| 02:38 Uhr

Digitale Aufholjagd im Osten

Bad Saarow. Mit mehr Forschung könnte Ostdeutschland aufholen und schneller als der Westen den Umbau zur digitalen Wirtschaft schaffen. Sachsen-Anhalts Regierungschef Haseloff fordert Steuererleichterungen für Innovationen. Rochus Görgen

Der Osten Deutschlands könnte nach Einschätzung des Hasso-Plattner-Instituts den Umbau zur digitalen Wirtschaft schneller schaffen als der Westen. In den neuen Bundesländern habe man bereits Erfahrungen mit der Transformation von der Plan- zur Marktwirtschaft, sagte der Chef des Potsdamer Instituts, Christoph Meinel, am Freitag auf dem ersten Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow bei Berlin.

"Wir können umgehen mit Transformationen", sagte Meinel. Ähnlich wie nach der Wende werde sich die Wirtschaft durch digitale Technologien radikal wandeln. "Wir sind die erste Generation, die sich in dieses Neuland vorwagt." In einer digitalen Welt könnten Standortnachteile verblassen, sagte Meinel auf der Tagung. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) forderte in einer Podiumsdiskussion ein neues Aufbauprogramm für Ostdeutschland. Mit den Unterschieden in der Wirtschaftskraft dürfe man sich nicht abfinden. "Das kann doch nicht die Umsetzung des Grundgesetzes sein", sagte Haseloff. Das gelte auch für strukturschwache Regionen im Westen, die eine neue Förderung benötigten. Denkbar seien steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung. Unter dem Strich könne dies kostenneutral sein.

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) sagte, im Osten müsse die Innovationsfähigkeit gestärkt werden. "Es ist im Sinne Gesamtdeutschlands, dass der Aufholprozess der ostdeutschen Bundesländer nicht unterbrochen wird." Viele Unternehmen im Osten seien klein oder Ableger großer Konzerne, wo nicht geforscht werde. Dies müsse mit einer engeren Kooperation mit den Hochschulen abgefangen werden. Die Veränderungsfähigkeit sei aber da: "Ostdeutschland ist ein Landstrich, der sehr flexibel ist", sagte Woidke. Der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, in der Bundeshauptstadt habe sich eine starke Start-up-Szene entwickelt. "Die Stadt zieht an." Berlin habe 50 zusätzliche Professuren für Informationstechnologie beschlossen. Ein Problem sei aber, dass genügend Platz für Wohnraum wie auch Gewerbe zur Verfügung gestellt werden müsse. Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) sagte, eine Kooperation von Hochschulen und Firmen habe für beide Seiten viele Vorteile.

Am Vortag hatte das Ifo Institut dargestellt, dass die Angleichung von Ost und West bereits vor 15 Jahren zum Erliegen gekommen ist.