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Wolfs-Mischlinge in Thüringen
Hybriden der Spremberger Wölfin erschossen

Seit 2014 streift die aus dem Spremberger Rudel stammende Wölfin durchs Gelände des Truppenübungsplatzes Ohrdruf in Thüringen.
Seit 2014 streift die aus dem Spremberger Rudel stammende Wölfin durchs Gelände des Truppenübungsplatzes Ohrdruf in Thüringen. FOTO: S. Böttner, NABU Thüringen
Jena/Spremberg. Seit Mai 2014 lebt eine Wölfin aus dem Spremberger Rudel auf dem Gelände des Bundeswehrübungsplatzes Ohrdruf in Thüringen. Dort hat sie sich mit einem freilaufenden Hund gepaart. Das Ergebnis sind sechs Mischlinge, die als Hybriden bezeichnet werden. Thüringen hat sich für die Entnahme dieser Hybriden entschieden. Von Frank Hilbert

Wie das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz jetzt informiert, habe es angesichts der beginnenden Weidesaison seine Bemühungen zum Fang und Abschuss dieser Hybriden in den vergangenen Wochen intensiviert, wie es in einer Pressmitteilung heißt. Begünstigt durch den Wintereinbruch und das im Schnee leichtere Fährtenlesen sei auch der Abschuss von drei Hybriden gelungen. Ein weiteres Tier – nach Augenschein des Rissgutachters ebenfalls ein Hybrid – wurde am Sonntag mit Verletzungen an einem Bahngleis bei Gotha gefunden. Man gehe davon aus, dass es von einer Bahn erfasst worden ist. Die Gen-Analyse des Tieres dauere allerdings noch an.

Naturfilmer Andreas Kieling mit seiner Hündin Cleo. 2012 hatte er in der Lausitz fürs ZDF vermeintlich wilde Wölfe gefilmt. Kurz darauf hatte er zugegeben, dabei geschummelt zu haben.
Naturfilmer Andreas Kieling mit seiner Hündin Cleo. 2012 hatte er in der Lausitz fürs ZDF vermeintlich wilde Wölfe gefilmt. Kurz darauf hatte er zugegeben, dabei geschummelt zu haben. FOTO: ZDF/Andreas Kieling

Die drei geschossenen Tiere seien eindeutig Hybriden und befänden sich im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, um sie zu Forschungszwecken zu untersuchen.

Ministerin Anja Siegesmund (Grüne) betonte am Dienstag: „Wir standen seit dem Bekanntwerden der sechs Wolf-Hund-Mischlinge vor der Aufgabe, die Tiere aus der freien Wildbahn zu entfernen. Dafür tragen wir Verantwortung – zum Schutz der bedrohten Art Wolf. Wir haben mit hohem Aufwand intensiv versucht, die Tiere lebend zu fangen, um sie in den alternativen Bärenpark nach Worbis zu bringen. Verabredungsgemäß sind Mittel in den Ausbau entsprechender Gehege in hoher fünfstelliger Höhe geflossen. Bei den Fallen haben wir auf Kasten- und Schwingfallen gesetzt, die in dieser Kombination und Dichte erstmals so in der Bundesrepublik aufgestellt worden sind. Seit einigen Wochen haben wir Stufe zwei der Entnahmebemühungen gezogen, also sowohl Fangen als auch Abschuss. Uns war klar, dass angesichts der kommenden Weidesaison die Zeit drängt. Weil das Umsetzen des Wolfsmanagementplanes in unserer Verantwortung liegt, haben wir die Pflicht zu handeln.“

Zum Monatsende sollen die Fangbemühungen gestoppt werden. Dann beginne die Setzzeit der Wildtiere, also die Zeit, in der Jungen zur Welt kommen. Das Risiko sei zu hoch, dass durch den Fang eines Muttertiers jedweder Art die zugehörigen Jungtiere sterben. Die Abschussbemühungen für die mutmaßlich zwei verbliebenen Hybriden gehen vorerst weiter. Das Umweltministerium geht weiterhin davon aus, dass sie sich auf dem Truppenübungsplatz befinden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch folgender Aspekt: Thüringens große Waldgebiete sind eine wichtige Verbindung zwischen den beiden großen Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald. Um herauszufinden, welche Maßnahmen die Luchspopulation stärken, braucht es ein gutes Luchsmonitoring, betont das Umweltministerium. Dazu ist am Mittwoch im Wildtierland Hainich gGmbH ein umfangreiches Fotofallen-Projekt mit bis zu 20 Kameras gestartet worden. Sie sollen am und im Nationalpark Hainich installiert werden.

Der Tierfilmer und Abenteurer Andreas Kieling wurde am Mittwoch zum ersten Botschafter des Nationalparks Hainich ernannt. Kieling hatte 2012  in der Lausitz für Aufsehen gesorgt, als er auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz für die ZDF-Filmreihe „Kielings wildes Deutschland“ einen Beitrag über die dort lebenden Wölfe gedreht hatte. Kurz darauf wurden Schummelvorwürfe laut. Bei den angeblich im Film passend vor der Boxberger Kraftwerkskulisse freilaufenden Jungwölfen soll es sich um Hybriden gehandelt haben, wie seinerzeit das ZDF der RUNDSCHAU auf Nachfrage bestätigt hatte. Auch sollten die Aufnahmen mit den Jung-Wölfen und dem angeblichen Rudel laut dem Sender statt in Lausitzer Wäldern in einem Gehege aufgenommen worden sein.

Kieling selbst hatte damals in einem Statement auf seiner Internetseite sein Vorgehen verteidigt. Der Wolf sei sehr scheu und nachtaktiv. Aufnahmen wären somit nur mit Infrarot- oder Nachtsichtgeräten möglich. „Mir war ganz wichtig, dass wir vom Wolf ein positives Bild zeigen. Dieses Bild erzeuge ich aber nicht, indem ich verkrisselte und nebulöse Stephen-King-artige Phantombilder von Infrarotkameras zeige. Dadurch erzeuge ich erst dieses Unbehagen gegen über dem Wolf. Mit den gestochen scharfen Bildern werbe ich letztlich aber für den Wolf. Wir haben diskutiert, ob man die Aufnahmen hätten im Abspann kennzeichnen sollen. Aber wir wollten sie dadurch nicht entzaubern“, sagte Kieling. Diese Szenen hätten kenntlich gemacht werden müssen, hielt das ZDF dagegen.