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| 15:23 Uhr

Jahresvorschau
Ein Musenhof auch für die Gegenwart

 Gehören ins Rheinsberger Programm: Violinisten im Schlosspark.
Gehören ins Rheinsberger Programm: Violinisten im Schlosspark. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Rheinsberg/Berlin. Die Musikkultur Rheinsberg will das Schloss in diesem Festivaljahr mit einem vielfältigen Programm in Szene setzen. Von Boris Kruse

Für Friedrich II. war es der Ort, in dem er als junger Ehemann glückliche Jahre verbracht und viele seiner Flötenwerke komponiert hat. Friedrichs jüngerer Bruder Wilhelm etablierte sich dort als Förderer der Kunst und ließ einen prunkvollen Park anlegen. Und Goethe ist angeblich auch mal vorbeigehuscht: Schloss Rheinsberg war ein ungewöhnlicher Hof, weil dort ein Freidenkergeist und eine Kunstliebe gelebt worden sind, die andernorts in Preußen kaum denkbar waren.

Die Macher der Musikkultur Rheinsberg gGmbh um den neuen künstlerischen Direktor Georg Quander wollen das Schloss am Grienericksee nun als Musenhof des 18. Jahrhunderts wie auch der Gegenwart in Szene setzen. Die Programmhefte für den Festivalsommer sowie für die neu konzipierten Osterfestspiele sind gedruckt; sie bündeln in der Tat breit gefächerte Angebote. Denn, so Quander bei der Präsentation in Berlin: Man wolle „nicht in sklavischer Weise“ das spielen, was zur Zeit Friedrichs des Großen aktuell gewesen sei.

Georg Quander (68) ist selbst Bühnenregisseur und nach Jahren als Intendant der Berliner Staatsoper sowie als Kulturdezernent der Stadt Köln ein gut vernetztes Schwergewicht des Kulturmanagements.

Die selbst gestellte Aufgabe hat Quander wie folgt gelöst: Für die Osterzeit hat er verschiedene Stoffe unter dem Motto „Der ferne Geliebte“ gebündelt. Zum Beispiel ein Gastspiel aus Berlin in Form des Stückes „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ von Peter Hacks. Die Geschichte von der Liebschaft zwischen dem jungen Goethe und der selbstbewussten Charlotte von Stein läuft in dieser Inszenierung von Regisseurin Johanna Schall seit drei Jahren am Renaissance Theater.

Von einer extremen Abwesenheitserfahrung zweier Liebender handelt auch Joseph Haydns Oper „L’isola disabitata“ von 1779, in der die junge Constanza mit ihrer noch jüngeren Schwester auf einer einsamen Insel strandet und jahrelang auf ihren Gemahl wartet. Für diese Aufführung wurde die Lautten Compagney aus Berlin verpflichtet; ein Ensemble, das zu den herausragenden Vertretern der historischen Aufführungspraxis gehört. Wolfgang Katscher, Leiter der Lautten Compagney, freut sich auch auf weitere Rheinsberg-Abende mit Klavierkonzerten von Carl Philipp Emanuel Bach. Während die Compagney auf historischen Instrumenten spielt, schwört der dazu geladene Pianist Michael Rische auf einen modernen Flügel. Laut Katscher lässt sich so untersuchen, „ob es die Menschen oder die Instrumente sind“, die das Besondere der historischen Aufführungspraxis ausmachen.

Mitte Juni beginnt dann wieder der „Festivalsommer“. Ein Höhepunkt der Aufführungen im Schlosshof: Am 22. Juni wird die neue Oper „Sybil, Es und Butler“ (Musik: Aurélien Bello, Libretto: Claudia Prietzel und Peter Henning) uraufgeführt. Kenner kommen beim Komponistenporträt zu Friedrich von Flotow (1812–1883) auf ihre Kosten. In der ersten Augusthälfte gibt es so etwa eine familientaugliche Inszenierung von Flotows Oper „Martha oder Der zerbrochene Spiegel“, an der Solisten der Kammeroper und die Junge Kammerphilharmonie mitwirken.

Zum Programm: Osterfestspiele 19. - 28. April, Festivalsommer 18. Juni–17. August; Schloss Rheinsberg, www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de