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"Ein dicker Fisch"

Der Großeinsatz von Polizei und Zoll in Berlin und Craiova hat sich gelohnt, mutmaßliche Diebe wurden geschnappt.
Der Großeinsatz von Polizei und Zoll in Berlin und Craiova hat sich gelohnt, mutmaßliche Diebe wurden geschnappt. FOTO: dpa
Berlin. Dreist, organisiert und schnell: Immer öfter gehen Taschendiebe in Berlin auf Beutezug. Nun ist einigen Verdächtigen das Handwerk gelegt worden. Ermittler in Berlin und Rumänien wollen nicht nachlassen. Jutta Schütz

Im dichten Gedränge in Bahnhöfen oder auf Rolltreppen schlagen Taschendiebe in Berlin besonders gern zu. Einer lenkt das Opfer ab, der nächste greift sich das Portemonnaie - und weg sind sie. Nun haben die Ermittler zugeschlagen. Am Donnerstagmorgen in Berlin und schon in der Nacht im rumänischen Craiova rückten Polizisten zu groß angelegten Razzien aus und fassten Teile einer mutmaßlich international agierenden Bande.

Die Beschuldigten im Alter zwischen 18 und 45 Jahren sollen aus der Stadt im Südwesten Rumäniens stammen. In Craiova und Umgebung stürmten maskierte Polizisten mit Taschenlampen mehrere Häuser und stellten Verdächtige. "Eine ganz ausgezeichnete Zusammenarbeit" sei das gewesen, lobte die Bundespolizei in Berlin die rumänischen Kollegen. Ermittlungserfolge sind bei diesem Delikt nicht allzu häufig. Die Aufklärungsquote bei Taschendiebstahl lag in Berlin im Vorjahr bei gerade mal 4,2 Prozent. Nun wurden elf Haftbefehle vollstreckt, nach sechs weiteren Verdächtigen wird noch gefahndet.

In dem Berliner Verfahren, das seit rund einem Jahr läuft, wurden 44 Beschuldigte ermittelt. 200 Taten werden ihnen zur Last gelegt. Das erbeutete Geld sei direkt nach Rumänien transferiert worden. Die Bundespolizei nannte 150 000 Euro, die rumänischen Behörden sprachen sogar von 225 000 Euro.

"Ein dicker Fisch" sei das, freute sich ein Beamter nach der Razzia in Berlin. Es komme nicht oft vor, dass Taschendiebe auch in Untersuchungshaft landeten. Hier sei eine organisierte Tätergruppe zerschlagen worden. Und der Präsident der Berliner Bundespolizeidirektion, Thomas Striethörster, kündigte entschlossen an: "Wir werden auch zukünftig gegen diese Banden vorgehen."

In Berlin stöhnen Ermittler seit Langem unter der drastischen Zunahme von Taschendiebstählen. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in der Hauptstadt 40 399 solcher Delikte - ein Viertel mehr als 2014. Erst vor wenigen Tagen hatte die Ankündigung der Polizei, bei Taschendiebstahl nur noch bei Aussicht auf Erfolg zu ermitteln, für Aufregung gesorgt. Es klang wie eine Kapitulation. Im Internet präsentiert die Hauptstadt-Polizei eine Warnung vor Taschendieben und listet dort vom Abdeck-Trick bis Taschenträger-Trick allein 23 Maschen der Kriminellen auf. Berlins Bundespolizeichef Striethörster verwies noch auf einen anderen Aspekt der Taschendiebstähle: Nicht nur jedes einzelne Opfer werde geschädigt, sondern auch der Ruf Berlins als attraktives Tourismusziel. Der Fokus müsse auf die Hintermänner von Banden gelegt werden.

Bisher haben Strafen Kriminelle offensichtlich nicht abgeschreckt. Im bislang europaweit größten Verfahren gegen organisierten Taschendiebstahl waren im Juni in Berlin erstmals Drahtzieher verurteilt worden. Das Landgericht verhängte gegen einen 41-Jährigen drei Jahre und sechs Monate Gefängnis, seine 42-jährige Ehefrau bekam zweieinhalb Jahre Haft. Junge Diebe - darunter eigene Kinder - wurden laut Urteil als Teams nach Berlin zum Stehlen geschickt.