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| 19:28 Uhr

Ein Dorf mit Zukunft
„Ein Tag in Dissen lohnt sich immer“

Dissen – das Storchen- und Museumsdorf am Rande von Cottbus. 2018 hat es den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ in Brandenburg gewonnen. Im Foto: Bürgermeister Fred Kaiser und seine Stellvertreterin Katja Hoffmann mit der Sieger-Tafel.
Dissen – das Storchen- und Museumsdorf am Rande von Cottbus. 2018 hat es den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ in Brandenburg gewonnen. Im Foto: Bürgermeister Fred Kaiser und seine Stellvertreterin Katja Hoffmann mit der Sieger-Tafel. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Dissen. Das Storchen- und Museumsdorf hat in Brandenburgs Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ überzeugt. Was macht das Spreewalddorf bei Cottbus aus?

Da hat die Bewertungskommission nicht schlecht gestaunt. Als sie sich im Sommer beim Kreissieger von Spree-Neiße in Dissen umgesehen hatte und sich präsentieren ließ, womit die Spreewaldgemeinde im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ antritt, trainierten auf dem Sportplatz Fußballer mit eben diesem Schriftzug auf den Trikots. „Nachdem wir zweimal Kreissieger wurden, aber im Land ohne Medaille in diesem Wettbewerb geblieben waren, haben sich die Kicker ihre Ausweichtrikots damit beflocken lassen“, sagt Bürgermeister Fred Kaiser (58).

Dass die Fußballer der Kommission rein „zufällig“ über den Weg liefen, gehörte schon mit zur Präsentation der deutsch-wendischen Gemeinde, räumt Kaiser mit einem Augenzwinkern ein. Doch das war letztlich nur eine Zugabe. Denn die Wettbewerbsjury hat das Selbstbewusstsein der Dorfgemeinschaft, das intakte Gemeindeleben und den Stolz auf das Erreichte überall in Dissen 2018 gespürt.

Letztlich hat der Brandenburg-Sieger in allen Kategorien die Nase vorn gehabt. „Wir haben von der Laudatio kaum etwas mitbekommen“, schildert Vize-Bürgermeisterin Katja Hoffmann (42) den Moment auf der Auszeichnungsveranstaltung Mitte September in Sauen (Oder-Spree), als nur noch die Dissener als Sieger infrage kamen. „Alle waren überwältigt und stolz.“

Was aber hat die Jury so sehr überzeugt? Der parteilose Bürgermeister, seit 1978 im Ehrenamt als Gemeindevertreter für sein Dorf unterwegs und seit 1993 Bürgermeister, nennt Eckpunkte: So konnte auf zwei ortsansässige Unternehmerinnen verwiesen werden, die neue Arbeit ins Dorf gebracht haben. Mit zwei Mitarbeiterinnen gestartet, habe Birgit Noack heute 18 Beschäftigte in ihrer Hauskrankenpflege. Und Susanne Schönemann sei vor gut zehn Jahren aus der Arbeitslosigkeit heraus als Pflegemutti angetreten. Inzwischen tummeln sich in ihrer Kita „Wichtelland“ 52 Kinder. Eltern aus den umliegenden Dörfern, aber auch aus Cottbus, bringen ihre Knirpse nach Dissen. Bis 2020 sei die Kita ausgebucht.

Die Juroren haben aber auch auf das Ortsbild der 630-Einwohner-Kommune geschaut und anerkannt, dass historische Baukultur im Dorfkern bewahrt wird. Dank einer Gestaltungssatzung wird bei Neubauten im Zentrum am Satteldach festgehalten. Eine Farbtafel gilt als Richtwert. Fred Kaiser verweist zudem darauf, dass in einem Projekt mit BTU-Studenten herausgearbeitet wurde, dass öffentliche Gebäude verklinkert sind.

Das große Pfund der Dissener, die mit Striesow zum Amt Burg (Spreewald) gehören, ist aber der Tourismus. Aus 40 Quadratmetern Heimatstube ist unter Babette Zenker ein richtiges Heimatmuseum mit einem frühmittelalterlichen Siedlungsausschnitt „Stary lud“ geworden, das Tausende pro Jahr besuchen. Direkt hinter dem Heimatmuseum haben die Cottbuserin Anne Jahn und ihr Team einen Kräutergarten mit 600 verschiedenen Pflanzen – 30 davon stehen auf der Roten Liste - angelegt, der zum Muss für Besucher von Dissen geworden ist.

„Sogar den Traum vom eigenen Dorfladen haben wir uns erfüllt“, fügt Kaiser hinzu. Berliner Betreiber bieten im „Liska“ Kaffee und Imbiss an. Am selbst gemachten Eis komme kein Radwanderer vorbei. Bei dieser Gelegenheit könnten Streuobstwiese, Imkerei und Wetterstation besichtigt werden.

„Das alles funktioniert natürlich nicht ohne die Dissener selbst“, sagt Katja Hoffmann und erinnert an das Brandenburger Dorf- und Erntefest vor sieben Jahren. 100 Helfer aus dem Dorf hätten mit zum Erfolg beigetragen. Was in den zurückliegenden 25 Jahren im Dorf vorangekommen ist, sei natürlich auch der Verdienst von Fred Kaiser.

Es sei ein cleverer Schachzug gewesen, Vertreter aller Vereine in die Gemeindevertretung zu holen. „Damit reden immer alle darüber mit, was im Dorf passieren soll.“ Und Fred Kaiser hat heute junge Leute mit am Tisch, mit deren Eltern er schon die Geschicke von Dissen beraten hat. „Ehrenamt ist vererbbar“, nennt der Bürgermeister diesen Effekt. Als nach dem Wettbewerbssieg noch in der Nacht eine Party auf dem „Liska“-Hof steigen sollte, wurden Netzwerke aktiv. In Windeseile war die Party – mit Landrat Harald Altekrüger (CDU) - organisiert. Im Storchen- und Museumsdorf Dissen, das sich auch vor dem Titelgewinn als „Dorf mit Zukunft“ gesehen hat, plant man unterdessen weiter. Für die Freiwillige Feuerwehr wird im Ortskern ein historischer Bauernhof umgebaut. Der Neubau von 15 bis 20 Häusern sorgt für weiteren Zuzug. Im Spreeauenhof „Liska“ wird die Sanierung der Nebengebäude ins Auge gefasst. „Wir sehen uns für Burg als ein touristisches Zubrot, mit dem sich der Aufenthalt von Gästen verlängern lässt“, steckt Fred Kaiser ab, was sich im Amt noch nicht überall herumgesprochen habe. Deshalb sei man beim jüngsten Umzug zum Burger Heimatfest „mit unserem Slogan aufgetreten: Ein Tag in Dissen lohnt sich immer.“

Dissen - das Strorchen- und Museumdorf am Rande von Cottbus. 2018 hat es den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" in Brandenburg gewonnen.  Foto: Ch. Taubert
Dissen - das Strorchen- und Museumdorf am Rande von Cottbus. 2018 hat es den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" in Brandenburg gewonnen. Foto: Ch. Taubert FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau