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| 18:40 Uhr

Politik
Brandenburg unterstützt ab sofort Jesiden

Vor einem Jahr empfing Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD/r.) eine jesidische Delegation, unter den Gästen das geistliche Oberhaupt der Jesiden, Churto Hadschi Ismail (l.).
Vor einem Jahr empfing Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD/r.) eine jesidische Delegation, unter den Gästen das geistliche Oberhaupt der Jesiden, Churto Hadschi Ismail (l.). FOTO: dpa / Bernd Settnik
Potsdam. Rund 600 000 Euro stehen für Projekte bereit. Hilfe gibt es für in IS-Gefangenschaft traumatisierte Frauen. Von Benjamin Lassiwe

Es hat eineinhalb Jahre gedauert, aber jetzt geht es mit der Unterstützung des Landes Brandenburg für die bedrohte religiöse und ethnische Minderheit der Jesiden im Nordirak voran: Am Freitag übergab der Beauftragte für internationale Beziehungen der Landesregierung, Staatssekretär Martin Gorholt (SPD), einen Zuwendungsbescheid über 495 000 Euro an ein Projekt der Organisation „Mission East“ im Gebiet Sinjar.

 Dort soll ein Gemeinschaftszentrum entstehen, das unter anderem psychosoziale Beratungen, Traumaberatung und Therapien für Frauen anbieten soll, die sich in der Gefangenschaft der Terrororganisation IS befanden. Ein Projekt der Organisation „Wadi e.V.“ soll zudem mit 93 400 Euro gefördert werden.

Hintergrund ist eine von mehreren Abgeordneten von Linken, CDU und Grünen gestartete Initiative des Brandenburger Landtags zur Aufnahme verfolgter Jesidinnen und Jesiden in Brandenburg aus dem Dezember 2016. Damals hatten das Europaparlament und die UN begonnen, von einem Genozid an den Jesiden zu sprechen. Brandenburg wollte da nicht abseits stehen: 2017 besuchten etwa die UN-Sonderbotschafterin und auch das geistliche Oberhaupt der Jesiden, der Baba Sheik, Churto Hadschi Ismail, den Potsdamer Landtag. Nur mit dem Aufnahmeprogramm des Landes ging es nicht voran – bis der Beauftragte des Landes für internationale Beziehungen, Staatssekretär Martin Gorholt, die Sache an sich zog.

In dieser Woche war er selbst im Irak und führte dort Gespräche. Klar ist nun: Vermutlich schon im Herbst sollen 60 ehemals in IS-Gefangenschaft befindliche Jesidinnen nach Brandenburg kommen. Die Frauen, die vergewaltigt und zur Geburt von Kindern gezwungen wurden, sollen hierzulande „intensiv betreut“ werden und zur Ruhe kommen.

Untergebracht werden könnten die Jesidinnen etwa in Eberswalde. Die Stadt hat sich selbst als möglicher Ort für die Aufnahme ins Gespräch gebracht. Die mit dem Thema befassten Landtagsabgeordneten Dieter Dombrowski (CDU) und Andrea Johlige (Linke) zeigten sich am Freitag sehr zufrieden. Sie sei sehr froh, dass eineinhalb Jahre nach dem Beschluss des Landtags zur Jesidenaufnahme ein „gangbarer Weg“ gefunden sei, nachdem die Landesregierung zu Anfang „nicht sehr proaktiv“ gewesen sei, sagte Johlige. Und Dombrowski erklärte, er habe den Eindruck, dass sich Gorholt das Thema der Aufnahme von Jesiden „persönlich zum Anliegen gemacht hat.“ Er hoffe, dass es „jetzt sorgfältig und schnell weitergeht.“