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| 11:45 Uhr

Nach Gesetzesänderung
Ehe für alle: Kein Ansturm auf Lausitzer Standesämter

Hochzeitstorte bei der „Ehe für alle“: Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen in Deutschland auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die Öffnung der Ehe wird in der Lausitz jedoch nur zurückhaltend angenommen.
Hochzeitstorte bei der „Ehe für alle“: Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen in Deutschland auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die Öffnung der Ehe wird in der Lausitz jedoch nur zurückhaltend angenommen. FOTO: Britta Pedersen / dpa
Lausitz. Südbrandenburger Paare reagieren im Vergleich verhalten auf die Eheöffnung. Doch es gibt auch schon einige Terminreservierungen für dieses Jahr. Von Daniel Friedrich

Ein halbes Jahr nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wird von dem neuen Recht in der Lausitz bislang nur zurückhaltend Gebrauch gemacht. Das ergibt eine Umfrage der RUNDSCHAU bei den Standesämtern der Region.

So wurden seit dem 1. Oktober 2017 unter anderen in Lübben drei Ehen und in Lübbenau/Vetschau eine Ehe neu geschlossen. Hinzu kommen Umwandlungen eingetragener Lebenspartnerschaften in Ehen: Diese wurden unter anderen von den Standesämtern Spremberg/Welzow (vier), Senftenberg (zwei) sowie Hoyerswerda, Lübben und Lübbenau/Vetschau (jeweils eine) durchgeführt. „Es gab und gibt keinen Ansturm auf die Standesämter. Insgesamt machen gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Eheschließungen nur einen geringen Anteil aus“, sagt Gubens Stadtsprecher Bernhard Schulz.

So seien im gesamten Jahr 2017 in der Neißestadt insgesamt 91 Ehen und lediglich drei Lebenspartnerschaften geschlossen worden.

In Cottbus gibt es erwartungsgemäß die meisten Eheschließungen zu verzeichnen: Hier haben sich im zurückliegenden halben Jahr vier homosexuelle Paare das Ja-Wort gegeben. Drei Paare ließen ihre Partnerschaft in eine Ehe umwandeln. Im Vergleich zu deutschen Städten mit ähnlich hoher Einwohnerzahl liegt Cottbus damit eher zurück. So gab es im zurückliegenden halben Jahr beispielsweise im niedersächsischen Hildesheim knapp 20, in Siegen 22 und in Gütersloh (beide Nordrhein-Westfalen) zehn entsprechende Trauungen.

Christian Müller vom Cottbuser CSD-Verein erklärt sich die Zurückhaltung damit, dass viele lesbische und schwule Paare auch ohne Trauschein glücklich seien: „Ich kenne einige Pärchen, die nicht gerade Verfechter der Heirat sind. Außerdem war die Öffnung der Ehe längst überfällig. Da ist es fraglich, ob man diese Gesetzesänderung nun feiern sollte.“

Nach Angaben der Lausitzer Standesämter ist eine Tendenz zu männlichen oder weiblichen Pärchen nicht zu erkennen. Auch das Alter der Partner ist höchst unterschiedlich. Es liegt zwischen Mitte 20 und 70 Jahren. „Der Grund für eine Heirat war in den meisten Fällen, dass die Lebenspartnerschaft nicht als ‚richtige’ Ehe angesehen wird und die Paare jetzt glücklich sind, eine Gleichbehandlung zu erfahren“, sagt Annegret Sonnenfeld vom Cottbuser Standesamt. Aus dem Lübbener Standesamt heißt es, dass die Eheschließung einerseits „zur Absicherung des Partners beziehungsweise der Partnerin“ erfolgte, andererseits um „die Liebe zueinander offiziell zu machen“. Zudem weist die Spremberger Standesbeamtin Elisa Hackenberger darauf hin, dass das Innenministerium die Gebühren für Umwandlungen übernimmt. „In kleineren Städten wie Spremberg wird sich das Aufkommen vermutlich auch in den kommenden Jahren in Grenzen halten“, schätzt sie ein.

Und dennoch: Einige Standesämter wie in Forst, Lübbenau/Vetschau und Senftenberg haben bereits Termine für gleichgeschlechtliche Eheschließungen in diesem Jahr reserviert. Immerhin stehen die beliebtesten Hochzeitsmonate im Sommer erst noch bevor.