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"Die Spuren seiner Arbeit werden sichtbar bleiben"

FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Hermann Sylvius Graf von Pückler, der Urgroßneffe von Fürst Pückler, ist am Montag im Familiengrab im Park Branitz beigesetzt worden. Er war am 18. Mai nach langer Krankheit 77-jährig in München gestorben. Peter Blochwitz

Die Beisetzung wie auch der Trauergottesdienst zuvor in der Cottbuser Oberkirche St. Nikolai fand unter großer öffentlicher Anteilnahme statt. Die letzte Ehre erwiesen Pückler unter anderen der frühere Ministerpräsident des Landes Brandenburg Manfred Stolpe (SPD), Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Martina Münch (SPD), der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Gert Streidt, Direktor der Branitzer Pückler-Stiftung.

Die Trauerrede hielt der frühere CSU-Politiker Peter Gauweiler. Pückler, der auch CSU-Mitglied war, sei "immer wunderbar offen" gewesen, sagte Gauweiler. "Er war in allen Bereichen ein Brückenbauer. Und er besaß eine außerordentliche Charakterstärke, die Prüfungen des Lebens zu bestehen", verneigte er sich vor den Angehörigen um Ehefrau Elke Gräfin von Pückler und Sohn Maximilian Graf von Pückler-Märker.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der dem Verstorbenen posthum den Landes-Verdienstorden verlieh, sagte, Pücklers "segensreichem bürgerschaftlichen Engagement" sei die Wiederauferstehung von Park und Schloss Branitz zu verdanken. "Mit ausgeprägter Pücklerscher Entschlossenheit hat er den hier lebenden Menschen ein wichtiges Stück Identität wiedergegeben." Pücklers Ziel, Branitz zur Unesco-Weltkulturerbe-Stätte erheben zu lassen, habe er leider nicht mehr verwirklichen können. "Das ist sein Vermächtnis, daran arbeiten wir."

Pückler, der 1939 in Wien geboren wurde, lebte die ersten Jahre seiner Kindheit im Schloss Branitz. 1945 floh die Familie, sie musste ihren Besitz zurücklassen. Sein Vater war in Polen gefallen. Die Schulzeit verbrachte Hermann Graf Pückler in Hannover in ärmlichen Verhältnissen. Er studierte Jura in Freiburg und München, war Geschäftsmann und Unternehmensberater. Nach der politischen Wende siedelte er sich wieder in Branitz an. Die Ablehnung des Restitutionsantrages im Jahr 1991 kam für ihn überraschend. Die Familie erhielt nur bewegliche Sachen wie die Bibliothek, Kunstgegenstände und Bilder zurück, die heute als Dauerleihgaben im Schloss zu sehen sind. Über weitere verschwundene Bücher, Bilder und Mobiliar hat Pückler umfangreiche Forschungen angestellt und konnte einiges zurückerwerben.

"Die Spuren seiner Arbeit werden sichtbar bleiben", erklärte Pfarrer Helmut Huppatz in der Oberkirche, bevor die Trauergemeinde Paul Gerhardts Lied "Geh aus mein Herz, und suche Freud" anstimmte: "Schau an der schönen Gärten Zier . . . "