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| 02:41 Uhr

Ein bisschen rot

Der Vogel des Anstoßes: der weiße Architekten-Adler.
Der Vogel des Anstoßes: der weiße Architekten-Adler. FOTO: dpa
Potsdam. Brandenburgs Adlerfreunde können aufatmen: Am Redepult des Plenarsaals im Brandenburger Landtagsgebäude wird es künftig einen stilisierten roten Adler geben. Der von Architekt Peter Kulka entworfene weiße Adler, der bislang an der Stirnseite des Sitzungssaales hängt, wird dagegen aus dem Plenarsaal entfernt. Benjamin Lassiwe

Damit stimmten die Landtagsabgeordneten fraktionsübergreifend und mehrheitlich einem vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Ness eingebrachten Kompromissvorschlag zu, der den seit Monaten andauernden, teils bizarren Streit um die Farbe des Adlers im Plenarsaal beenden sollte.

Einen Antrag der CDU, das originale Wappentier des Landes an der Stirnwand anzubringen, unterstützten dagegen nur 22 Abgeordnete. "Ein Wappen ist kein Kunstwerk", hatte die CDU-Abgeordnete Beate Blechinger zuvor für diesen Antrag geworben. Der Brandenburger Adler sei von der Verfassung geschützt und sollte einen "hervorragenden Platz" im Landtag erhalten. Und der FDP-Landesvorsitzende Gregor Beyer wetterte lautstark gegen das "kleine, knallrote Vögelchen" des Kompromissvorschlags. "Seine Fahne trägt man, und wenn es das Schicksal will, dann fällt man auch darunter", sagte Beyer. "Aber niemals stellt man seine Fahne zur Disposition - das geht gar nicht."

Ness allerdings warnte vor rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Architekten, sollte das Parlament den Vorschlag der CDU annehmen. Und der Linken-Abgeordnete Thomas Domres machte deutlich, dass seine Fraktion zwar eigentlich für den weißen Adler sei, um des lieben Friedens willen aber dem Kompromiss zustimmen wolle. Von Frieden allerdings war der Landtag weit entfernt: Gleich mehrere CDU-Abgeordnete verwandelten mit Kurzinterventionen den Plenarsaal in ein weiß-rotes Bierzelt. "Sie machen deutlich, dass Geschichte und Heimat Dinge sind, mit denen Sie nichts anfangen können", donnerte etwa Dieter Dombrowski - und erinnerte Rot-Rot daran, dass es die SED gewesen sei, "die dieses Schloss gesprengt hat."

Doch es gab auch Freunde des weißen Kulka-Adlers: Etwa Marie-Luise von Halem (Grüne), die den weißen Adler als "Tüpfelchen auf dem i" des Landtags bezeichnete. Am Ende aber war es der fraktionslose Abgeordnete Gerd-Rüdiger Hoffmann, der die wichtigsten Worte der Debatte fand: "Das einzig Gute ist, dass wir das Thema nicht weiter in den Wahlkampf hineintragen", sagte Hoffmann. "So kann sich das Land Brandenburg nicht weiter blamieren."