 Uhr

Brandenburg
Wenn der Förster nicht mehr mithilft

 Waldbesitzer mit mehr als zehn Hektar bleiben künftig auf sich allein gestellt. Brandenburgs Landesforstbetrieb will für sie künftig keine Dienstleistungen mehr anbieten.
Waldbesitzer mit mehr als zehn Hektar bleiben künftig auf sich allein gestellt. Brandenburgs Landesforstbetrieb will für sie künftig keine Dienstleistungen mehr anbieten. FOTO: ZB / Christian Pörschmann
Potsdam. Ein neuer Erlass des Potsdamer Agrarministeriums sorgt bei Forstleuten für Ärger. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Landesforstbetrieb will künftig keine Dienstleistungen mehr für Waldbesitzer anbieten, deren Waldbesitz größer als zehn Hektar ist. Die Existenz eines entsprechenden Erlasses des Potsdamer Landwirtschafts- und Umweltministeriums bestätigte am Freitag der zuständige Referatsleiter Carsten Leßner gegenüber der RUNDSCHAU.

Zuvor hatte der Bund deutscher Forstleute (BDF), die Gewerkschaft der Beschäftigten des Landesforstes, diesen Erlass scharf kritisiert. „Es ist ein in der Bundesrepublik einmaliger Vorgang, Waldbesitzer in dieser katastrophalen Situation bei der Waldbewirtschaftung allein zu lassen“, erklärte der BDF-Vorsitzende Uwe Engelmann. „Untersuchungen haben gezeigt, dass Waldbesitzer gerade den staatlichen Forstleuten vertrauen, wenn es um die Bewirtschaftung ihrer Wälder geht, denn diese haben neben der hohen fachlichen Qualifikation keinerlei wirtschaftliche Eigeninteressen.“ Doch zumindest zwischen den Zeilen wird auch deutlich, dass hier eigentlich ein anderer Streit tobt: Die Frage nach dem Personalbestand des Landesforstbetriebs. Denn die Gewerkschaft wirft dem Ministerium vor, statt unbesetzte Stellen beim Landesforstbetrieb zu besetzen, dessen Aufgaben zu reduzieren.

Dagegen betonte Leßner, die Forstleute hätten schon häufiger auf Überlastung und einen zu hohen Krankenstand hingewiesen. Man habe deswegen eine Aufgabenkritik durchgeführt. Im Bereich der Forst gäbe es zwei Aufgaben, die das Land freiwillig mache: Die Waldpädagogik, die im aktuellen Doppelhaushalt abgesichert wurde, und die Dienstleistungen für Privatwaldbesitzer. „Dabei geht es nicht um die fachliche Beratung, die wird es weiterhin geben“, sagte Leßner der RUNDSCHAU. „Es geht um das Striche machen an Bäumen, den Verkauf des Holzes oder die Wirtschaftsplanung bei Betrieben, die mehr als zehn Hektar Fläche haben.“ Dies müssten manche Privatwaldbesitzer künftig selbst oder zusammen mit anderen tun. Die Neuregelung betreffe aber nur rund 6300 der 100 000 Brandenburger Waldbesitzer. „Diese Betriebe haben ohnehin eine Größe, wo sie entweder eigenes Personal einstellen können oder sich zusammenschließen können.“

Die von dem Erlass betroffenen Privatwaldbesitzer sehen ihn deswegen auch nicht so kritisch wie die Gewerkschaft. Der Vorsitzende des Waldbauernverbands Brandenburg, Enno Rosenthal, sagte auf Nachfrage der RUNDSCHAU, man sei dem Ministerium sogar „ausdrücklich dankbar“ für den Erlass. „Dadurch werden die Aufgaben für die Hoheitsförstereien eindeutig geregelt“, sagt Rosenthal. Bislang habe es eine Vermischung aus Beratung, Forstaufsicht und Dienstleistungen gegeben. „Die Förster hatten sehr viel damit zu tun, ihre Dienstleistungen an den Mann zu bringen – das ging vielerorts auf Kosten der Beratung.“ Der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes, Thomas Weber, erklärte der RUNDSCHAU, man stehe dem Erlass nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sehe aber noch Gesprächsbedarf. „Wir müssen vermeiden, dass Waldbesitzer in der Luft hängen und jetzt gar nichts mehr haben“, sagte Weber. Im vergangenen Jahr habe man aber erfolgreich erreicht, dass auch die Waldpflege bei der Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse berücksichtigt wird.

Dagegen werfen Waldbesitzer aus dem Kreis Potsdam-Mittelmark der Landesregierung in einer Petition, die der RUNDSCHAU vorliegt, vor, der Erlass sei „weder forstfachlich, wirtschaftlich noch politisch begründbar“. „Es sollte nach all den kläglichen Versuchen in der ablaufenden Legislaturperiode dem künftigen Landtag vorbehalten bleiben, den LFB über eine Aufgabenkritik zu evaluieren und mit ausreichendem Personal nachhaltig auszustatten.“

 Ministeriums-Referatsleiter Carsten Leßner bestätigte die Existenz des Erlasses.
Ministeriums-Referatsleiter Carsten Leßner bestätigte die Existenz des Erlasses. FOTO: Carsten Leßner / privat