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| 18:21 Uhr

Bestattungsgesetz
Ein Diamant statt eines Urnengrabes?

Im Brandenburger Landtag kontrovers diskutiert: Ein Diamant, der aus der Asche einer Verstorbenen gepresst wurde.
Im Brandenburger Landtag kontrovers diskutiert: Ein Diamant, der aus der Asche einer Verstorbenen gepresst wurde. FOTO: Bernd Schoelzchen
Potsdam. Der Innenausschuss des Potsdamer Landtags diskutiert über die Neufassung des Brandenburger Bestattungsgesetzes. Von Benjamin Lassiwe

Kann aus dem verstorbenen Opa künftig ein Erinnerungsdiamant werden? Und was passiert eigentlich mit Kindern, die in einem Brandenburger Krankenhaus nur tot zur Welt kamen? Solche Fragen standen am Donnerstag im Mittelpunkt einer Anhörung des Innenausschusses des Potsdamer Landtags. Denn dort stand die geplante Novelle des Bestattungsgesetzes auf der Tagesordnung. Sie soll erlauben, dass etwa nach dem Tod eines Menschen Teile seiner Asche der Urne entnommen und zu einem Kristall verpresst werden dürfen, wenn der Betreffende das vorher verfügt hat.

„Wir müssen sehen, dass unsere Gesellschaft im Wandel ist, und sich damit auch die Totenkultur wandelt“, sagte Thomas Golinowski vom Brandenburger Städte- und Gemeindebund. „Ich denke, dass ein Erinnerungskristall auch eine Möglichkeit ist, an den Verstorbenen zu denken.“ Widerstand gegen diese Vorschläge kam schon wie in den vergangenen Wochen vor allem von den beiden großen Kirchen. „Eine verstorbene Person kann ebenso wie die lebende Person nicht Eigentum eines Anderen sein“, sagte der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Martin Vogel. „Hier nehmen Angehörige menschliche Überreste in Besitz und führen sie einer Versachlichung zu.“ Damit würde der Kommerzialisierung des verstorbenen Menschen Tür und Tor geöffnet.

„Am Grab kann jede Person eines Verstorbenen gedenken“, sagte auch die Leiterin des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg, Martina Köppen. Die Diamantbestattung reduziere dies auf die Besitzer der Diamanten. „Das auf eine Person zu verengen, ist aus unserer Sicht völlig falsch.“

Die CDU-Abgeordneten Raik Nowka und Sven Petke schlugen vor, schon zu Lebzeiten eines Menschen etwa aus Haaren Kristalle zu züchten. Damit hätte sich das Problem schon vor Eintreten des Todes gelöst.

Diskutiert wurde auch über die Frage, ob es im Gesetz eine Bestattungspflicht für Fehl- und Totgeburten unabhängig von deren Gewicht geben soll. Der Entwurf der rot-roten Landesregierung sieht eine Bestattungspflicht erst ab einem Geburtsgewicht von 1000 Gramm vor. Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ursula Nonnemacher, verwies in der Anhörung darauf, dass es heute medizinisch durchaus möglich ist, dass Frühgeborene mit einem Gewicht von weit unter 1000 Gramm ihre Geburt überleben. Gleichzeitig müsse man aber die Frage stellen, was mit Abgetriebenen oder im Falle von künstlicher Befruchtung entstandenen überzähligen Embryonen geschehen soll.

„Im Fall von Totgeburten empfinden trauernde Eltern den Verlust ihres Kindes als abgrundtiefe Katastrophe, der sich jede Qualifizierung entzieht“, sagte dagegen Martin Vogel. „Die Kirche fordert die Einführung einer Bestattungspflicht unabhängig von der Grammzahl.“

Köppen erklärte, „dass eine würdige Art der Trauer und eine würdige Art des Abschieds dem Menschen in seinem weiteren Leben ein würdevolles Gedenken an den Verstorbenen ermöglicht.“ Deswegen würde man es sehr begrüßen, wenn auch für Tot- und Fehlgeborene eine Pflicht zur Bestattung bestehe. „In konfessionellen Krankenhäusern wird jedes Tot- und Fehlgeborene bestattet“, sagte Köppen. Auch immer mehr staatliche Krankenhäuser folgten dieser Praxis. „Und oftmals kommen die Menschen noch Monate später und fragen: Bitte, wo liegt mein Kind?“

Ein Thema beim Bestattungsgesetz war schließlich auch die Pflicht zur Leichenschau. Torsten Reinhold vom Landesverband der Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes in Brandenburg machte darauf aufmerksam, dass es Notärzten schwerfalle, einen Totenschein auszufüllen, wenn sie nach dem Todesfall zu einem weiteren Einsatz alarmiert werden. „Wenn wir mit einem Hubschrauber unterwegs sind, können wir danach nicht zur Leichenschau zurückkehren“, sagte Reinhold. Denn Piloten von Rettungshubschraubern dürften Außenlandungen nur bei Gefahr für Leib und Leben eines Menschen durchführen. Wenn der Patient bereits verstorben sei, ginge das nicht mehr. Hier müsse es künftig bessere Regeln im Gesetz geben.