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| 14:43 Uhr

Bergbaufolgen in der Lausitz
Die unterschätzte Altlast der Lausitz

Löscheinsatz an einem Kohlestaub-Absetzbecken FOTO:
Spreetal/Schwarzheide. Brandenburg reagiert auf Schwelbrände von Kohletrübe. Auch Sachsen steht in der Pflicht.

Sechs Tage sind die Feuerwehren bei Spreewitz (Kreis Bautzen) im Löscheinsatz an einem Kohlestaub-Absetzbecken gewesen. Erst das Fluten der unterirdisch schwelenden Brände in der teilweise mehrere Meter mächtigen Kohle-Ablagerung hat die Feuer am Sonnabend endgültig erstickt. Das bestätigt die Regionalleitstelle Ostsachsen in Hoyerswerda. Das Wasser ist mit einer Riesen-Pumpe des Technischen Hilfswerkes Sachsen, die erstmals in Deutsckland zum Einsatz kam, zugeführt worden.

Kohlestaub-Becken wie das zwischen Spreewitz und Schwarze Pumpe sind offensichtlich eine vergessene und unterschätzte Altlast der längst vergangenen Ära der Braunkohleveredlung in der Lausitz. Das Abfallprodukt aus Brikettfabriken, Kokereien und Kraftwerken ist zu DDR-Zeiten in Restlöcher eingespült worden. Das erklärt Uwe Steinhuber, Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Die Bergbausaniererin ist bei Spreewitz nur Nachbarin der Brandfläche. Eigentümer der Altlast soll das insolvente Unternehmen Sustec Schwarze Pumpe sein. Kohletrübe hat in diesem Sommer allerdings auch in Schwarzheide nahe der Bildungsstätte SeeCampus Niederlausitz tagelang gebrannt. Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos) kämpft seit Jahren darum, dass die Altlast hier entfernt wird. Doch Sanierer und Behörden streiten um die Sanierungstechnologie.

Kohletrübe ist auch in den benachbarten Ferdinandssee sowie in Lauchhammer in den Wehlenteich,den Kuthteich und die Millygrube eingeleitet worden. Eine Rekultivierung soll nach dem vollständigen Auffüllen der kleinen Tagebaurestlöcher mit Kohletrübe und auch Asche aus den Kraftwerken geplant gewesen sein. „Damit wäre auch jegliche Gefahr von Selbstentzündungen und Schwelbränden ausgeschlossen worden. Aber dazu kam es nun durch die Energiewende nicht“, erklärt Steinhuber.

Der Kohledreck ist tückisch. Nach einer Entzündung schwelt er weiter und ist sehr schwer zu löschen. Bei Spreewitz nur mit dem Fluten des Absetzbeckens. Im Juni hatte es auch am Ferdinandssee gebrannt. „Als hier bergrechtlich verantwortliches Unternehmen haben wir uns entschieden, den Seewasserspiegel grundsätzlich anzuheben, um diesen Schwelbrandherd einzudämmen“, so der LMBV-Sprecher.

Die anhaltende Trockenheit aber lasse den Wasserstand nur langsam ansteigen. Das Brandenburger Landesbergamt, die Naturschutz- und die Wasserbehörden haben nun beschlossen, die Kohletrübe am Ferdinandssee abzutragen, um die akute Brandgefahr dauerhaft zu bannen. Diese Forderung hat Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) auch für Spreetal aufgemacht.