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| 19:28 Uhr

Brandenburg
Neues Bestattungsgesetz sorgt in Brandenburg für Debatten

Potsdam. In Brandenburg sorgt das geplante neue Bestattungsgesetz für heftige Debatten. Von Benjamin Lassiwe

Darf aus dem toten Opa künftig ein Diamant am Ring der Enkelin werden? In Brandenburg ist dieses Thema weiter heiß umstritten. Vertreter der Brandenburger Bestatter haben gestern in der Potsdamer Landespressekonferenz für die geplante Novelle des Brandenburger Bestattungsgesetzes geworben, die in der kommenden Woche im Landtag verabschiedet werden soll. Darin enthalten ist unter anderem eine Regelung, wonach geringe Mengen Totenasche aus der Urne entnommen werden dürfen, um daraus ein Erinnerungsstück herzustellen. Sollte das Gesetz in Kraft treten, wäre Brandenburg das erste Bundesland, in dem das möglich wäre.

Der Herzberger Krematoriumsbetreiber und Vorsitzende des Berufsverbands Privater Krematorien in Berlin-Brandenburg, Gerd Rothaug, sagte am Montag, die Bestatter stünden für den Erhalt der Friedhofskultur. „Um einer rückläufigen Bestattungskultur entgegenwirken zu können, brauchen wir aber eine moderne Kultur“, sagte Rothaug. Das bedeute, dass „interessante Angebote für den letzten Tag“ geschaffen werden müssten. „Die Bestatter merken, dass der Bedarf nach Möglichkeiten für Trauerbewältigung zunimmt“, sagte Rothaug. „Ascheentnahme ist eine Möglichkeit.“

Unklar ist freilich weiter, was passiert, wenn sich niemand mehr daran erinnert, dass der Diamant einst der Opa war. Rothaug schlug am Montag vor, auf Brandenburger Friedhöfen künftig sogenannte Aschestelen zu errichten. Dort sollten Erben nicht mehr genutzte Erinnerungsstücke oder die einst entnommene Totenasche künftig beisetzen können. Doch auch er musste einräumen, dass man nicht verbindlich regeln könne, was letztlich mit Diamanten oder Erinnerungsurnen geschehe.

Scharfe Kritik gab es deswegen auch von den beiden großen Kirchen. Der evangelische Landesbischof Markus Dröge und Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch warnten erneut vor der Versachlichung menschlicher Überreste. Ein Mensch dürfe nicht zu einer Sache gemacht werden, die von einzelnen Personen in Besitz genommen werde, heißt es in einer Erklärung.

Zudem warnten die Theologen vor einer Kommerzialisierung des Todes: Sollte die Ascheentnahme erlaubt werden, würde „der kommerziellen Verwertung“ von Menschen die Tür geöffnet. Beide Kirchen traten erneut für die Einführung einer Bestattungspflicht für Fehl- und Totgeburten unabhängig vom Gewicht des Fötus ein. „Die Entscheidung, dass mit dem Unterschreiten oder Überschreiten einer bestimmten Grammzahl der Beziehung zwischen Mutter und Kind eine andere Qualität zugeschrieben werden kann, ist absurd“, sagte der Evangelische Länderbeauftragte, Pfarrer Martin Vogel. Bei Fehl- und Totgeburten empfänden Eltern den Verlust ihres Kindes „als abgrundtiefe Katastrophe, die sich jeder Quantifizierung entziehe“.