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Dienstreise mit Cappuccino und Gelato

Post aus Potsdam. Wer eine Reise macht, der kann was erzählen. So ist es derzeit auch im Potsdamer Landtag. Gleich mehrere Parlamentsausschüsse nutzen die Zeit zwischen dem Tag der Deutschen Einheit und dem Wochenende, um auf Dienstreise zu gehen. iwe1

Den Bildungsausschuss etwa hat es nach Südtirol verschlagen. "Wir haben uns angesehen, wie man hier die Inklusion umsetzt", berichtet der Prignitzer Abgeordnete Gordon Hoffmann. "Und wir haben uns zeigen lassen, wie man in Südtirol wohnortnahe Schulstandorte in dünnbesiedelten Regionen organisiert hat." Fragen, die auch für das Land Brandenburg und besonders seine Randregionen eine Rolle spielen.

Neben einem Besuch im Südtiroler Landtag standen deswegen etwa Gespräche mit dem Bildungsminister, dem Schulamtsleiter oder einer Inklusionsexpertin in der Universität in Brixen auf dem Programm der Brandenburger Bildungspolitiker. Und natürlich hatten die Abgeordneten auch jede Menge Freizeit.

Wer die Mitglieder des Bildungsausschusses im sozialen Netzwerk Facebook verfolgt, konnte zuweilen sogar den Eindruck haben, der Ausschuss sei gar nicht nach Bozen gereist. Denn weil der Zielflughafen der Delegation Venedig hieß, machten unzählige Fotos vom Canale Grande in den vergangenen Tagen die Runde. Cappucinotassen und schaukelnde Gondeln fanden ebenso Eingang in das soziale Netz wie die Diskussion über die Frage, welcher Abgeordnete nun unbedingt "Gelato" brauche. Sogar Fotos einer Seilbahnfahrt fanden den Weg ins Datennetz. Was bei der Reise dagegen inhaltlich herausgekommen ist, liegt derzeit dagegen noch im Dunkeln. Denn inhaltliche Postings suchte man am Freitag im sozialen Netz vergebens.

Und da solche Reisen in Brandenburg in der Regel ohne Medienbegleitung stattfinden, wird die interessierte Öffentlichkeit wohl auf die nächste Sitzung des Fachausschusses warten müssen, um zu erfahren, wieso sich der Austausch mit der autonomen italienischen Alpenprovinz für die Landtagsabgeordneten auch inhaltlich gelohnt hat - und welche ihrer Erfahrungen sie daraus für das Land Brandenburg übernehmen wollen.